PURE FUN, technische Aspekte unseres Aufenthalts in A Coruna

Uns erreichen Nachfragen wie auch Anteilnahme an unserem längeren Aufenthalt hier im Stadthafen des Real Club Nautico de A Coruna. Der Aufenthalt hat ganz unterschiedliche Aspekte. Sybille hat zum Touristischen schon so manches geschrieben. Motivation in A Coruna fest zu machen, war zunächst die ungünstige Wettersituation mit andauernden südlichen Winden wie auch Veränderungen am Antrieb.

Die Wetterlage der ersten Tage hier in Galizien mit 5 bis 8 Windstärken und vorhergesagten Wellen bis zu 6 Meter gegen an muss man nicht unbedingt haben. Die Entscheidung zu bleiben war auch im Nachhinein seemännisch richtig.

Die technische Seite sieht weniger klar aus. Auf Grund der Nachfragen gehe ich heute hier mehr in die Details. Auf der X 5.6 besteht der Antrieb aus einem Yanmar Motor mit 110 PS samt Getriebe und Kupplungen, drei Bauteilen von Aquadrive zur Reduzierung der Schwingung und des Schalls, einer Welle sowie einem Gori Dreiblatt Faltpropeller. Das sind alles Topteile. All das ist auf engem Raum sehr solide verbaut.

Auf den letzten Meilen durch die Biskaya wurden die Geräusche des Antriebs lauter. So nahmen wir gleich nach unserer Ankunft in Abstimmung mit X-Yachts in Dänemark mit dem Yanmar Servicepartner Varadero Marina Coruna in A Coruna Kontakt auf.

Kurzfristig gab es erste Tests im Hafen. Vermutet wurden hiernach zu schwach dimensionierte Dämpfer / Füsse zwischen Yanmar Motor und Rumpf. Diese Vermutung wurde dann an X-Yachts übermittelt. In Dänemark wurden diese Einschätzung mit der Technik und den Lieferanten überprüft und bewertet. Ergebnis war, die Füsse sind korrekt gewählt. Kräfte werden vom Aquadrive absorbiert und so können die Füsse für eine bessere Dämpfung weicher dimensioniert werden.

Das gibt es sonst nur bei viel größeren Segelbooten. Die Dämpfung ist äusserst wirksam. In der vorderen Ownerkabine bekommt man vom Motor im Standgas oder auch bei Marschfahrt mit 2.300 U/min kaum etwas mit.

Auch wenn die X-Yachts unsere Anliegen im After sale sehr schnell abarbeitet, vergehen für die Klärung mit verschiedenen Spezialisten und Lieferanten schnell die Tage.

Das erste Wochenende mit einem möglichen, jedoch engen Wetterfenster für die Weiterfahrt, stand vor der Türe. Verschiedene Wettermodell wurden über PredictWind analysiert und vor Ort Einschätzungen eingeholt. Chuny von der Werft Varadero Marina Coruna schrieb, so sehr er selbst auch versucht Hafentage zu reduzieren und lieber segelt, würde er an unserer Stelle bleiben. Damals wußte ich noch nicht wer hinter dem Namen Chuny steht. Hätte ich mal Google nach Chuny  und Sailing gefragt, wäre mir die Empfehlung noch klarer gewesen. Er gehört mit 7 Round the World Rennen zu den erfahrensten Off Shore Seglern.

Ohne zu wissen, woher die Veränderung an Antrieb kommt und im Vertrauen in den Yanmar Partner ließen wir das Wetterfenster am ersten Wochenende vergehen und blieben schweren Herzens im Hafen.

Mit dem Ergebnis, dass die Füsse korrekt sind, wurde für die zweite Woche weitere Tests auf dem Wasser angesetzt. Nur leider war an den ersten Tagen zu viel Wind in der Bucht. So wurde es Donnerstag, dem 8. Tag in A Coruna. Der Motor brachte das Boot rückwärts gut und gewohnt auf Geschwindigkeit nur vorwärts ging es (viel zu) langsam voran. Das war insbesondere beim Anlegen mit 25 kt von der Seite sehr unangenehm 😏. Ergebnis war, es muss weiter überprüft werden, woher das Klacken und die Veränderung der Leistung kommt. Von Dänemark gab es Anweisungen was wir an Bord noch am Getriebe testen sollten. Auch das verlief ohne negativen Befund und die Woche ging zu Ende.

In kurzfristiger Abstimmung mit Dänemark wurde dann am Freitag Nachmittag die Verlegung unserer PURE FUN in die Werft von MarinaCoruna für Montag vereinbart.

Am Montag kam dann das Getriebe samt Kupplung und dem vorderen Verbindungsstück des Aquadrives zwischen Getriebe und Welle raus. Das dauert bei den engen Platzverhältnissen fünf Stunden und ist wirklich anstrengend.

Dienstag war Feiertag. Mittwoch früh war das Getriebe auf einem speziellen Prüfstand. Ergebnis war, das Getriebe ist perfekt. Parallel wurde die Welle samt Propeller abgetaucht. Es war etwas viel Toleranz im Einbau jedoch kein mechanischer Befund. Es gab erneute Abstimmung mit Dänemark. Für den Ausbau des hinteren Bauteils von Aquadrive und der Welle muss das Boot aus dem Wasser. Auch das war am Mittwoch Abend erledigt. PURE FUN stand auf dem Trockenen und die ausgebauten Bauteile, d.h. Getriebe, Kupplung, Aquadrive, Welle und Propeller lagen einzeln in der äußerst ordentlichen Werkstatt von  Varadero MarinaCoruna auf der Werkbank.

Donnerstag wurde die Welle durchgemessen. Es gab kleine Abweichungen jedoch keine besonderen Veränderungen. Stück für Stück wurde der Antriebsstrang in der Werkstatt wieder zusammen gebaut und manuell getestet. Es klackt im Kugellager und es zeigt sich erste Abnutzungen und Verbrauchsspuren. Jedoch ist unsere X 5.6 nun auch schon vier Monate im Wasser, 1.600 nm gefahren und der Motor 120 Stunden gelaufen.
Ergebnis ist, möglicherweise muss an der einen oder anderen Stelle mit weniger Toleranz eingebaut werden. Zusätzlich werden vorsorglich wenige Teile ausgetauscht.

Parallel wurde das Unterwasserschiff gereinigt und Bedarf zum Nacharbeiten am Coppercoat zeigte sich. Alleine dafür hat sich der ganze Aufwand der Auswasserung gelohnt.

Seit Freitag wird wieder eingebaut und dabei noch mehr auf die optimale Positionierung aller Komponenten geachtet.

Wir sind guter Dinge, dass bis Montag am Unterwasserschiff wieder alles abgetrocknet ist und unser Boot wieder in sein Element zurück darf. Dann wird sich zeigen, wie es aussieht.

Wie geht es uns nun?
Ja ich darf mich in Geduld üben. Wer mich kennt weiß ich habe andere Stärken. Und ich bin stolz auf mich, wie ich das hinbekomme.

Und wir sind echt happy,
dass wir an unserem so komplexem Boot, wie eine X 5.6, nur so wenige Punkte zum Nacharbeiten haben,
wie schnell und engagiert Nils bei X-Yacht in Dänemark hier alles klärt, entscheidet und beauftragt,
Wir mit Varadero Marina Corona eine so kompetente, serviceorientierte und flexible Werft haben, dass wir so die vielen Reize von A Coruna entdecken konnten,
hier auf der Werft die Faszination für unser Boot wie auch fürs Segeln zu spüren,
und wer weiß vor was wir so beschützt wurden. Es gab auch letzte Woche wieder auf unserer Strecke Angriffe von Orcas auf Segelboote. Die Orca sollten nun weiter in den Nordatlantik ziehen und uns den Weg frei machen.

Wir sind geführt. Das Leben meint es wirklich gut mit uns. So genießen wir jeden Tag, so wie er kommt und was er für uns mit sich bringt. Bereichernd und faszinierend sind für uns die Begegnungen mit all den Menschen, die mit Leidenschaft ihr Ding machen und sehr mit ihrer Heimat wie ihrem Herzen verbunden sind. So wie hier Luis als Koch oder Chuny als Segler sind es für uns z.B. in Zermatt Dani als Pilot und Nadia als Gastgeberin. Seid gegrüßt.

8. Hafentag in A Coruna

Nun sind wir Wetterbedingt schon den 8.Tag in A Coruna und unsere drei Crew Mitglieder aus Deutschland mussten leider gestern abreisen. Gerne wären wir gemeinsam wenigsten bis Lissabon gekommen, aber unser allerliebster Rasmus, Gott des Windes, hatte andere Pläne. So haben wir die gemeinsamen Hafentage mit allen möglichen Aktivitäten gefüllt. Eine davon waren wunderschöne Spaziergänge. Wir haben Glück, hier soviel Zeit verbringen zu dürfen. Wäre das Wetter anders gewesen, hätten wir diese schöne Stadt nicht erkundet sondern nur gestreift. So hat alles auch eine gute Seite. Passt zu unserem Lebensmotto. Annehmen was man nicht ändern kann und das Beste daraus machen.

Reparaturarbeiten, Angelversuchen…..leider bisher erfolglos….aber das wird schon noch. Dafür konnte die undichte Toilette am Sonntag Nachmittag erfolgreich repariert werden, während die Damen an Bord gekocht und gebacken haben.

Nach einem sehr leckeren Mittagessen bestehend aus einer vegetarischen Pasta, nach dem Rezept meines Bruders Jochen und einer freestyle Zitronen Lemon Curt Torte von mir gab es wieder einen Spaziergang, da das Wetter ganz passabel aussah. Unsere Tage begannen in der Regel mit Frühstück um 10:30 Uhr oder später, da es bis 8:30 Uhr dunkel und die Nächte so kurz bzw. die Spiele Abende so lang waren. Warum auch nicht….die Jugend an Bord hat uns zum Rummikub und Mäxle spielen animiert. Das hat wirklich sehr viel Spaß gemacht.

Dann gab es eine Anleitung in Spleissen und Softschäkel herstellen von Bernd. Das hat sehr viel Spaß gemacht, da Bernd ein sehr geduldiger und guter Lehrer war. Es ist immer wieder hilfreich, wenn man sich zur Not selbst helfen kann. Deshalb möchten wir diese Dinge lernen.

Am Abend sind wir meist in eines der leckeren Restaurants gegangen, denn hier in A Coruna gibt es sehr gutes aus dem Meer und unser Mathias hatte immer Hunger. In der Taverna Casa Surrey, unten auf den Fotos zu sehen, gab es außerdem einen sehr leckeren selbst gemachten Cafe Likör, eine Tarta de Abuela und vieles mehr. Der Wirt war nicht sehr gesprächig mit Worten, da er wenig englisch konnte, aber er mochte uns… und das Oktoberfest in München bei dem er dieses Jahr vier Tage zum Feiern war. Irgendwie haben wir uns dennoch mit ihm ausgetauscht.

Gestern war es dann soweit, Evelyn, Bernd und Andreas mussten zum Flughafen. Am Tag zuvor war die Stimmung etwas gedämpft….zum Einen weil uns allen der Abschied schwer fiel, zum Anderen, weil wir am Abend zuvor eine spontan Party auf dem Deck hatten und bis in die Nacht zu DJ Andreas Musik getanzt, getrunken und gesungen haben. Hätte uns Evelyn nicht ständig dazu ermutigt ein „zwischen Wasser“ zu trinken, wäre es uns am nächsten Tag sicher weniger gut gegangen. Animiert hat uns die laute Musik auf einem Katamaran bei uns am Steg, als wir vom Essen zurück kamen. Da es nicht regnete haben wir die Gelegenheit genutzt und zur Verdauung etwas getanzt und getrunken.

Auch wenn der Abschied schwer fiel, so überwiegt Freude und Dankbarkeit für die wunderschöne gemeinsame Zeit. Sie können ja wieder kommen, wir sind noch eine Weile unterwegs…..

Da wir am 24. Oktober unseren 8. Hochzeitstag hatten, an den mich der schöne Rosenstrauss erinnerte, den Mathias mir schenkte…(ich hatte es echt vergessen….) organisierte ich um 14 Uhr einen Tisch im Restaurant „Arbore Da Veira de Luis Veira“, das Hanno uns empfahl. Wow, war das ein Erlebnis. Das Restaurant stand auf einem Hügel am Meer am anderen Ende der Stadt mit Blick über die Stadt, das Essen, der Service, das Ambiente, waren sehr, sehr besonders.

Heute haben wir mit Technikern von Yanmar eine Hafenrunde gedreht, damit sie während der Fahrt Tests durchführen konnten. Morgen müssen wir das Boot zum Yanmar Servicestützpunkt verlegen. Wenn Sie Morgen ihre Arbeiten abschließen können, würden wir gerne das kurze Wetterfenster nutzen und am Samstag Morgen Richtung Porto ablegen. Nach Porto geht es dann nach Lissabon. Dort werden wir voraussichtlich eine Woche verbringen. Marokko werden wir wahrscheinlich auslassen dafür direkt auf die Kanaren segeln. Das wird ein Törn der mehrere Tage dauern wird. Wir sind gespannt, wer uns auf diesem Abschnitt begleiten wird. Noch ist es offen….