Die Strasse von Gibraltar und Ankunft in Gibraltar

Impressionen von unterwegs. Sonnenaufgang, bei Tag, Sonnenuntergang und Vollmond. Das 2. Bild ist beim Sonnenaufgang und sieht beinahe identisch aus wie der Sonnenuntergang.

So sehen wir auf unserem Navionics Monitor die Schiffe um uns herum. Jedes Boot oder Schiff das mit AIS ausgestattet ist wird für uns auf dem Plotter sichtbar. zusätzlich haben wir noch Radar. Auf dieser Fahrt haben wir so manches Fischerboot weder über AIS noch Radar gesehen. Zum Glück war es Tag. Das weiß0 man wieder, dass man sich nicht nur auf die Geräte verlassen sollte, sondern auch selbst Ausguck hält.

Gestern am 7.Mai 2023 sind wir passend zur einlaufenden Tidenströmung in der Strasse von Gibraltar angekommen. So kamen wir Gibraltar mit 9 Kn Fahrt schnell näher. Davon 5 Kn Strömung von hinten. Das Wasser sprudelte förmlich. Das fühlt sich immer sehr speziell an. Als hätte jemand in einer sehr großen Badewanne den Stöpsel gezogen und man bewegt sich auf den Abfluss zu. Wie ein Strömungsgewässer aussieht haben wir in England kennengelernt. Vielleicht haben die Engländer deshalb Gibraltar einnehmen können. Mit Strömungsgewässern kennen sie sich aus, da waren sie ihren Gegnern sicher überlegen. Man muss schon wissen was man tut. Vor allem wann man es tut. Wir haben uns sehr gefreut, dass wir es geschafft haben rechtzeitig in die Strasse von Gibraltar einzulaufen. Bei so einer Distanz ist es nicht ganz so einfach 3 Tage später pünktlich um 16:00 Uhr an einem bestimmten Punkt zu sein. Toll, daß es geklappt hat. 5Kn Strömung gegenan macht nämlich überhaupt keinen Spaß. Da kommt man nicht vom Fleck. Bei 7 Kn Fahrt würde man nur 2 sm/h vorankommen.

Wir sind nah an der Marokkanischen Küste entlang gefahren und haben erst in der Mitte des Verkehrstrennungsgebietes den Kurs Richtung Gibraltar aufgenommen. Dort gibt es in der Mitte eine Stelle, wo man das VTG auch diagonal queren darf und nicht 90° zum VTG fahren muss. Das war ganz schön aufregend. Zwischen den vielen großen und schnellen Schiffen und der starken Strömung hindurch zu manövrieren. Zusätzlich querten ständig winzige marokkanische Fischerboote und viele Fischernetze denen man ausweichen musste. Schwer zu beschreiben wie sich das anfühlt. Wie ein Abenteuer….würde ich sagen.

Nachdem wir das VTG gequert hatten begannen wir einen Hafen nach dem anderen auf Gibraltar anzufunken. Wir bekamen unfreundliche oder gar keine Antworten. Es wäre 20:00 Uhr, sie würden jetzt heim gehen und morgen sei Feiertag. Wir sollen in den letzten Hafen der Bucht fahren, der sein Spanisch. Die spanische Marina antwortete kurz, meldete sich dann auch nicht mehr zurück und war nicht erreichbar. 🤷‍♀️ Das war auf Madeira in der Marina Funchal anders. Sie haben immer alles versucht um einen Liegeplatz zu organisieren. So ankerten wir vor der spanischen Marina und genossen den ruhigen Ankerplatz.

Nun noch eine kurze Info zu unserem Pinger. Wir haben ihn nicht eingesetzt, da wir anhand der Orca App wussten, dass wir durch Gebiet fuhren wo keine Orca´s gesichtet wurden. Mathias hat gestern ja schon etwas dazu geschrieben. hier nun noch zwei Bilder dazu. Wir haben einen 5er pack in England gekauft. Ca. 120€ pro Stück bezahlt. Wir haben noch einen an Bord, die anderen haben wir unterwegs an andere Segler verkaufen können. Die APP Orcinus hilft sehr.

Unser erster tag im Mittelmeer überraschte uns mit Nebel. Die Engländer haben selbst hier auf Gibraltar im Mittelmeer englisches Wetter. Also beschlossen wir den ersten Cafe im Bett zu genießen. Als ich das Tablett im Bett abstellte passierte ein kleines Unglück…..mein Cafe war damit für den Ar…… wie man so schön sagt. Ich dachte immer das sei nur so ein Spruch, seit heute Morgen weiß ich was damit gemeint ist. War ganz schön heiß in meiner Hose und das ganze Bett war voller Cafe. 😂 So habe ich Wäsche ausgewaschen anstatt Cafe getrunken. Wir nahmen es mit Humor.

So sah es aus heute Morgen….um uns herum waren viele Fischer in der Ankerbucht. Als einer näher kam sahen wir, dass sie hier in diesem Industriehafengebiet Muscheln vom Boden hoch holen. Na Prost Mahlzeit, das ist wahrscheinlich eher Sondermüll als ein Nahrungsmittel.

Um ca. 12:30 Uhr fahren wir zur Tankstelle um unseren Diesel aufzufüllen und um nach Estepona zu segeln. Immer noch nebelig. Unterwegs sehen wir ein Fischerboot und Delfine hinter ihm her schwimmen……genau dafür braiuchen sie die Pinger, damit die Delfine nicht in die Fischernetze gehen. Einer kam ganz nah zu uns. Er war sehr groß und sie waren nur zu Zweit. Er hatte schon lauter Kratzspuren oben am Kopf.

Estepona ist nun in Sicht. Nun müssen die Segel runter und das Boot für den Hafen vorbereitet werde. Sogar die Sonne beginnt sich jetzt zu zeigen.

Letzte Nachtetappe vor Gibraltar

Es ist Sonntag Morgen. 7. Mai, 80 nm vor Tanger, Marokko. Auch die dritte Nacht auf See ist nun vorbei.

Den Segeltag gestern haben wir sehr genossen. Wir duschten das erste mal seit Monaten im Cockpit. Es war so schön. Die Dusche im Boot ist viel enger und bei der Schiffsbewegung holt man sich so manchen blauen Fleck. Hier draußen an Deck hatte ich ein fettes Grinsen im Gesicht und dachte….das sind die Gründe weshalb ich Lust habe auf dieses Abenteuer. Mitten auf dem Atlantik draußen zu duschen, den Duft meiner Weleda Rosenseife zu riechen, die wärmende Sonne auf meiner Haut zu spüren und das SEIN zu genießen. So schön. Wehmütig dachte ich daran, dass wir schon Morgen am Ziel sein werden.

Zum Abendessen gab es leckeres Curry mit Reis. Das Kochen war mein Workout. Bei 25° Krängung und 9 Kn Fahrt zu kochen ist eine Tätigkeit, die gut koordiniert sein möchte und bei dem mein Körper viele Muskeln einsetzten muss. Es ist einfacher den „Berg rauf“ zu kochen, da kann ich mich mit der Rückseite meines Körpers an der Spüle abstützen. Muss ich etwas an der Spüle arbeiten, stütze ich mich mit den Knien ab…die sind wahrscheinlich morgen  mit blauen Flecken übersät. Der restliche Körper ist angespannt um stabil zu stehen. Ich finde es jedesmal aufs Neue eine interessante Erfahrung meinen Körper zu beobachten, was er da für mich leistet. Danke lieber Körper. Immer wieder wäre eine dritte Hand nötig… Dieses mal segeln wie auf dem Steuerbord Bug. Das bedeutet meine Schränke in der Küche, die auf der Backbord Seite sind, spucken beim Öffnen alles aus, was nicht gesichert ist, so zum Beispiel gestern zwei Porzellan Teller. Einer flog schneller als ich schauen konnte aus dem Schrank. Zerbrach auf der Küchenablage und verteilte seine Scherben anschließend im Boot. Ich hatte Glück, dass mich nur eine kleine Scherbe traf und der Schnitt nicht groß war. Den zweiten Teller fing ich in der Luft. Da ich nun saugen musste um alle Scherben zu erwischen, war das Boot auch wieder schön geputzt.

Die verschiedenen Wettermodelle sagten für die Nacht voraus, dass der Wind zunächst noch auf 16 mit Böen 19 kn zunimmt und sich dann abschwächt. Seit dem Morgen segelten wir bei 13 kn Wind mit dem Code 0 ganz stabil mit 9 bis 10 kn Fahrt. Der JAFA Autopilot hielt das Boot bei den niedrigen Wellen gut auf Kurs. Dennoch wechselten wir bei Helligkeit noch die Segel. Der Code 0 wurde gegen die Genua getauscht und in das Großsegel wurde das erste Reff eingebunden. Tags ist es einfacher und manchmal kommt der Wind anders als berechnet.

Es war eine gute Entscheidung. Der Wind nahm weiter zu. Längere Zeit blies er mit 18 bis 22 kn von querab und die Wellen mit 2 Metern schoben noch mit. So rauschten wir zügig mit 8-10 Kn Fahrt durch die Nacht.

Ich hatte die erste Wache bis 2:30 Uhr, dann hat mich Mathias abgelöst. Wieder eingekuschelt mit schöner Musik im Cockpit, Sternenhimmel und Vollmond ein schönes Erlebnis. Auch diese Nacht keine Schiffsbegegnungen. Die Geräusche waren etwas anders, als in der Nacht zuvor. Ich bin hin und wieder aufgeschreckt um zu schauen was da ist. Aber sehen konnte ich nichts. Das gurgeln des Wassers, das klatschen der Wellen gegen den Rumpf…immer wieder nehme ich es anders wahr. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir den Orcas näher kommen, so ist die Wahrnehmung noch sensibler, man ist in „hab Acht“ Stellung. Soweit hier draußen sind sie normalerweise nicht, aber man weiß ja nie.

Heute am 7.5.23 werden wir am Abend wieder in irgendeinem Hafen festmachen. Wo wissen wir noch nicht. Es wird nicht in der Karibik sein…..🤣 nicht dass es wieder zu Missverständnissen kommt.😃 Wir machen es Abhängigkeit vom Wetter, der Strömung und den Orca‘s. Sobald wir wieder Empfang haben können wir schauen, wo sie zuletzt gesichtet wurden. Unser Pinger für die Profifischer liegt bereit. Mit ihm wird in der Grossfischerei der „Beifang“ von z.B. Delfinen reduziert. Ob wir ihn zur Vorsicht einfach im Wasser nachziehen werden, wissen wir noch nicht, da seine Frequenzen und Lautstärke mit 175 Db für alle Tiere unter Wasser sehr unangenehm sind. Wir folgen unserer Intuition, wenn es soweit ist. Im Moment läuft das Mantra „Om mane padme hum“ als Playlist von unterschiedlichen Interpreten. Diese friedliche Energie umgibt uns nun und so werden wir hoffentlich nur freudige Begegnungen haben.

Wir freuen uns auf drei Monate im westlichen Mittelmeer.