Freunde an Bord

Am Sonntag Morgen fanden wir einen sehr schönen kleinen Delikatessen Laden in Yarmouth. Wir bekamen frischen Fisch, Pasteten, frisches selbstgebackenes Brot, Kuchen und Gemüse. Alles von der Insel, frisch und von guter Qualität. So einen Laden hätten wir in Southampton auch gerne. Dort haben wir bisher nur in Folie verpacktes Gemüse gefunden. Da die Sonne schien und das Wetter förmlich dazu einlud, machten wir nach dem Einkauf noch einen schönen Spaziergang ins Hinterland. Wir fanden leckere Brombeeren am Wegesrand, gingen durch Pferdekoppeln und an grünen Wiesen entlang. Alle Wanderwege sind gut markiert und es ist gewünscht sie nicht zu verlassen, das erkennt man an den vielen „Privat“ Schildern links und rechts des Weges. Nach dem Wandern legten wir in Yarmouth ab um nach Southampton zurück zu segeln.

Da ich am Steuer war, wollte ich, nachdem wir aus dem Hafenbecken ausgefahren waren das Bug-und Heckstrahlruder einfahren, da man damit nicht schneller als 3 Kn fahren darf. Leider wollte das Bugstrahlruder nicht einfahren. Wir hatten vor dem Hafen sehr viel Strömung und es war nicht einfach, weniger als 3 Kn Fahrt zu halten. Wir versuchten alle Sicherungen und Batterien, aus- und wieder einzuschalten…ohne Erfolg. Mathias rief Julian einen Mitarbeiter von X-Yachts auf der Messe in Southampton an, auch er hatte auf die Schnelle keine Lösung. Außer mit 3 Kn Fahrt zurück zu fahren. Da wir 3 Kn Gegenströmung hatten, hätte es bedeutet auf der Stelle zu stehen. Da unsere Freunde jedoch drei Stunden später bei uns im Hafen eintreffen wollten, war das eine schlechte Option. Gerettet hat uns dann John von X-Yachts in Dänemark, der auch am Sonntag Mittag ans Telefon ging. Herzlichen Dank dafür lieber John. Er erklärte Mathias wie man ein Reset am System durchführt. Das war die Rettung. Das Bugstrahlruder fuhr ein und wir konnten mit 7,5 Kn Fahrt zurück fahren. 2,5 Kn Gegenströmung bedeutete, daß man ca. 5 Kn Fahrt über Grund zurücklegt. Durch unser technisches Problem verloren wir viel Zeit und leider kamen wir nach unseren Freunden an. Auch diese Situation hatte eine gute Seite. Die Freunde warteten im Harbour Hotel in der Rooftop Bar auf uns und machten tolle Fotos von unserer Hafen- Einfahrt. Nun hatten wir endlich einen Grund diese Bar kennenzulernen, die uns schon oft auf Grund ihrer tollen Aussicht empfohlen wurde.

Da es Sonntag war gab es in der Bar zum Dinner Roast Beef, so entschieden wir uns, einen Tisch zu reservieren. So hatten wir einen wunderschönen Abend mit unseren Schweizer Segelfreunden Rahel und Roger. Roger haben wir 2017 auf einer kleinen karibischen Insel kennengelernt. Wir haben ihn sofort ins Herz geschlossen und inzwischen auch seine wunderbare Frau Rahel kennen und lieben gelernt. Eine besondere Freundschaft. Dafür sind wir sehr dankbar.

Für Montag Morgen hatte Mathias Duncan Wells eingeladen um uns zu demonstrieren wie die Rettungsmittel einzusetzen sind, die wir bei ihm gekauft hatten. Erst jetzt erfuhr ich, dass er RYA Instructor, Autor erfolgreicher Bücher (stress-free engine mainenance)und Bootmagazine ist. Man kennt ihn in der Seglerwelt. Ich hatte allerdings noch nicht von ihm gelesen, was daran liegt, dass alles in englischer Sprache veröffentlicht ist. Wir haben eine unserer Rettungswesten aufgeblasen und uns gegenseitig mit dem gekauften Flaschenzug, der Bein- und Rettungsschlinge an Bord gezogen. Es war sehr hilfreich, dies zu üben. Auch eine Frau kann damit einen Mann ohne weitere Hilfsmittel aus dem Wasser ziehen. Jetzt sind wir auch auf diesem Gebiet sehr gut ausgestattet und trainiert. Duncan kann toll erklären und interessante Geschichten erzählen. Es hat viel Freude gemacht und es war ein Geschenk mit ihm auf dem eigenen Boot üben zu können. Vielen Dank lieber Mathias für die Organisation.

Da uns das Wetter zu wechselhaft und wir mehr Lust auf Austausch bzw „Brainstorming“ zu verschiedenen Themen hatten, blieben wir im Hafen und tauschten uns aus. Was auch sehr hilfreich und spaßig war, war das optimale einräumen unserer Schränke im Salon. In der Gruppe hat es richtig Freude gemacht. Roger hat Erfahrung als Skipper und weiß, wo was am sinnvollsten verstaut werden sollte. So gibt es nun ein Fach für süße und salzige Snacks, was wohl für lange Überfahrten sehr wichtig ist. Rahel hatte tolle Ideen für die optimal Nutzung des Stauraumes in der Küche. Alles wurde direkt umgeräumt und optimiert. Im Anschluss gab es einen Aperitif in der „Dancing Man Brewery“ und indisches Essen im „Koriander“. Wir hatten einen sehr schönen lustigen Abend mit wunderbaren Freunden. Auch sie lassen sich gerade ein Boot bauen und werden nächstes Frühjahr starten. Allerdings haben wir unterschiedliche Ziele. Wir wollen in den warmen Westen, sie in den kalten Norden. Die Vorbereitungen sind dennoch sehr ähnlich, daher beschäftigen wir uns derzeit mit den gleichen Themen und jeder bringt sein Wissen ein. Das verbindet uns natürlich sehr und wir sind glücklich und dankbar so liebenswerte, herzliche Segelfreunde gefunden zu haben. Liebe Rahel, lieber Roger, schön, dass es euch in unserem Leben gibt.

Am Mittwoch Nachmittag haben wir unser Boot nach Hample Point verlegt, damit am Boot gearbeitet werden kann. Unser Beiboot wurde geliefert, die Heizung muss anders eingestellt, der Motor gewartete werden usw. Der Hafen liegt in einem Fluss. Die Strömung und Tide hier ist beeindruckend. Gestern Abend fühlte es sich an, als würde man in einer Badewanne sitzen und jemand hat den Stöpsel gezogen. Man konnte zusehen wie der Wasserspiegel sank. Bei 3,1 Meter hat es gestoppt. Wir brauchen 2,7 Meter um nicht aufzusitzen. Am Freitag werden wir zurück nach Southampton fahren um unsere nächsten Gäste, Anna und Hanno aus Stuttgart zu empfangen.

Nun wohnen wir seit vier Wochen auf dem Boot. Wir sind glücklich und das Leben auf dem Wasser gefällt uns sehr. Auch das Wetter meint es bisher sehr gut mit uns. Auf diesem Wege grüßen wir unsere Kinder, Eltern, Geschwister, Freunde und Bekannten. Ihr fehlt uns. Schön, dass es euch gibt.

Die Tage vergehen wie im Flug….

Gerade sah ich, dass ich seit letzen Montag nichts mehr geschrieben habe….wo nur ist die Zeit geblieben? Letzten Dienstag war Stuart von X-Yachts zu einer Besprechung bei uns auf dem Boot, wir haben geputzt, Wäsche gewaschen, eingekauft und haben am Nachmittag die Southampton International Boat Show besucht. Am Mittwoch war Rachael Sprot noch einmal für ein Segeltraining bei uns. Hafenmanöver Training. Rein in die Box, raus aus der Box….rückwärts durch den Hafen…usw. Das war sehr hilfreich und am Ende fühlte ich mich immer sicherer. Rachael strahlte eine wohltuende Ruhe aus, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob das Einparken klappt ohne irgendwo anzustoßen. Auch Mathias hat ein paar mal geübt. Wir hatten wieder einen sonnigen Tag und genossen beim Training die herbstliche Sonne.

Am Donnerstag fuhr ich um 10 Uhr mit dem Zug nach London um mich mit einer Freundin zu treffen, die schon sehr lange in Formby wohnt. Ich kam in Waterloo an und musste mit der U-Bahn zum Ankunftsbahnhof von Bettina fahren. Überall waren nette hilfsbereite Bahnmitarbeiter die mir geholfen haben. U-Bahnpläne in großen Städten zu verstehen ist immer wieder abenteuerlich. Ich habe es geschafft und wir haben uns gefunden. Bettina hatte eine schöne Rundwanderung durch Bloomsbury vorbereitet und so liefen wir durch wunderschöne Strassen, viele Gärten und Parks und bestaunten quasselnd viele Sehenswürdigkeiten. Zum Tee trafen wir uns mit Freunden von Bettina in einem sehr schönen Hotel. Fotos habe ich nicht viele gemacht, da mir der Austausch, nach so vielen Jahren wichtiger war. Bettina habe ich in Schwäbisch Hall bei meiner Ausbildung zur Kinderkrankenschwester kennen gelernt. Bettina arbeitet noch auf einer Frühgeborenen Intensivstation. Der Gesprächsstoff ging uns nicht aus. Als ich meinen Zug zurück nach Southampton nehmen wollte stellte ich fest, dass ich meine Zugkarte verloren hatte. Der Schaffner war sehr freundlich und drückte ein Auge zu, so musste ich zum Glück keine neue Fahrkarte bezahlen.

Am Freitag kam morgens um 9:00 Uhr ein Mann von der Messe zu uns aufs Boot um uns die Lifesaver einzustellen, die Mathias bei ihm gekauft hat. Das sind spezielle Leinen, die man in die Rettungswesten einbindet. An diesen Leinen kann man dann die zu rettende Person aus dem Wasser bergen. Wir haben zusätzlich eine Art Flaschenzug gekauft, so dass wenig Kraft notwenig ist um die Person zu Bergen. Da alles passgenau für unser Boot gefertigt werden muss, kam jemand zu uns um alles zu vermessen. Mathias hatte weitere Termine auf der Messe an diesem Tag und so verbrachten wir unsere Zeit dort. Wir mussten die AIS Sender für die Rettungswesten programmieren, einen Vertrag für das Satelliten Telefon abschließen usw. Die Messe ist für uns sehr hilfreich, da wir direkt vor Ort bei den Herstellern einkaufen können, oder Beratung erhalten. Auf dem Heimweg machten wir auf ein Bierchen im „Dancing Man Pub“halt, das Restaurant war leider wieder ausgebucht. Auf dem Weg zurück zum Hafen entdeckten wir schöne alte Häuser, was uns gefreut hat. Denn Southampton wurde im 2. Weltkrieg leider weitgehend zerstört.

Da heute Morgen wieder die Sonne schien und es etwas Wind hatte beschlossen wir segeln zu gehen. Yarmouth auf der Isle of Wight wurde als Ziel ausgesucht. Yarmouth liegt wie Cowes an der nördlichen Küste von Isle of Wight nur westlicher. Wir reservierten uns dort einen Platz im Hafen und segelten los. Immer wieder von großen Transportschiffen oder Schnellfähren passiert zu werden ist speziell, aber man gewöhnt sich daran. Auch die Berufsschifffahrt ist an die Segler gewöhnt. Jeder befolgt die Regeln und man gibt aufeinander acht. Wir segelten 7-8 Kn bei 14-16Kn Wind, das hat Freude gemacht und war sehr gemütlich. Um 14 Uhr kamen wir in Yarmouth an. Vor der Hafeneinfahrt hatten wir 2 Kn Gegenströmung, das war mir dann doch zu schwer zu Anlegen. Mathias musste im engen Hafenbecken wenden um rückwärts einzuparken. Die Hafenmeister waren mit Schlauchbooten unterwegs und haben geholfen. So hat auch das wieder prima geklappt. Anschließend erkundeten wir das kleine wunderschöne Städtchen und ergatterten für 17 Uhr einen Platz in einem Steak Restaurant. Für den Abend war alles schon ausgebucht. Wir fanden einen tollen kleinen Supermarkt mit vielen Leckereien für unsere Bordküche. Denn Morgen Abend kommen Schweizer Freunde für ein paar Tage zu uns aufs Boot. Darauf freuen wir uns sehr.

Unser kleiner Segelausflug am Wochenende

Am Samstag sind wir von Cowes nach Lymington gesegelt. Dort konnte Mathias uns einen Hafenplatz ergattern. Die Distanz war nicht sehr weit, so hatten wir Zeit für einen Spaziergang im kleinen Städtchen. Beim Spazieren lockte uns ein Schild mit der Aufschrift „Biergarten“ in einen Pub. Es hat uns sehr gut gefallen und so blieben wir um Bier und Burger mit Laugenbrötchen sowie eine Auberginen Lasagne zu testen. Wir wurden nicht enttäuscht. Lymington wirkte etwas verschlafen, am Samstag Nachmittag. So spazierten wir zurück in den Hafen.

Am Sonntag Morgen wurden wir wieder von herrlichem Sonnenschein geweckt. So entschieden wir uns die Isle of Wight zu umsegeln um anschließend in den Hafen nach Cowes zurück zu kehren. Wir starteten in westlicher Richtung und umrundeten bei wechselnden Winden die Insel im laufe des Tages. Trotz des Sonnenscheins war es kühl und mussten uns warm anziehen. Am Abend fanden wir ein sehr familiäres kleines Fischrestaurant in Cowes und gedachten um 20:00 Uhr während einer Schweigeminute der verstorbenen Queen Elisabeth II.

Heute am Montag ist Feiertag, aufgrund der Beerdigung von Queen Elisabeth II. Wir nahmen uns ein Taxi und ließen uns zur Inselhaupstadt nach Newport fahren. Von dort wanderten wir am Fluss entlang zurück nach Cowes. Wir wanderten durch sehr schöne Natur und sahen trockengefallene Gebiete am Flussbett. Es scheint Niedrigwasser zu sein. Schafe, Schlehenbüsche, Apfelbäume….hätte auch bei uns in Deutschland sein können. Zurück im Hafen kauften wir unsere ersten Fish&Chips. War lecker, nur nicht gerade healthy food….

Zurück im Hafen legten wir ab und fuhren mangels Wind, unter Motor zurück in unseren Heimathafen Ocean Village nach Southampton. Das funken mit den Hafenmeistern klappt inzwischen ganz gut. Sie verstehen mich, antworten mir und wir finden den uns zugewiesenen Platz. Allerdings verstehe ich nicht immer was sie gesagt haben….Mathias ist da etwas besser im Verstehen und so klappt es gemeinsam. Das Anlegemanöver habe ich dann mit Mathias Unterstützung erfolgreich, jedoch wieder mit viel Adrenalin Ausschüttung gemeistert. Dieses große Boot rückwärts einzuparken ist für mich immer noch sehr aufregend. Ich hoffe die Übung macht mich mit der Zeit gelassener. Mein Vorbild ist Mathias Schwester Bärbel. Sie ist immer die Steuerfrau und daher weiß ich, dass ich das auch lernen kann. Mathias ist ein geduldiger und erfahrener Lehrer. Auch er hat großes Interesse daran, dass ich das Steuer übernehme, da alle anderen Aufgaben körperlich sehr viel anstrengender sind.

Segeltraining- und Test mit Rachael Sprot

Vorgestern kam Rachael Sprot zu uns an Bord um uns einen Tag lang zu Unterrichten. Am wichtigsten war uns ein Hafenmanöver Training im Strömungsgewässer. Unser Freund Roger aus der Schweiz hat sie uns empfohlen. Sie ist eine sehr erfahrene Seglerin, RYA Yachtmaster Ocean Instructor und Autorin für Yachting World und Yachting Monthly. Es war ein sehr lehrreicher Tag für uns. Rachael strahlte eine wohltuende Ruhe und Gelassenheit aus. Das hat mir sehr gut getan. Bei 2 Kn Strömung im Hafen am Steg anzulegen will gelernt sein. Es bedeutet, dass man, wenn man 2 Kn Fahrt im Boot hat, das Boot auf der Stelle stehen bleibt. Das habe ich noch nicht erlebt. Das angenehme an der Ströme ist, dass sie keinen Lärm macht wie Wind uns sehr viel berechenbarer ist. Für mich zumindest. Wir haben gelernt uns von der Strömung an den Steg treiben zu lassen. Steht das Boot schräg zur Strömung driftet es wenn der Bug gegen die Strömung steht zur Seite. Das kann man beim Anlegen nutzen. Es geht langsam und ruhig. Mir hat das gut gefallen.

Das haben wir dann viele Male geübt. Ohne Bug- und Heckstrahlruder haben wir vor allem die Kraft des Wassers genutzt und den Motor zur Unterstützung. Auch den Genakker haben wir das erste Mal benutzt und geübt damit zu Halsen. Das war zu Dritt einfacher als zu Zweit. Zu Zweit kann man auch den Bergeschlauch (Snuffer) benutzen, das Segel einpacken und auf der anderen Seite wieder auspacken. Mathias „Halst“ lieber mit geöffnetem Gennaker, ich mag es lieber sicherer. Denn der große Asymmetric kann sich um das Vortag wickeln, Leinen am Anker hängen bleiben und vieles mehr. Zu Dritt und mit Rachael war eine gute Gelegenheit dies auszuprobieren.

Das Wetter wurde im laufe des Tages immer besser und am Ende gab es einen wunderschönen Sonnenuntergang. Ich habe dann das Hafenmanöver gefahren. Rückwärts in die Box möglichst ohne Bug- und Heckstrahlruder. Es hat geklappt, aber mein Puls war sicher über 160/min. Inzwischen war es 20:00 Uhr und da die Restaurants im Hafen so früh ihre Küche schließen sind wir in Segelkleidung zum Essen. Beim italienischen Restaurant sagte man uns um 20:35 Uhr, dass die Küche schon geschlossen sei. Was sagt man dazu. Im Restaurant nebenan im „Banana Wrap“ bekamen wir leckeres Lammcurry und ein Steak für Mathias. Müde und glücklich gingen wir früh schlafen…..denn um 9:30 wird Rachael zurück an Bord kommen.

Rachael und Mathias am Genauer

Am nächsten Morgen kam Rachael Sprot mit dem Fotografen Richard Langdon, Oceanimages, und Stuart Anderson von Parasailor UK zu uns an Bord. Wir stellten unser Boot und unsere Segel ( Parasailor, Gennaker, Code ZERO) zum Vergleich zur Verfügung und bekamen gleichzeitig eine Einweisung in den Parasailor vom ISTEC Experten. Eine Win-Win Situation für Alle. Die Sonne schien zu Beginn noch nicht wie vorhergesagt, wurde jedoch im Tagesverlauf immer besser. So verließen wir zu fünft den Hafen und machten uns auf den Weg zum Solent. Unterwegs hatten wir schönen Wind von hinten. Genau das Richtige für den Parasailor von ISTEC. Er wurde als Erstes gesetzt. Wow, sah das toll aus. Es war ein schönes dahingleiten, ganz gechillt.

Da wir eine der Leinen falsch angeschlagen hatten, musste er noch einmal geborgen werden. Das durfte ich dann mit Rachael machen. Da hatten wir zu tun. Puh, das war richtig Sport. Richart hat alles fotografisch begleitet. Das motivierte uns natürlich noch mehr. Als die Leinen verändert waren, konnte der Snuffer wieder nach oben gezogen und das große Segel freigelassen werden. Das durfte jetzt ich machen. Zu Beginn war es ganz einfach. Dann kam ein Stop….ich benötigte alle Kraft die ich hatte um den Snuffer über diesen Wulst ( Wing) zu bekommen. Es fühlte sich an wie bei einer Geburt….als Mutter weiß ich wovon ich rede. Bei einer Geburt müsste man noch einmal pressen, beim Parasailor „ziehen“. Dann kam die Erlösung, der Snuffer passierte den Wulst und das Segel mit Wing war frei. Ein tolles Gefühl. Sobald wir die Drohnen Aufnahmen haben, die gestern gemacht wurden, könnt ihr sehen was ich meine. Tolles segeln mit dem Parasailor, wir sind glücklich ihn zu haben. So werden wir ganz gechillt von Gran Canaria nach St. Lucia in die Karibik gleiten können.

Dann wurde der Parasailor geborgen und der gelbe Gennaker von Elvstrom mit 225 qm kam an die Reihe. Mit dem gelben Genakker war das Segeln sehr viel dynamischer….auch schneller. Hat auch Spaß gemacht. Zuletzt kam dann noch der Code ZERO von Elstrom an die Reihe. Alles wurde dokumentiert und fotografiert. Mit dem Code ZERO war das Segeln auch sehr dynamisch, es hat allen an Bord Freude gemacht. Am Ende wurde der Code ZERO eingerollt und wir kreuzten bei schönem Wind mit der Genua zurück in den Ocean Village Hafen nach Southampton. Mathias hat ein gekonntes Anlegemanöver gefahren und unsere Gäste fuhren nach Hause.

Ich habe mich gefühlt wie nach einer Skitour. Das war richtig Sport heute. Schnelles Aufwärmen unter der warmen Dusche und einen Tisch im Restaurant organisieren. Dieses Wochenende startet die Southampton International Boat Show, deshalb reserviere ich sicherheitshalber einen Tisch in einem empfohlenen Restaurant. Unterwegs fanden wir ein nettes italienisches Restaurant nähe des Hafens und bekamen sehr leckeres Essen mit freundlichem italienischem Service. Die Reservierung sagten wir ab. Wieder blickten wir glücklich und zufrieden auf einen ereignisreichen Tag zurück und gingen bald schlafen.

Heute sind wir zur Isle of Wight nach Cowes gesegelt. Mathias hat uns hier einen Platz im Hafen reserviert. Das war gar nicht so einfach, da viele Segel Regatten stattfinden dieses Wochenende. Nun liegen wir hier an der Außenmole und es wackelt und schaukelt, man könnte meinen man wohnt auf einem Segelboot. Mathias hat beim Anlegen mit 2 Kn Strömung das Gelernte gekonnt umgesetzt und ich habe die Leinen bedient. Anschließend erkundeten wir das idyllische Hafenstädtchen. Sehr, sehr schön. Wunderschöne alte Häuser, Läden wie aus einer anderen Zeit und ein Segelladen am Anderen. Leider habe ich vergessen Fotos zu machen, so sehr war ich mit staunen beschäftigt und….ich spüre heute die Anstrengung der letzten beiden Tage…es zwickt hier und da und mein Körper sehnt sich nach Ruhe und Erholung.

Southampton

Auf der Fahrt von Eastbourne nach Southampton passierten uns am Ende 3-4 Kreuzfahrtschiffe unter anderem die Queen Mary 2.

Queen Mary 2
Mathias und Erick erfreuen sich am Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2

Vorgestern kamen wir um 21 Uhr im Ocean Village Harbor in Southampton an. Der moderne Hafen ist umgeben von neu gebauten Hochhäusern und Restaurants. Unser Liegeplatz befindet sich zwischen Motorbooten an einem Schwimmsteg. So bekommen wir von der Tide gar nicht viel mit.

Unsere Pure Fun mit Vollmond über dem Mast

Nach unserem langen Segeltag und der aufregenden Einfahrt im Dunklen nach Southampton waren wir sehr hungrig. Erick stellte uns unterwegs Fragen zu Lichterführungen an den großen Frachtschiffen. Wir mussten erkennen ob diese Schiffe in Fahrt, manövrierbehindert, tiefgangbehindert usw. sind. Das erkennt man an der Lichterführung. Haben wir alles mal gelernt…lang ist es her. Das war sehr interessant, denn in Griechenland begegneten wir diesen Frachtern, wenn dann nur tagsüber. Hier ist auf dem Meer sehr viel mehr Verkehr, auf den wir zu achten haben. Es ist schon beeindruckend, wenn ein hochhausähnliches Kreuzfahrtschiff an einem vorbeifährt. Was wir von Griechenland so auch nicht kennen ist die geringe Wassertiefe. Bei Niedrigwasser muss man sehr darauf achten wo man fährt. Es sieht alles aus wie Meer und doch ist es teilweise ein paar Meter weiter rechts oder links nur ein Meter tief. Darum ist es nötig sehr aufmerksam zu steuern und zu navigieren. Nicht umsonst zählt England zu den anspruchsvollsten Segelrevieren dieser Welt.

Am Montag Abend waren wir indisch essen. Das einzige Restaurant weit und breit, das die Küche noch geöffnet hatte. Mathias organisierte uns unterwegs ein Taxi, was wir dankend annahmen. Nach einem langen Segeltag sind wir am Abend müde und hungrig. Wir bekamen köstliches indischen Essen und wurden sehr herzlich und freundlich umsorgt. Erick bestellte Apple Cidre für uns, der uns sehr gut schmeckte. Das trinkt man in dieser Gegend sehr gerne. Heute ist unser letztes Abendessen mit Erick auf diesem gemeinsamen Törn. Er fliegt Montag ganz Früh zurück nach Hamburg. So genossen wir gemeinsam unseren letzten Abend und blickten auf eine lehrreiche, lachende und bereichernde Zeit zurück.

Am Montag den 12. September hatten wir bis auf einen Besuch von Stuart und Julian von X-Yacht UK keine Termine. So erkundeten wir die nahe gelegene Stadt. Wir kamen enttäuscht zurück. Southampton ist eine große Stadt ohne Charme. Wir genossen die wärmenden Sonnenstrahlen und die Ruhe an Bord.

Am Mittwoch hatte Mathias den Wunsch nach Winchester zu fahren. Er organisierte einen Tisch im Restaurant „The Chesil Rectory“ zum Lunch. Wir entschlossen uns dazu ein Taxi zu nehmen. 30 Minuten später saßen wir im ältesten Haus von Winchester. Es wurde 1425-1450 von einem Kaufmann erbaut. Das Haus wurde im 15. Jahrhundert von Heinrich VIII beschlagnahmt. Anschließend übergab er das Chesil Rectory seiner Tochter Queen Mary I, bekannt als Mary Tudor. Ihre verschwenderische Hochzeit mit Philipp II. aus Spanien 1554 in der Kathedrale von Winchester brachte die Stadt fast in den Bankrott. Als Teilzahlung vermachte Mary das Haus der Stadt. Das Gebäude diente als Gerberei, Gemischtwarenladen, Antiquitätengeschäft und seit 85 Jahren als Restaurant.

Der Besuch der Cathedral war sehr beeindruckend. Wir wurden durchströmt von einer wunderschönen Energie. Ich stand einfach nur da und es kullerten die Tränen. Die Gregorianischen Gesänge in der Kathedrale haben sicher zur emotionalen Rührung beigetragen. Es war wunderschön und berührend.

828 war Winchester die Hauptstadt von England. 1079 begann der Bau im romanischen Stil. Die beliebteste Autorin Jane Austen ist hier begraben. Nach unserem Kulturausflug fuhren wir mit einem blauen Doppeldecker Bus zurück nach Southampton. Es war ein wunderschöner Ausflug, Winchester hat uns sehr gut gefallen auch wenn es den ganzen Tag geregnet hat.