Letzte Nachtetappe vor Gibraltar

Es ist Sonntag Morgen. 7. Mai, 80 nm vor Tanger, Marokko. Auch die dritte Nacht auf See ist nun vorbei.

Den Segeltag gestern haben wir sehr genossen. Wir duschten das erste mal seit Monaten im Cockpit. Es war so schön. Die Dusche im Boot ist viel enger und bei der Schiffsbewegung holt man sich so manchen blauen Fleck. Hier draußen an Deck hatte ich ein fettes Grinsen im Gesicht und dachte….das sind die Gründe weshalb ich Lust habe auf dieses Abenteuer. Mitten auf dem Atlantik draußen zu duschen, den Duft meiner Weleda Rosenseife zu riechen, die wärmende Sonne auf meiner Haut zu spüren und das SEIN zu genießen. So schön. Wehmütig dachte ich daran, dass wir schon Morgen am Ziel sein werden.

Zum Abendessen gab es leckeres Curry mit Reis. Das Kochen war mein Workout. Bei 25° Krängung und 9 Kn Fahrt zu kochen ist eine Tätigkeit, die gut koordiniert sein möchte und bei dem mein Körper viele Muskeln einsetzten muss. Es ist einfacher den „Berg rauf“ zu kochen, da kann ich mich mit der Rückseite meines Körpers an der Spüle abstützen. Muss ich etwas an der Spüle arbeiten, stütze ich mich mit den Knien ab…die sind wahrscheinlich morgen  mit blauen Flecken übersät. Der restliche Körper ist angespannt um stabil zu stehen. Ich finde es jedesmal aufs Neue eine interessante Erfahrung meinen Körper zu beobachten, was er da für mich leistet. Danke lieber Körper. Immer wieder wäre eine dritte Hand nötig… Dieses mal segeln wie auf dem Steuerbord Bug. Das bedeutet meine Schränke in der Küche, die auf der Backbord Seite sind, spucken beim Öffnen alles aus, was nicht gesichert ist, so zum Beispiel gestern zwei Porzellan Teller. Einer flog schneller als ich schauen konnte aus dem Schrank. Zerbrach auf der Küchenablage und verteilte seine Scherben anschließend im Boot. Ich hatte Glück, dass mich nur eine kleine Scherbe traf und der Schnitt nicht groß war. Den zweiten Teller fing ich in der Luft. Da ich nun saugen musste um alle Scherben zu erwischen, war das Boot auch wieder schön geputzt.

Die verschiedenen Wettermodelle sagten für die Nacht voraus, dass der Wind zunächst noch auf 16 mit Böen 19 kn zunimmt und sich dann abschwächt. Seit dem Morgen segelten wir bei 13 kn Wind mit dem Code 0 ganz stabil mit 9 bis 10 kn Fahrt. Der JAFA Autopilot hielt das Boot bei den niedrigen Wellen gut auf Kurs. Dennoch wechselten wir bei Helligkeit noch die Segel. Der Code 0 wurde gegen die Genua getauscht und in das Großsegel wurde das erste Reff eingebunden. Tags ist es einfacher und manchmal kommt der Wind anders als berechnet.

Es war eine gute Entscheidung. Der Wind nahm weiter zu. Längere Zeit blies er mit 18 bis 22 kn von querab und die Wellen mit 2 Metern schoben noch mit. So rauschten wir zügig mit 8-10 Kn Fahrt durch die Nacht.

Ich hatte die erste Wache bis 2:30 Uhr, dann hat mich Mathias abgelöst. Wieder eingekuschelt mit schöner Musik im Cockpit, Sternenhimmel und Vollmond ein schönes Erlebnis. Auch diese Nacht keine Schiffsbegegnungen. Die Geräusche waren etwas anders, als in der Nacht zuvor. Ich bin hin und wieder aufgeschreckt um zu schauen was da ist. Aber sehen konnte ich nichts. Das gurgeln des Wassers, das klatschen der Wellen gegen den Rumpf…immer wieder nehme ich es anders wahr. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir den Orcas näher kommen, so ist die Wahrnehmung noch sensibler, man ist in „hab Acht“ Stellung. Soweit hier draußen sind sie normalerweise nicht, aber man weiß ja nie.

Heute am 7.5.23 werden wir am Abend wieder in irgendeinem Hafen festmachen. Wo wissen wir noch nicht. Es wird nicht in der Karibik sein…..🤣 nicht dass es wieder zu Missverständnissen kommt.😃 Wir machen es Abhängigkeit vom Wetter, der Strömung und den Orca‘s. Sobald wir wieder Empfang haben können wir schauen, wo sie zuletzt gesichtet wurden. Unser Pinger für die Profifischer liegt bereit. Mit ihm wird in der Grossfischerei der „Beifang“ von z.B. Delfinen reduziert. Ob wir ihn zur Vorsicht einfach im Wasser nachziehen werden, wissen wir noch nicht, da seine Frequenzen und Lautstärke mit 175 Db für alle Tiere unter Wasser sehr unangenehm sind. Wir folgen unserer Intuition, wenn es soweit ist. Im Moment läuft das Mantra „Om mane padme hum“ als Playlist von unterschiedlichen Interpreten. Diese friedliche Energie umgibt uns nun und so werden wir hoffentlich nur freudige Begegnungen haben.

Wir freuen uns auf drei Monate im westlichen Mittelmeer.

Urlaubsfeeling auf der PURE FUN

Es geht uns echt gut hier in der Marina Rubicon. Warum sind wir eigentlich noch hier? Ach ja, Hafengebühren waren für 4 Wochen günstiger, Mathias ist ja Schwabe….es ist schön hier und wir warten noch auf Ersatzsegel. Normale Lieferungen sind hier sehr viel aufwendiger. Die Kanaren sind spanisch, aus steuerlicher Sicht jedoch auch etwas ganz besonderes. So geht hier jede Lieferung aus der EU durch den Zoll auf den Kanaren. Die Dauer ist schwer absehbar.

Wir verbringen unsere Zeit mit schlafen, lange frühstücken, etwas Yoga oder Streching und für ein paar Stunden segeln mit anschließendem Baden in der Papagayo Bucht, abends wieder rein in den Hafen mit essen an Bord oder in einer der umliegenden Hafenrestaurants. Richtig gechilltes Urlaubsfeeling.

Am Sonntag den 8.1.23 segelten wir zwischen Lanzarote und Fuerteventura hin und her um die Boote des RORC Transatlantik Race ganz nah erleben zu können.

Heute am 17.1.23 sind die ersten Monohulls schon angekommen, das deutsche Boot Black Pearl mit Stefan Jentzsch kurz vor dem Ankommen. Von außen betrachtet fühlt sich das sehr schnell an.

Natürlich hatten wir auch weiterhin fleißige Helfer an Bord. Manuel unser sympathischer und kompetenter Segelmacher von LANZAROTE SAILS, der eigentlich nie Zeit hat und uns dennoch immer wieder hilft. Auch am Anker benötigten wir nochmal einen Fachmann sowie einen Sensor, das uns von unserem Besuch aus Deutschland mitgebracht wurde. Da das mit dem Postweg hierher sehr langwierig ist, hatten unsere Freunde viele Kilo Gepäck für uns dabei, unsere neuen 230 cm langen Segellatten für die Genua, die anderen hängen noch bei der Abfertigung, wie auch neuen Hochland Kaffee.

Seit letzten Freitag sind Anna und Hanno aus Stuttgart an Bord. Sie wären jetzt, wäre alles nach Plan gelaufen mit uns und Evelyn auf dem Atlantik unterwegs. Die ARC ging letzten Sonntag los, ohne uns. Den Start so aus der Ferne zu erleben war schon nochmal sehr traurig….aber so ist es nunmal.

So genießen wir nun eine gemeinsame Woche hier auf Lanzarote. Gestern hatten wir die Idee 35 nm nach La Graciosa hoch zu segeln, dort über Nacht zu Ankern um am nächsten Tag zurück zu segeln. Da zuvor noch Segellatten gekürzt und in die bereits angeschlagene Genua eingebracht werden mussten, legten wir erst um 13:30 Uhr in der Marina ab. Das war natürlich reichlich spät für diesen Törn.

Auf dem Törn nach La Graciosa hatten wir einen schönen Upwind Kurs mit ca. 20 Kn Wind uns 1-3m Welle. Schönes aktives segeln.

Mir war, da nichts mehr gewöhnt, wie so oft etwas flau im Magen. Das kenne ich schon, dauert ein paar Stunden, dann ist es vorbei. Also beschloss ich mich unten etwas aufs Ohr zu legen. Während dessen dreht der Wind zu unseren Ungunsten und wurde schwächer. So wurde die errechnete Ankunftszeit immer später und am Nachmittag entschieden wir den herrlichen Wind zu nutzen um mit vollen Segeln zügig vor dem Wind in die Marina zurückzukommen. So segelten wir entspannt mit 9 kt Speed vor dem Wind. Es machte so viel Spaß in dem leichten Wind, bei angenehmen 25 Grad die Gischt am Bug fliegen zu sehen und mit den Wellen zu segeln. Abends am vertrauten Liegeplatz angekommen wurde mit Cerveza und Wermut mit Orange und Eis auf den schönen Segeltag angestoßen.

Gastbeitrag unserer jungen Crew zum Törn Lagos – Lanzarote

Pia Speckle, 19 Jahre, segelt im J70 Bundesligateam vom WYC und weiteren Bootsklassen. #pia.xps

Justin Venger, 21 Jahre alt, segelt J70 im Bundesligateam beim WYC. #justin2000v

Carlo Schnetz, 23 Jahre alt, segelt J70 im Bundesligateam beim WYC. #carloeon1503

Von Lagos nach Lanzarote – aus Sicht von Justin, Carlo und Pia

Als wir am Montag gegen Nachmittag in Faro landeten und Abends das erste Mal das Boot in Lagos sahen, wurde unsere Vorfreude noch größer als sie es bis dort hin schon war. Leider mussten wir uns noch etwas gedulden, da das Wetter nicht auf unserer Seite war. Das gab uns jedoch die Möglichkeit in den kommenden zwei Tagen sowohl das Boot, als auch seine Skipper, während ein paar noch zu verrichtenden Arbeiten besser kennenzulernen.

Am Donnerstagmorgen war es dann soweit, dass wir in See stechen konnten. Bei gutem Wind mit bis zu 30 Knoten von vorn segelten wir Richtung Lanzarote. Leider war unsere Freude nur von kurzer Dauer, da die drei Bodenseekinder allesamt mit Seekrankheit zu kämpfen hatten. Hinzu kam, dass nun noch einige Dinge am Boot anders verliefen als wir sie uns vorgestellt hatten. Nachdem zuerst die Latten der Genua beschlossen, ihr Leben am Grund des Atlantiks zu verbringen, machte nun auch noch der Furler Probleme. Mit zunehmendem Wind der in Spitzen nun deutlich über den 30 Knoten lag, entscheiden wir uns die Genua von Hand zu bergen und stattdessen mit der kleineren Fock weiter zu segeln. Nachdem alle Segel wieder am richtigen Platz waren freuten wir uns dass es nun wieder bergauf zu gehen schien. Am kommenden morgen, wurden wir leider enttäuscht. Das Kutterstag riss und die Fock landete  im Wasser. Nun waren wir gezwungen nur noch mit dem Großsegel weiter zu segeln. Langsam wird klar, dass wir unseren Kurs auf Lanzarote nicht halten können. Da sich das Boot aber auch nur unter Groß stabil anfühlt, entscheidet Mathias gemeinsam mit uns die Fahrt nicht abzubrechen sondern nur vorerst den Kurs auf Marokko zu ändern. Als wir spätabends kurz vor Casablanca waren, teilte uns der Hafenmeister mit, dass wir dort keinen Platz bekommen würden, empfiehlt uns aber einen Hafen weiter nördlich. Frage des Hafenmeisters nach unserer Ansteuerung auf Casablanca:“Pure Fun, what is your Intension?“ Er war sichtlich empört von unserer Idee in seinem Hafen anlegen zu wollen. Im empfohlenen Hafen weiter nördlich angekommen angekommen lies uns leider der dortige Hafenmeister wissen, das Boot sei zu groß. Allerdings meinte er, wir könnten vor dem Hafen hinter der Mole des Industriehafens mit LNG Terminal ankern. Glücklich endlich einen ruhigen, wenn auch etwas skurrilen Platz gefunden zu haben, freuten wir uns alle müde ins Bett fallen zu dürfen. Am nächsten Tag wurden wir von der marokkanischen Sonne begrüßt. Nachdem die Hafenarbeiter unsere Pässe kontrolliert und ein paar Zigaretten abgestaubt hatten, machten wir uns dran die Schäden der letzten Tage und Nächte zu begutachten. Schnell wurde klar, dass wir den gebrochenen Furler der Genua nicht reparieren konnten, ähnlich wie das Kutterstag. Nach dem wir auch die kleineren Dinge, wie ausgerauschte Schoten, wieder an ihren Platz gebracht hatten, berieten wir über den weiteren Verlauf unserer Reise. Wir entschlossen uns das Ziel vorerst offen zu lassen, ob wir nach Agadir oder wirklich nach Lanzarote segeln, wollten wir spontan aus der Situation entscheiden. Auf dem Weg an der marokkanischen Küste entlang, vorbei an Casablanca, segelten wir quasi direkt in einen wunderschönen Sonnenuntergang. Zum Einbruch der Dämmerung kamen uns noch einige Delfine besuchen, die uns tatsächlich fast eine Stunde auf unserem Weg begleiteten – was eine schöne Belohnung nach einem solchen Tag war. 

Leider blieben wir auf dieser Tour vor nichts verschont. Nachts riss uns die Förlerleine des Großsegels. Dennoch beschlossen wir weiter zu segeln und entschieden uns auch dafür nach Lanzarote zu segeln. Der Wind sollte laut Vorhersage deutlich abnehmen, zum Glück bewahrheitet sich dies und der Wind sankt auf rund 5-6 Knoten. Gegen Sonntagnachmittag beschlossen wir die Genua, die wir zuvor von Hand hinaufgezogen hatten und ohne Förler gefahren waren zu bergen und nicht mehr weiter zu kreuzen, um Zeit einzusparen. Unter Motor ging es direkt gegen an Richtung Lanzarote. Den Montag vertrieben wir uns bei strahlendem Sonnenschein mit gutem Essen, Karten spielen und interessanten Gesprächen, während es wenn auch unter Motor, weiter in die richtige Richtung ging. 

Jetzt um kurz vor fünf am Dienstagmorgen sind wir 60 Meilen vor Lanzarote und haben es fast geschafft. 

Auch wenn der Wind es nicht gut mit uns meinte und die gesamten Tage von vorn kam, uns ein Schaden nach dem Anderen in die Quere kam und wir viel zu viel Zeit unter Motor verbrachten, werden wir die Tage sehr positiv in Erinnerung behalten. Wir durften sehr viel lernen und einige neue Dinge aufschnappen. Mathias und Sybille haben uns mit Ihrer Offenheit  und gutmütigen Freundlichkeit auf eine sehr schöne Weise an Ihrem Leben teilhaben lassen und wie Mathias sagen würde, Ihr Glück auf diesem sehr schönen Schiff mit uns geteilt. Wir haben uns sehr gefreut dass Ihr uns mitgenommen habt und sind sehr dankbar für die tolle Zeit hier. Für eure weiteren Abendteuer, wünschen wir euch ganz viel Spaß, schönen Wind und dass alles so kommt wie ihr es euch vorstellt. 

Autoren: Pia, Justin und Carlo
Anleger Bierchen in Arrecife

Zwischenstopp in Marokko

Wir hatten sehr viel Wind, Regen und Welle 3-5m unterwegs. 25-max. 40 Knoten Wind. Alle bis auf Mathias waren kurzzeitig Seekrank. Unser Stuggeron hat uns mal wieder gerettet. Als wir die Genua wegrollen wollten um die kleine Fock zu setzten wollte der Furler nicht funktionieren. Also musste die Genua runter und verpackt werden. Bei den vorherrschenden Windverhältnissen und der Welle war es großes Glück so erfahrene Segler:innen an Bord zu haben. Unsere Genua ist groß und schwer. Also segelten wir mit der kleinen Fock weiter…..bis es knallte und unsere Fock im Wasser lag. Wieder am Kopf abgerissen, wie beim letzten Mal. Dabei ließ es sich so schön mit ihr segeln. Unser Autopilot hat super funktioniert und auch unsere Pure Fun lief prima durchs Wasser.Schade, dass die Segel Probleme machten. Also musste auch dieses Segel geborgen und versorgt werden. Da wir nun ganz ohne Vorsegel waren beschlossen wir in Casablanca zu stoppen. Casablanca ließ uns nicht in den Hafen, also mussten wir nach Mohammedia. Dort durften wir in der Bucht ankern. Ankunft 22:00 Uhr. Um 7:15 Uhr kam dann die Coastguard zur Passkontrolle.

Heute Morgen wurde die Lage untersucht. Der Furler ist auf die Schnelle nicht zu reparieren da etwas gebrochen ist. Nun wurde so umgebaut, dass wir die Genua setzten und wieder von Hand bergen müssen. Da wir zu fünft sind geht das. Also segeln wir nun weiter Richtung Agadir. Sollte es wieder erwarten super klappen, dann wird es vielleicht doch noch Lanzarote. We will see. Auf jeden Fall ist unsere Crew der „Hammer“. Unglaublich, was die alles drauf haben. Alle Drei. So, nun geht es weiter. Samstag 17:00 Uhr…..heute Morgen wurden wir von der Sonne geweckt. hatten schönes warmes Wetter, nun hat es wieder zugezogen. Wettervorhersage….Wind von vorn…mal wenig, mal mehr. Aber hier versauern wollen wir auch nicht. Also packen wir es an. Drückt uns die Daumen.

Pia im Baum…..puh…Respekt!

2. Advent in Lagos

Am Donnerstag sind wir gegen 11:30 Uhr mit dem Ziel Sines in Cascais losgesegelt. Wir hatten 10-15 Kn Wind, 60-80° Windeinfallwinkel. So beschlossen wir den Code ZERO zu setzten. Wir segelten mit 9-10 Kn Geschwindigkeit unserem Ziel entgegen. Das hat Freude gemacht. Gegen 15:00 Uhr wären wir in Sines angekommen. Da das Segeln sehr viel Spaß gemacht und die Vorhersage gemeldet hatte, dass der Wind um ca. 18:30 Uhr einschlafen wird beschlossen wir die letzten Stunden Wind auszunutzen und direkt nach Lagos weiter zu segeln.

Der Wind schlief tatsächlich pünktlich nach Sonnenuntergang ein und wir mussten den Motor einschalten. Wir genossen auf dem Verdeck sitzend diesen wunderschönen Sonnenuntergang. Das sind unglaublich schöne Momente. Am 2. Dezember in Portugal zu Segeln und diese besondere Stimmung miterleben zu dürfen.

Da wir uns im Orca Angriffgebiet befanden wollten wir dieses so zügig wie möglich passieren. Unsere Ankunftszeit in Lagos wird ca. 1:30 Uhr sein. Ich versuchte zwischen 19-21 Uhr und zwischen 0:30-2:30 Uhr zu Schlafen. Dazwischen übernahm ich die Wache. Ab 2:30 Uhr waren wir gemeinsam an Deck. Die Einfahrt in den engen Kanal, mit der stark beleuchteten Palmen Allee am linken Kanalrand bei Niedrigwasser, erforderte zu dieser Uhrzeit volle Konzentration. Nach dem Dunkel auf See blenden die hellen Lichter sehr. Ich stand am Bug und hielt Ausschau, Mathias orientierte sich zusätzlich mit Hilfe der Navionics Karte auf dem Plotter. So kamen wir gut am Anlegepier vor der Klappbrücke an. Nachts ist die Einfahrt in den Hafen nicht möglich, da die Brücke erst ab 9:00 Uhr geöffnet wird. Wir machten fest, tranken noch einen „Anleger“, in diesem Fall ein San Miguel und legten uns schlafen. Ich erwachte bei blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein um 10 Uhr. Da hatte Mathias schon wieder alles mögliche organisiert und in die Wege geleitet und schwatze mit Martin, dem Schweizer Katamaransegler unter Australischer Flagge. Wir brauchten einen Rigger, da uns am Vortag unsere Genuaschot oben am Mast riss und auf’s Deck fiel. Das passierte bei 15Kn TWS als wir das Code ZERO gegen die Genua auf der Selbstwendeanlage tauschen wollten. Schon mittags war ein Rigger an Bord und stieg in den Mast. Oben in 22 Metern Höhe lachte er. Denn er war total überrascht, dass in dem „Fallenkasten“ ein Rolle gebrochen war. Das hätte er bei unserem Boot nicht erwartet. Wir auch nicht.

Lagos Marina

In einem online Reiseführer über Lagos las ich, dass in der Stadt die Skulpturen der Entdecken von Früher zu sehen wären und im Hafen links am Pier, die Entdecker von heute. Da ist was dran. Ganz vorne seht ihr unsere Pure Fun und beinahe alle Boote dahinter haben das selbe Ziel wie wir. Zuerst die Kanaren und dann die Karibik.

Ich nutzte den Tag um Wäsche zu waschen, das Boot zu putzen und aus den Vorräten die verarbeitet werden mussten etwas leckeres zu Kochen. Das leckere Dinkel Vollkornmehl aus England sollte natürlich auch nicht verderben und so beschloss ich Rosinenbrötchen zu backen. Wieder verließen wir am Tag nach einer durchgesegelten Nacht das Boot nur um anfallende Arbeiten zu erledigen. Vielleicht liegt es daran, dass uns nach diesem Naturerlebnis eine Stadt, der Trubel und die vielen Menschen und Eindrücke zu viel sind. Langsames Ankommen….in der Zivilisation. Nach der Biskaya war es auch so. Da haben wir alle Fünf das Boot geputzt, aufgeräumt und an Bord gegessen.

Erst am Samstag Morgen gingen wir los um Lagos zu erkunden und auf dem Bauernmarkt frisches Obst und Gemüse einzukaufen. Hier verkaufen die Bauern ihre Erzeugnisse. Das lieben wir sehr, denn nirgends sonst bekommt man eine bessere Qualität. Jeder verkauft was er hat. Selbstgebackenen Kuchen, Marmelade, Honig, Kekse, Oliven, Obst, Gemüse. Ich habe einige deutsche Stimmen um mich herum gehört, die ebenfalls hier ihren wöchentlichen Einkauf erledigt haben.

Lagos, Bauernmarkt

Nachdem wir den Einkauf an Bord gebracht hatten schlenderten wir Richtung Zentrum. Unser erster Eindruck gefiel uns. Ich sah einen Bioladen, juhu, und kurze Zeit später eine Drogerie mit WELEDA Produkten. Da mussten wir natürlich unsere Vorräte aufstocken. Kurze Zeit später kamen wir an einem italienischen Restaurant vorbei, das so toll aussah, dass wir beschlossen die Stadterkundung nach einem Mittagessen fortzusetzen. Es begann sowieso gerade zu regnen. Ich weiß nicht, wann ich das letztem so leckere Pasta gegessen habe. Vom Ambiente ganz zu schweigen. Neben uns saßen zwei sehr sympathische Frauen und es entstand ein sehr interessantGespräch. Einen Amerikanerin die seit ein paar Monaten lieber in Lagos lebt, da ihr die Situation in den USA nicht mehr gefiel und eine in England geborene Frau mit portugiesischen Wurzeln die in England, Neuseeland und Afrika gelebt hat und nun mit ihren Eltern nach Portugal zurück gekehrt ist. Es war ein sehr bereicherndes Gespräch und es ist immer wieder schön zu sehen, dass man überall auf der Welt Gleichgesinnte finden kann. In Portugal lassen sich seit Corona Menschen aus aller Welt nieder um sich ein neues Leben in einer noch „heilen“ Welt aufzubauen. In Frieden leben umgeben von wunderbarer Natur. So wie es scheint kann man das hier finden.

Das Restaurant heißt La Pasta Bio Italiana und wird von einer Familie aus Apulien geführt. http://www.pomolagos.com, ihre Homepage ist auch sehenswert. Nach der reichhaltigen Pasta brauchten wir einen Mittagsschlaf. Anschließend brachen wir zu einem Strandspaziergang auf, da direkt hier am Hafen der lange Sandstrand beginnt. Das war wunderschön. Wir hatten den Strand ganz für uns.

Lagos, Strandspaziergang bei Dämmerung

Auf dem Heimweg entdeckten wir ein sehr hübsches Strandrestaurant. Da wir immer noch so satt von der reichhaltigen Pasta waren beschlossen wir das Essen dort auf Sonntag zu verschieben. Im Hafen blieben wir dann doch noch in einem englischen Pub hängen, tranken Guiness und schauten Das Fußballspiel Argentinien gegen Australien an. In dem Pup waren 8 Bildschirme. Wir waren anschließend so aufgedreht, dass wir noch bis 24 Uhr Rummycub spielen mussten um müde zu werden. Auf einem Bildschirm war die WM zu sehen, auf einem anderen Golf, auf dem nächsten Frauenfußball. Dazwischen Werbung. Gefühlt haben unsere Augen alle drei Bildschirme gleichzeitig wahrgenommen…..da muss man ja hyperaktiv werden. Aber schön war’s! Und….beim Rummycub ging es 3:2 für mich aus! Geht doch…..!

Haben wir schon erzählt, dass wir morgen Gäste aus Deutschland bekommen. Wir freuen uns sehr drei Bundesligasegler:innen vom WYC aus Friedrichshafen an Bord willkommen zu heißen. Auf der Reise zu den Kanaren werden wir unsere Erfahrungen austauschen und erweitern. Danke Evelyn, dass du da mitgeholfen hast. Auf diese gemeinsam Zeit freuen wir uns sehr. Jetzt brauchen wir nur noch das passende Wetterfenster….im Moment braut sich da draußen etwas zusammen was uns nicht gefällt. Wir hoffen, dass es sich auflöst und wir bald los können. Drückt uns die Daumen.