Zurück auf der Pure Fun

Seit einer Woche sind wir nun wieder an Bord. Wir hatten eine tolle Zeit zu Hause. Trafen uns mit Familie, Freunden und engagierten Bloglesern.

Die Pure Fun war währenddessen vor Ort in fürsorglichen Händen von Scott, Manuell und Augusto mit seinem Team.

Die erste Woche verging wie im Flug. Das Wetter auf Lanzarote erinnert an April-Wetter in Deutschland, Sonne, Wind und Regen. Wobei es wärmer ist…ca. 25 C und der Regen dauert ca. 2-5 Minuten. 🤣


Wir arbeiten unsere todo Listen ab. Mathias die technische Themen, ich kümmere mich um den Proviant. Dazu habe ich letzte Woche ein tolles online Seminar mit http://www.blauwasser.de gemacht. Das war wirklich sehr hilfreich. Einkochen, Einsalzen, Einlegen….wurde alles gezeigt und erklärt. So bin ich am nächsten Tag losgezogen und habe mir doch noch einen Dampfdrucktopf gekauft. Darin kann man vorgekochtes in Weck-Gläsern einkochen, was die Haltbarkeit auf Monate verlängert, die Garzeit verringert sich um mehr als die Hälfte und es spart Gas.

Gestern habe ich dann Proviant Inventur gemacht. Unglaublich, was da alles zu Tage kam. Bohnen aus Southampton, Kirschen aus Scheveningen, Roggenmehl von der Isle of Wight oder Rehgoulasch aus Göppingen. Wir haben gut vorgebunkert.


Nun ist alles dokumentiert und…..sinnvoll für die Atlantiküberquerung umgeräumt. Unterwegs schlafen wir gerne im Salon auf dem abgesenkten Tisch und kommen sehr schlecht an die Vorräte unter der Sitzbank. Also wurde umgeräumt und nun lagern wir dort anstatt Spaghetti Wein. Wein gibt es unterwegs auf See keinen. Ist wahrscheinlich auch gut, wenn der “unerreichbar”verstaut ist, nicht dass doch noch jemand auf die Idee kommt zum Sonnenuntergang ein Fläschen zu öffnen. 😜🍷

Das Keramik und Porzellan Geschirr wurde auch verpackt und verräumt, so können wir diesen Platz im Küchenschrank für Lebensmittel nutzen.

Vor zwei Tagen waren wir hier in der Marina Rubicon auf einem deutschen, grünen Katamaran zum Apero eingeladen. Dort kamen 22 Mitglieder des Verein Trans Ocean (TO) zusammen. Das ist eine nette weltweite Community. Es gibt unzählige WhatsApp Gruppen, zu allen Themen über den TO. An dem Abend haben wir viele weitere nette deutsche Segler kennengelernt. Und auf dem Katamaran mit 17 Meter länge und 8 Meter breite hatten 20-25 Personen locker Platz. Perfekt zum Party feiern. Wie sich im Laufe des Abends herausstellte werden die Gastgeber Maren und Gom mit ihrem Katamaran NICA auch wie wir die World ARC 2024 mitsegeln. Das ist sehr schön und wir freuen uns sehr darauf.

Letztes Wochenende hatten wir nochmal ein Auto gemietet und konnten so am Sonntag zu unserem geliebten Bauernmarkt nach Tinajo fahren. Es gab so viel leckeres von den umliegenden Feldern.

Obst, Gemüse und Wein. Rechts Kaktusfrüchte. Die gelben waren sehr lecker.


Wein beim Weingut El Grifo nachkaufen, Arroz Negro in El Golfo im Mar Azul essen, eins unserer Lieblingshäuser von Cesar Manrique in Tahiche anschauen.


Am Samstag Abend hatten wir dann wieder sehr viel Spass im englischen Pub Flagstaff mit Livemusik. Es war wieder unser Lieblings Gitarrist da. Er spielt so genial. Absolut emotionsloser Mann ca. 60 Jahre alt, spielt einen Song nach dem anderen, ohne eine Miene zu verziehen und die Gäste sind am singen und tanzen und haben Spaß. Sehr empfehlenswert. Auf dem Foto hat der Wirt ein paar Lieder gesungen. Vor allem die David Bowie Songs klangen toll. Die englischen Gäste, oft unscheinbar, feiern bei Bier, Wein und Gesang das Sein mit viel Spaß und Engagement.

Samstag Abend im FLAGSTAFF, Marina Rubicon

2. Etappe: Estepona – Lanzarote: Atlantic here we come – die Fahrt der Performace-Rekorde



Beflügelt von der ersten tollen Etappe starteten wir um die Mittagszeit in Estepona. Vormittags hatten wir die Pure Fun noch mit frischem Proviant und Wasser für die nächste Etappe beladen. 

Angekommen im geographisch eindrücklichen Gibraltar wurde auch der Tank noch einmal befüllt, in der Hoffnung so wenig wie möglich davon zu brauchen und stattdessen von Wind und Segel nach Lanzarote getragen zu werden. Das Timing war perfekt. Die Zeit für die günstige Strömung durch die Strasse von Gibraltar war gekommen und so ging es wie geplant um 17:00 Uhr los.

Die Straße von Gibraltar lag ruhig vor uns mit Sicht auf die Berge von Nordmarokko. Als wir das Tor zum Atlantik verließen wurden wir von Nebelschwaden und dem Tönen des Nebelhorns der Frachtschiffe begrüßt, die so ihre Anfahrt signalisierten. Dies sollte die kälteste Nacht an Bord werden, lange Hosen und warme Jacken wurden ausgepackt, mystisch hing der Nebel im Großsegel. Begleitet von den Lichtern der marokkanischen Küste arbeiten wir uns gen Süden.

Am Nächsten Tag hatte der Gennaker seinen großen Auftritt. Nachdem es mit dem Parasailor schon so gut geklappt hatte und dieser uns bereits im Mittelmeer schnell vorangebracht hatte, war nun der Gennaker das beste Tuch, um mit Speed, Kurs auf Lanzarote zu nehmen. Gespannt auf den Gennaker, klappte als mittlerweile eingespieltes Team, der Segelwechsel fix. Mit flotten 9 Knoten – bis zu 11 Knoten in der Spitze – enttäuschte der Gennaker nicht und trug uns rasche voran. Auch von der Optik war das gelbe Segel im Kontrast zum blauen Himmel ein echtes Highlight.

Wieder einmal begleitet von Delfinen ging es in eine weitere Nacht auf See. Das Motto für diese Nacht: vor dem Hafen ankernden und fahrenden Frachtern auszuweichen. Nach tollem Wind am Vortag, ging es nun mit Motor und Großsegel durch die Nacht. 

Am nächsten Tag frischte der Wind auf und die Segel wurden nach Wind und Welle angepasst. Der Tagesablauf war bestimmt von Wind, Wetter, Segel setzten, kochen bei Schräglage und Wellengang – so ging es Tag für Tag voran. So wie das Land am Horizont verschwand verloren auch vermeintlich wichtige Dinge ihre Bedeutung. Fernab des trubeligen Alltags und ohne jeglichen Handyempfang gewannen alltägliche Dinge wie ein kühles Glas Wasser an Wert und sind plötzlich etwas Besonderes – das erdet ungemein! Dazu die hypnotisierenden Wellen des Meeres. Einfach magisch!

Aktuelle Wetterdaten wurden bei Predictwind Abgerufen. Nachdem es die verschiedenen Wettermodelle im Vorhinein spannend gemacht hatten, wurden von einem Wettermodell nun Böen bis zu 43 Knoten vorhergesagt. Wir wollten zwar schnell unterwegs sein, aber auch heil ankommen, daher wichen wir vom direkten Kurs ab und segelten länger der Küste von Marokko entlang, bevor wir Kurs auf Lanzarote nahmen.

Trotz Kursabweichung brachte die nächste Nacht ordentlich Wind und Wellen, aber so dass das Seglerherz lachte. Mit achterlichem Wind von um die 30 Knoten strömte lautes Getöse über das Heck der Pure Fun, brachte uns schnell voran und der bisherige Perfomance-Rekord von 114% Prozent wurde gebrochen und ein neuer von 130% aufgestellt. 

Bei weiterhin achterlichem Wind wurde noch einmal der Parasailor ausgpackt, kontinuierlich ging es mit 10 Knoten voran. Delfine scheinen es zu lieben mit der Pure Fun um die Wette durch die Wellen zu gleiten und sich am Bugspriet dazu als Formation zusammen zu finden und vor Freude zu hüpfen. 

Auf halbem Weg zwischen Marokko und Lanzarote ließen wir die zu Beginn untypische kurze Welle hinter uns und freuten uns über die berühmte lange Atlantikwelle, die uns bis nach Lanzarote brachte. Die Mannschaft an Bord entschied sich nicht direkt einen Hafen auf Lanzarote anzusteuern, sondern vor La Gracioca, einem Eiland im Nordwesten von Lanzarote in der Bucht von Palya Francesca zu ankern. 

Eine Aufgabe gab es noch als Team zu lösen, vor La Gracioca bei Nacht und Wind das Parasail bergen und anschließend zu ankern. Begrüßt von einem ruppigen Deutschen, der zu gern die Bucht für sich gehabt hätte, ankerten wir…. auch wenn die Begrüßung freundlicher hätte sein dürfen. Mathias steuerte mit Bravour die Pure Fun trotz Wind und Dunkelheit. Der Strand ist hufeisenförmig und nach Süden ausgerichtet, weshalb das Meer hier fast immer ruhig ist – nicht in dieser Nacht! Glücklicherweise fand der Anker auf 17 m Halt und die Pure Fun konnte die Nachtruhe antreten. Mission accomplished! Alle glücklich über die erfolgreiche Reise, ließ Mathias den Korken knallen und lud zum prickelnden Ankerdrink ein.

Nach Ankunft in Dunkelheit, zeigte sich die „Graziöse“ am nächsten Morgen in ihrer vollen Pracht. Die Bucht von Playa Francesca mit wunderschönem Sandstrand wird vom imposanten Vulkan namens Montana Amarilla überragt. Was ein Ausblick – wann wacht man schon auf einem Boot direkt neben einem Vulkan auf! Wow!

Irgendwann muss wohl ein jedes Abenteuer zu Ende gehen und so stand der Landgang für die Crew unausweichlich bevor. Aber zuerst musste das Parasail, das wir noch nachts bei feuchtem Deck eingeholt hatten getrocknet werden, bevor wir in die Marina Rubicon einlaufen sollten. Als Trocknungsaktion gedacht entwickelte sich die Etappe an die Südspitze von Lanzarote als richtiger Segelspaß. Mit achterlichem Wind und ordentlicher Schräglage ging es mit 14 Knoten Geschwindigkeit bei bis zu 34 Knoten Wind und einem neuen Performance- Rekord von 130 Prozent ans Ziel in die Marina Rubicon. Noch viel wichtiger als alle Rekorde, die strahlenden Gesichter an Bord. Besonders froh sind wir auch, dass Clemens es mit uns bis ins Ziel geschafft hat. Wagemutig filmte er die Rekordfahrt.



Im Hafen angekommen zeigte sich die Pure Fun in Salzkristalle gehüllt. Zukünftig kann nun handgeschöpftes Salz für die Extra Brise Pure Fun im OnlineShop erworben werden 😉 (Scherz, aber eigentlich eine ganz coole Merchandise-Idee). 

Als wir gerade dabei waren die Pure Fun wieder zum Strahlen zu bringen, traf Sybille ein und packte direkt mit an. Viele Hände schnelles Ende – so konnten wir bald auf den erfolgreichen Törn anstoßen. Ohne Schäden an Boot oder Mensch, reich an vielen tollen Erfahrungen stießen wir gemeinsam auf das tolle Erlebnis an.

Am nächsten Morgen machte sich die Crew noch etwas schwankend vom Meer für das gemeinsame gewöhnen an Land zu einer kleinen Wanderung entlang der Küste zum Playa Papaygayo auf.

Belohnt mit einem Sprung ins kühle Nass und einem letzten Crew-Lunch mit tollen Ausblick im Restaurant „be Papagayo“ fand die Wanderung und die gemeinsame Reise ihr Ende.

Beseelt von den Erlebnissen, die Atlantikwelle im Herzen und dankbar, dass alles so gut geklappt hat verabschiedeten sich Clemens, Elly und Mona! (Wir werden wohl noch lange an die Reise denken, unter anderem, wenn wir mal wieder versuchen den Mülleimer abzuschließen;)  )

Pure Fun in der Marina Rubicon

“Another Day in Paradise”

Gedanken von Mathias:

Mit „Another Day in Paradise“ wurde ich vor ein paar Tagen von einem Nachbarboot aus gegrüßt. Dieser Gruß eines Engländers der seit 36 Jahren hier lebt, beschäftigt mich. 

Okay hier ist also für Scout das Paradies. Und wie sieht eigentlich für mich das Paradies auf Erden aus. Ich schaue seit dem den Ort, die Begegnungen und die Möglichkeiten hier mit anderen Augen an. 

Es kommt frisches gutes Wasser aus der Leitung, es gibt lokales Obst, Wein und Gemüse wird in guter Qualität angeboten. Es ist tagsüber warm und kühlt nachts ab. Das Meer ist nah, sauber und warm. Wellen schlagen an Felsen. Die Brandung ist zu hören und zu riechen. Zu Fuss sind schwarze Kiesstrände oder weicher heller Sandstrand bequem mit einer kurzen Wanderung und einfacher Kletterei zu erreichen.

Es ist sicher und sauber im öffentlichen Raum. Es gibt wenige Tiere und die sind schön anzuschauen.

Im Hafen kann zwischen selbst kochen oder spanischer, indischer, Texmex, italienischer oder moderner reduzierter Küche ausgewählt werden. Die Menschen sind freundlich, zufrieden, gesund und in Verbindung zueinander. Es wird gelacht, gesprochen und für sich gesorgt. 

Oft sitzen wir auf der Pure Fun im Cockpit oder auf dem Bänkchen am Heck und schauen uns das Treiben im Hafen, den Besuchern des Touristenmarktes und den Spitzensegler auf ihrem Weg zum Training zu. 

Es ist so schön. Eigentlich schon ziemlich paradiesisch hier in der Marina Rubicon zu dieser Zeit.

Und wenn das Meer lockt, sich die Lust zum Segeln zeigt…legen wir ab, hissen die Segel und kommen am Abend glücklich zurück.