Warten in A Coruna ist angesagt

Nun sind wir Vorgestern in die Marina einer Werft umgezogen die handwerklich sehr gut sein soll. Vorgestern wurde unser Motor teilweise zerlegt, heute werden die Teile untersucht. Gestern war Feiertag wie in Deutschland. Die Marina Seca liegt nicht so schön wie die Letzte. Es sind 3-4 km in die Altstadt. Der Weg dorthin ist stark befahren und führt am Industriehafen entlang. Ich laufe ja wirklich sehr, sehr gerne, nur diese Strecke ist anstrengend für mich.

Einer der Gründe, weshalb ich diesen Blog schreibe ist, dass wir unserer Familie wenn wir mehrere Tage am Stück über einen Ozean oder ein anderes Gewässer segeln, jeden Tag ein kleines Lebenszeichen schicken können. Nur dachte ich zu Beginn nicht, dass es so viele Komponenten sind, die man zu berücksichtigen bzw einzurichten hat bis das wirklich funktioniert. Zum Glück habe ich immer wieder Jemanden gefunden, der mir weitergeholfen hat. Mein Bruder Jochen hat den Blog von der technischen Seite erstellt und mir erklärt wie ich mit WordPress umzugehen habe. Mathias hat an Bord das Satelliten Telefon IRIDIUM einbauen lassen und sich mit dieser Technik auseinandergesetzt. Auf der Southampton International Boat Show hat er einen Airtime Vertrag mit „MailaSail“ für das CERTUS 100 abgeschlossen und eine REDBOX gekauft. MailaSail sind Spezialisten für shore und offshore Kommunikationslösungen. Ihr glaubt nicht wieviele Stunden Mathias dafür investiert hat, alles zu verstehen und einzurichten. Er wurde dabei super von MailaSail unterstützt. Mir war noch nicht klar, wie meine Blogtexte nun via IRIDIUM Satellitentelefon übertragen werden können.

Als wir drei Tage offshore durch die Biskaya segelten hätte ich nicht an meinem APPLE schreiben können. Da wurde mir klar, dass es nur am Handy möglich ist, auf See zu schreiben. Also schrieb ich Ralf von der Flora nochmals eine Mail. Wiebke und Ralf sind auch schon eine ganze Weile mit ihrem Boot unterwegs und schreiben einen tollen Blog. http://www.sy-flora.blog. Ich lese ihn schon sehr lange. Vor allem auf ihren langen Passagen habe ich jeden Morgen geschaut, ob sie eine gute Nacht hatten und alles okay war. Er hat uns schon öfter weitergeholfen. Ralf schrieb mir, dass er an Handy oder Ipad seine Texte schreibt, wenn er offshore ist und ich dazu eine upload-Email -Adresse bräuchte. Mein Bruder Jochen konnte diese Email nun besorgen und dieser Text hier ist der Test ob es funktioniert. We will see….

Die Tage vergehen wie im Flug….

Gerade sah ich, dass ich seit letzen Montag nichts mehr geschrieben habe….wo nur ist die Zeit geblieben? Letzten Dienstag war Stuart von X-Yachts zu einer Besprechung bei uns auf dem Boot, wir haben geputzt, Wäsche gewaschen, eingekauft und haben am Nachmittag die Southampton International Boat Show besucht. Am Mittwoch war Rachael Sprot noch einmal für ein Segeltraining bei uns. Hafenmanöver Training. Rein in die Box, raus aus der Box….rückwärts durch den Hafen…usw. Das war sehr hilfreich und am Ende fühlte ich mich immer sicherer. Rachael strahlte eine wohltuende Ruhe aus, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob das Einparken klappt ohne irgendwo anzustoßen. Auch Mathias hat ein paar mal geübt. Wir hatten wieder einen sonnigen Tag und genossen beim Training die herbstliche Sonne.

Am Donnerstag fuhr ich um 10 Uhr mit dem Zug nach London um mich mit einer Freundin zu treffen, die schon sehr lange in Formby wohnt. Ich kam in Waterloo an und musste mit der U-Bahn zum Ankunftsbahnhof von Bettina fahren. Überall waren nette hilfsbereite Bahnmitarbeiter die mir geholfen haben. U-Bahnpläne in großen Städten zu verstehen ist immer wieder abenteuerlich. Ich habe es geschafft und wir haben uns gefunden. Bettina hatte eine schöne Rundwanderung durch Bloomsbury vorbereitet und so liefen wir durch wunderschöne Strassen, viele Gärten und Parks und bestaunten quasselnd viele Sehenswürdigkeiten. Zum Tee trafen wir uns mit Freunden von Bettina in einem sehr schönen Hotel. Fotos habe ich nicht viele gemacht, da mir der Austausch, nach so vielen Jahren wichtiger war. Bettina habe ich in Schwäbisch Hall bei meiner Ausbildung zur Kinderkrankenschwester kennen gelernt. Bettina arbeitet noch auf einer Frühgeborenen Intensivstation. Der Gesprächsstoff ging uns nicht aus. Als ich meinen Zug zurück nach Southampton nehmen wollte stellte ich fest, dass ich meine Zugkarte verloren hatte. Der Schaffner war sehr freundlich und drückte ein Auge zu, so musste ich zum Glück keine neue Fahrkarte bezahlen.

Am Freitag kam morgens um 9:00 Uhr ein Mann von der Messe zu uns aufs Boot um uns die Lifesaver einzustellen, die Mathias bei ihm gekauft hat. Das sind spezielle Leinen, die man in die Rettungswesten einbindet. An diesen Leinen kann man dann die zu rettende Person aus dem Wasser bergen. Wir haben zusätzlich eine Art Flaschenzug gekauft, so dass wenig Kraft notwenig ist um die Person zu Bergen. Da alles passgenau für unser Boot gefertigt werden muss, kam jemand zu uns um alles zu vermessen. Mathias hatte weitere Termine auf der Messe an diesem Tag und so verbrachten wir unsere Zeit dort. Wir mussten die AIS Sender für die Rettungswesten programmieren, einen Vertrag für das Satelliten Telefon abschließen usw. Die Messe ist für uns sehr hilfreich, da wir direkt vor Ort bei den Herstellern einkaufen können, oder Beratung erhalten. Auf dem Heimweg machten wir auf ein Bierchen im “Dancing Man Pub”halt, das Restaurant war leider wieder ausgebucht. Auf dem Weg zurück zum Hafen entdeckten wir schöne alte Häuser, was uns gefreut hat. Denn Southampton wurde im 2. Weltkrieg leider weitgehend zerstört.

Da heute Morgen wieder die Sonne schien und es etwas Wind hatte beschlossen wir segeln zu gehen. Yarmouth auf der Isle of Wight wurde als Ziel ausgesucht. Yarmouth liegt wie Cowes an der nördlichen Küste von Isle of Wight nur westlicher. Wir reservierten uns dort einen Platz im Hafen und segelten los. Immer wieder von großen Transportschiffen oder Schnellfähren passiert zu werden ist speziell, aber man gewöhnt sich daran. Auch die Berufsschifffahrt ist an die Segler gewöhnt. Jeder befolgt die Regeln und man gibt aufeinander acht. Wir segelten 7-8 Kn bei 14-16Kn Wind, das hat Freude gemacht und war sehr gemütlich. Um 14 Uhr kamen wir in Yarmouth an. Vor der Hafeneinfahrt hatten wir 2 Kn Gegenströmung, das war mir dann doch zu schwer zu Anlegen. Mathias musste im engen Hafenbecken wenden um rückwärts einzuparken. Die Hafenmeister waren mit Schlauchbooten unterwegs und haben geholfen. So hat auch das wieder prima geklappt. Anschließend erkundeten wir das kleine wunderschöne Städtchen und ergatterten für 17 Uhr einen Platz in einem Steak Restaurant. Für den Abend war alles schon ausgebucht. Wir fanden einen tollen kleinen Supermarkt mit vielen Leckereien für unsere Bordküche. Denn Morgen Abend kommen Schweizer Freunde für ein paar Tage zu uns aufs Boot. Darauf freuen wir uns sehr.

Segeltraining- und Test mit Rachael Sprot

Vorgestern kam Rachael Sprot zu uns an Bord um uns einen Tag lang zu Unterrichten. Am wichtigsten war uns ein Hafenmanöver Training im Strömungsgewässer. Unser Freund Roger aus der Schweiz hat sie uns empfohlen. Sie ist eine sehr erfahrene Seglerin, RYA Yachtmaster Ocean Instructor und Autorin für Yachting World und Yachting Monthly. Es war ein sehr lehrreicher Tag für uns. Rachael strahlte eine wohltuende Ruhe und Gelassenheit aus. Das hat mir sehr gut getan. Bei 2 Kn Strömung im Hafen am Steg anzulegen will gelernt sein. Es bedeutet, dass man, wenn man 2 Kn Fahrt im Boot hat, das Boot auf der Stelle stehen bleibt. Das habe ich noch nicht erlebt. Das angenehme an der Ströme ist, dass sie keinen Lärm macht wie Wind uns sehr viel berechenbarer ist. Für mich zumindest. Wir haben gelernt uns von der Strömung an den Steg treiben zu lassen. Steht das Boot schräg zur Strömung driftet es wenn der Bug gegen die Strömung steht zur Seite. Das kann man beim Anlegen nutzen. Es geht langsam und ruhig. Mir hat das gut gefallen.

Das haben wir dann viele Male geübt. Ohne Bug- und Heckstrahlruder haben wir vor allem die Kraft des Wassers genutzt und den Motor zur Unterstützung. Auch den Genakker haben wir das erste Mal benutzt und geübt damit zu Halsen. Das war zu Dritt einfacher als zu Zweit. Zu Zweit kann man auch den Bergeschlauch (Snuffer) benutzen, das Segel einpacken und auf der anderen Seite wieder auspacken. Mathias “Halst” lieber mit geöffnetem Gennaker, ich mag es lieber sicherer. Denn der große Asymmetric kann sich um das Vortag wickeln, Leinen am Anker hängen bleiben und vieles mehr. Zu Dritt und mit Rachael war eine gute Gelegenheit dies auszuprobieren.

Das Wetter wurde im laufe des Tages immer besser und am Ende gab es einen wunderschönen Sonnenuntergang. Ich habe dann das Hafenmanöver gefahren. Rückwärts in die Box möglichst ohne Bug- und Heckstrahlruder. Es hat geklappt, aber mein Puls war sicher über 160/min. Inzwischen war es 20:00 Uhr und da die Restaurants im Hafen so früh ihre Küche schließen sind wir in Segelkleidung zum Essen. Beim italienischen Restaurant sagte man uns um 20:35 Uhr, dass die Küche schon geschlossen sei. Was sagt man dazu. Im Restaurant nebenan im “Banana Wrap” bekamen wir leckeres Lammcurry und ein Steak für Mathias. Müde und glücklich gingen wir früh schlafen…..denn um 9:30 wird Rachael zurück an Bord kommen.

Rachael und Mathias am Genauer

Am nächsten Morgen kam Rachael Sprot mit dem Fotografen Richard Langdon, Oceanimages, und Stuart Anderson von Parasailor UK zu uns an Bord. Wir stellten unser Boot und unsere Segel ( Parasailor, Gennaker, Code ZERO) zum Vergleich zur Verfügung und bekamen gleichzeitig eine Einweisung in den Parasailor vom ISTEC Experten. Eine Win-Win Situation für Alle. Die Sonne schien zu Beginn noch nicht wie vorhergesagt, wurde jedoch im Tagesverlauf immer besser. So verließen wir zu fünft den Hafen und machten uns auf den Weg zum Solent. Unterwegs hatten wir schönen Wind von hinten. Genau das Richtige für den Parasailor von ISTEC. Er wurde als Erstes gesetzt. Wow, sah das toll aus. Es war ein schönes dahingleiten, ganz gechillt.

Da wir eine der Leinen falsch angeschlagen hatten, musste er noch einmal geborgen werden. Das durfte ich dann mit Rachael machen. Da hatten wir zu tun. Puh, das war richtig Sport. Richart hat alles fotografisch begleitet. Das motivierte uns natürlich noch mehr. Als die Leinen verändert waren, konnte der Snuffer wieder nach oben gezogen und das große Segel freigelassen werden. Das durfte jetzt ich machen. Zu Beginn war es ganz einfach. Dann kam ein Stop….ich benötigte alle Kraft die ich hatte um den Snuffer über diesen Wulst ( Wing) zu bekommen. Es fühlte sich an wie bei einer Geburt….als Mutter weiß ich wovon ich rede. Bei einer Geburt müsste man noch einmal pressen, beim Parasailor “ziehen”. Dann kam die Erlösung, der Snuffer passierte den Wulst und das Segel mit Wing war frei. Ein tolles Gefühl. Sobald wir die Drohnen Aufnahmen haben, die gestern gemacht wurden, könnt ihr sehen was ich meine. Tolles segeln mit dem Parasailor, wir sind glücklich ihn zu haben. So werden wir ganz gechillt von Gran Canaria nach St. Lucia in die Karibik gleiten können.

Dann wurde der Parasailor geborgen und der gelbe Gennaker von Elvstrom mit 225 qm kam an die Reihe. Mit dem gelben Genakker war das Segeln sehr viel dynamischer….auch schneller. Hat auch Spaß gemacht. Zuletzt kam dann noch der Code ZERO von Elstrom an die Reihe. Alles wurde dokumentiert und fotografiert. Mit dem Code ZERO war das Segeln auch sehr dynamisch, es hat allen an Bord Freude gemacht. Am Ende wurde der Code ZERO eingerollt und wir kreuzten bei schönem Wind mit der Genua zurück in den Ocean Village Hafen nach Southampton. Mathias hat ein gekonntes Anlegemanöver gefahren und unsere Gäste fuhren nach Hause.

Ich habe mich gefühlt wie nach einer Skitour. Das war richtig Sport heute. Schnelles Aufwärmen unter der warmen Dusche und einen Tisch im Restaurant organisieren. Dieses Wochenende startet die Southampton International Boat Show, deshalb reserviere ich sicherheitshalber einen Tisch in einem empfohlenen Restaurant. Unterwegs fanden wir ein nettes italienisches Restaurant nähe des Hafens und bekamen sehr leckeres Essen mit freundlichem italienischem Service. Die Reservierung sagten wir ab. Wieder blickten wir glücklich und zufrieden auf einen ereignisreichen Tag zurück und gingen bald schlafen.

Heute sind wir zur Isle of Wight nach Cowes gesegelt. Mathias hat uns hier einen Platz im Hafen reserviert. Das war gar nicht so einfach, da viele Segel Regatten stattfinden dieses Wochenende. Nun liegen wir hier an der Außenmole und es wackelt und schaukelt, man könnte meinen man wohnt auf einem Segelboot. Mathias hat beim Anlegen mit 2 Kn Strömung das Gelernte gekonnt umgesetzt und ich habe die Leinen bedient. Anschließend erkundeten wir das idyllische Hafenstädtchen. Sehr, sehr schön. Wunderschöne alte Häuser, Läden wie aus einer anderen Zeit und ein Segelladen am Anderen. Leider habe ich vergessen Fotos zu machen, so sehr war ich mit staunen beschäftigt und….ich spüre heute die Anstrengung der letzten beiden Tage…es zwickt hier und da und mein Körper sehnt sich nach Ruhe und Erholung.