Endlich wieder unterwegs

Autor Mathias, Fotos Sybille

Endlich war es am Donnerstag soweit. Eine besondere Zeit im RCNP dem königlichen Yachtclub in Palma ging zu Ende. Morgens wurde noch Frisches eingekauft und die letzten Arbeiten an der Technik abgeschlossen. Frei ohne konkrete Termine ließen wir nach dem Mittag RCNP hinter uns im Kielwasser. Ein leichter Wind schob uns in der Bucht von Palma voran. Am Horizont waren verschieden Gruppen von Segelbooten mit schwarzen Segeln zu sehen. Die COPA del REY wird Ende Juli hier stattfinden und warf ihre Schatten bereits voraus.

Unsere Absicht für diese erste Übernachtung auf dem Wasser war Ruhe haben, baden, blaues klares Wasser und etwas Platz zum Nachbarn. Nach einigem Abwägen fiel unsere Wahl für diesen ersten Schlag auf die weite Sandbucht Es Trenc im Südosten von Mallorca. So lagen 24 nm vor uns. Genau das Richtige für uns, wenig Welle, etwas Wind, Sonne und Wärme mit einem reizenden Ziel vor Augen. Zu zweit zogen wir unsere Bahn. Sybille auf der hohen Kante sitzend die Sonne und den Wind spürend. Mathias abwechselnd am Steuer, am Ipad oder neben Sybille sitzend, herunterkommened.

Am Abend fiel der Anker in eine helle Fläche Sand im azurblauen Wasser. Bei 8 Meter Tiefe wurden 50 m Kette gesteckt. Es folgte voller Freude der Sprung in diese riesige Badewanne mit so schönem warmem, salzigem und klarem Wasser. Danach duschen, trocknen an Deck, schauen was so alles um einen herum in der Bucht zu sehen ist. Ankommen im Urlaub auf dem Boot. Zum Sonnenuntergang gab es aus Sybilles Küche leckere Hühnchenschlegel mit Reis. Endlich mal wieder zu Hause essen. Nach sechs Wochen Gastro gibt das so ein Gefühl von daheim und selbstbestimmt.


Nun liegt der Anker schon den vierten Tag an der gleichen Stelle. Die Bucht ist die Selbe. Lediglich der Verkehr auf dem Wasser während des Tages wie auch ein Teil der Nebenlieger ändern sich.

Und was tun wir so vor Anker. Nichts. Einfach nichts. Okay fast nichts. Etwas telefonieren mit der Familie oder Freunden. Blogs und ein paar Mails durchschauen. Die Muskeln mit der Blackroll oder Yoga geschmeidig halten. Viel schwimmen und schlafen, auf und unter Deck, sowie essen und trinken, insbesondere viel Wasser. (Sybille:😜)

Für lesen ist etwas mehr Raum als in den Wochen davor. Uns beide spricht gerade das Buch EIOLO und IRNADA der Dialog von Gerhard Praher an. Gleich ob Fiktion oder nicht es ist für uns inspirierend.

So ganz im Jetzt bleiben wir nicht. Gedanken, wie nutzen wir die weitere Zeit bevor es Anfang August zurück auf die Kanaren gehen wird, gehen durch den Kopf. Ja Ekke und Maria sowie Gunther in Sardinien zu besuchen stand ganz oben auf der Liste. Der Wettercheck war ernüchternd. Es wurden 5 Tage Flaute für diese 330 nm vorausgesagt. Das hiese zwei Tage motoren und dabei wollten wir doch endlich wieder segeln. So wurde schweren Herzens das Wiedersehen abgesagt und wir bleiben heute nochmal hier.

So vergehen die ersten Tage vor Anker im azurblauen Wasser mit Sandstrand, Karibikfeeling in Europa. Weshalb das Gefühl karibisch genannt wird, ist bei längerem Nachdenken unklar. Dieses MEDgefühl der Wärme, sauberes klares Wasser, heller Sand, leckeres Essen und Trinken, Zirpenlauten, dem stetigen Wind gepaart mit Sicherheit und Sauberkeit ist auch richtig toll. Wir werden schauen wie es uns mit den anderen schönen Plätzen auf der Erde mit warmem Wasser, Strand und Wärme gehen wird. Vielleicht erkennen wir dann wie besonders und einzigartig Europa ist.

Sonnenaufgang heute 6:50 Uhr

Endlich mal das X- SUP ausgepackt…lang, lang ist’s her…und dann gehts baden

Neues aus der Bordküche:

Azukibohnen Frikadellen mit Guacamole, Aioli und frischem Blattsalat

Es ist soweit – es kann weiter gehen

Autor: Mathias

Heute ist es so weit. Alle involvierten Techniker gaben ihr Okay. Unsere PURE FUN ist wieder bereit für die weitere Reise. 

Nun der Reihe nach. Was für eine Woche war das. Auf den vorhergehenden Blogeintrag wurden uns spürbar die Daumen gedrückt. Das hat geholfen. Am Montag verzögerte sich dennoch die Fertigstellung. Das drückte spürbar auf unsere Stimmung. Wir wollten einfach wieder aufs Boot. Dennoch mussten die Arbeiten erst fertiggestellt werden. In enger Abstimmung mit  X Yachts in Dänemark und deren Lieferanten wurde die Position des Motor in der Höhe, im Winkel zur Welle wie auch dessen Abstand zur Welle verändert. 

Am Dienstag kamen morgens noch die letzten Werte für die Endmontage aus Dänemark. Wir verabschiedeten uns im BO-Hotel, mal wieder. Dieses Mal waren wir entschlossen und zuversichtlich tatsächlich wieder in unser Boot einziehen zu können. Die Einwasserung am Mittag wurde vorbereitet. Es gab beim Kran einen Termin kurz vor Feierabend.

Noch im Lift hängend wurde bei der obligatorischen Prüfung, ob das Boot dicht ist, ein Wassereintritt festgestellt. Es wurde im Motorraum eifrig geschraubt. Die Spannung stieg. Die anderen wollten heim und drückten. Es kam noch Wasser, jedoch konnte die Stelle lokalisiert werden. Es ging dennoch los. Die kurze Fahrt zum Liegeplatz erfolgte mit minimaler Geschwindigkeit und voller Anspannung. Mit der Werft vor Ort wurde bereits ein Slot für die mögliche Rückkehr vereinbart. Es ging gut. Das Leck wurde schnell geschlossen und es war Zeit für den vorgezogenen Feierabend. So war für uns Platz zum putzen, innen und außen. Der Liegeplatz war für uns ein Traum. Links die Kathedrale und vor uns wirklich große und unglaubliche schöne Segelboote.

Ruhe dafür hatten wir nur wenig. Beim Säubern des Decks zeigten sich überall Spritzer. Die gingen nicht weg,. In der Werft hatten wir vor zwei Wochen den Rumpf aussen polieren lassen und jetzt fühlte sich der Sühlrand wie feines Schleifpapier an. Auf allen Fenstern waren feine blaue Tupfer. Ich ware den Tränen nah. 

Am Mittwoch stand die Fertigstellung der Arbeiten am Motor an. Die zogen sich. Nach einem Test am Liegeplatz zeigten sich noch Aufgaben. Während dessen bat  ich die Werft vor Ort um Hilfe beim Umgang mit den blauen Punkten. Die schickten jemand um sich die Situation anzuschauen. Kurz darauf kam ein “Putztrupp“ und fing an zu reinigen. Die erste Testfahrt für den Motor wurde auf Donnerstag verschoben. Am Nachmittag hieß es, Mathias schau mal wie heiß die Lichtmaschine für die Servicebatterien wird. Die muss raus und geprüft werden – auch das noch. Also wurde die ausgebaut und mit in die Werkstatt genommen. Die Testfahrt für den Folgetag stand fest, mit oder ohne Lichtmaschine. Es war für den Folgetag mit Jesper Bank, himself, hoher Besuch angesagt. Abends kam von David, der hier alles koordinierte, die Zeitschiene für den nächsten Tag. Sobald es etwas schattiger wurde, bereiteten wir beide bis zur Dunkelheit noch Segel vor. Zu müde um selbst zu kochen, ging es noch im Clubhaus des RCNP zum Essen, lecker. 

Für Donnerstag war das Programm besonders. Um 7 Uhr kam nochmals der Putztrupp für aussen. Um 8:15 Uhr kamen drei um das Großsegel neu anzuschlagen.

Um 8:45 Uhr kam Sascha und es ging am Motor weiter.

Sascha…unser Motor Ingenieur

Um 10 Uhr war Jesper Bank an Bord. Im Hafen wurde zusammen mit David Green das Setting überprüft. Dann kam um 10:30 Uhr noch der Toprigger Rodrigo Sanz dazu. Zwei Stunden waren auf dem Wasser angesetzt und wurden intensiv genutzt. Wir hatten viel Spaß, bekamen wertvollen Input und sahen auch, dass wir beide doch viel fürs Cruising richtig und gut machen. Wir hatten kaum Zeit für Bilder oder zum Steuern.

Zum Teil musste Sascha, der für den parallel stattfindenden Testlauf des Motors verantwortlich war, ans Steuer. Es war übrigens sein erster Segeltag und für uns beide ein besonderes Erlebnis in der Bucht von Palma. Kaum zurück im Hafen ging es gleich weiter. Irgendwann war ein kurzer Mittagsschlaf notwendig. Einkaufen, Mails und Anrufe waren noch zu erledigen und Abends kamen noch Freude aus Stuttgart zu Besuch.

Ein voller, intensiver, freudvoller Tag ging zu Ende. 

Freitag, also heute, war noch mehr putzen angesagt. Außen wurde nochmals das Deck von den verbliebenen Farbresten gereinigt. Für Innen hat X Yachts jemand organisiert um nach Abschluss der Arbeiten am Motor wieder alles in Ordnung zu bringen. Vielen Dank an Victoria. Deine Hilfe hat sehr gut getan.  Der Generator konnte wieder eingebaut werden und die Arbeiten waren somit abgeschlossen. Und wir putzten, organisierten und sortierten währenddessen um. 

Heute Nachmittag bekamen wir die Freigabe von X Yachts und so ist auch dieser Fall nach fünf Wochen erledigt. Die undichte Deep Sea Seal war das Teil, an dem das Problem offensichtlich wurde. Zusätzlich zu der Stopfdichtung hatte Welle und ein Bauteil von Aquadrive einen Schaden. Gelöst wurde es mit dem Austausch dieser Bauteile und der Motorfüssen sowie einer veränderten Position des Motor. 

So sehr dieser Schaden unsere Pläne komplett durcheinander brachte, sind wir heute sehr froh dass dieser in der Hochsaison so zügig abgearbeitet wurde. Es wurde an verschiedenen Stellen sehr intensiv für dieses positive Ergebnis gearbeitet. Wir wissen inzwischen wie häufig es bei allen Werften Schäden in den ersten Monaten gibt. Sehr unterschiedlich ist, wie damit umgegangen wird. Wir wissen, dass wir in richtig guten Händen sind. Besonders bedanken wir uns hier bei Nils Jensen im XY Aftersale in Dänemark und bei David Green, der X-Yachts in Spanien vertritt. 

Für alle Nichtsegler, Jesper Bank ist mit zahlreichen WM-Titel mit unterschiedlichsten Booten wie auch zwei olympischen Goldmedaillen einer der erfolgreichsten dänischen Profi-Segler überhaupt. Er vertritt hier in Palma Elvstrom. Beim Auskranen in Palma sah er uns, unser Boot und die Elvstrom Segeln und stellte sich mir vor und fragte uns nach unserer Zufriedenheit. Alle Blogleser kennen dazu vielleicht schon das eine oder andere Erlebnis von uns mit den Segeln. Die Reklamationen, die es gab, hatten wir einvernehmlich mit Elvstrom im Februar geklärt. So war nichts mehr offen. Dennoch sprachen wir mit ihm über unsere Erlebnisse. 

Für uns ist mit der X 5.6 viel Neues in unser Leben gekommen. Da fehlten uns öfters Erfahrungen auf die wir zurückgreifen konnten. Unser beider Wunsch war schnell klar, wenn irgendwie möglich mit Jesper mal zu segeln und von ihm das Setting hier an Bord nochmals durch seinen kritischen Blick prüfen zu lassen. Dieser Wunsch wurde am Donnerstag Realität. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich bei Jesper wie auch Kraen, David und Rodrigo von X Yachts die sich dafür eingesetzt haben. Wir sehen diesen Segeltag als Geschenk und besonderen Service beider Dänischen Premiummarken an. 

Wir beide sind froh, dass es jetzt wieder weiter gehen kann. Endlich wieder segeln, baden, dösen und mal Urlaub haben.

Urlaubsfeeling auf der PURE FUN

Es geht uns echt gut hier in der Marina Rubicon. Warum sind wir eigentlich noch hier? Ach ja, Hafengebühren waren für 4 Wochen günstiger, Mathias ist ja Schwabe….es ist schön hier und wir warten noch auf Ersatzsegel. Normale Lieferungen sind hier sehr viel aufwendiger. Die Kanaren sind spanisch, aus steuerlicher Sicht jedoch auch etwas ganz besonderes. So geht hier jede Lieferung aus der EU durch den Zoll auf den Kanaren. Die Dauer ist schwer absehbar.

Wir verbringen unsere Zeit mit schlafen, lange frühstücken, etwas Yoga oder Streching und für ein paar Stunden segeln mit anschließendem Baden in der Papagayo Bucht, abends wieder rein in den Hafen mit essen an Bord oder in einer der umliegenden Hafenrestaurants. Richtig gechilltes Urlaubsfeeling.

Am Sonntag den 8.1.23 segelten wir zwischen Lanzarote und Fuerteventura hin und her um die Boote des RORC Transatlantik Race ganz nah erleben zu können.

Heute am 17.1.23 sind die ersten Monohulls schon angekommen, das deutsche Boot Black Pearl mit Stefan Jentzsch kurz vor dem Ankommen. Von außen betrachtet fühlt sich das sehr schnell an.

Natürlich hatten wir auch weiterhin fleißige Helfer an Bord. Manuel unser sympathischer und kompetenter Segelmacher von LANZAROTE SAILS, der eigentlich nie Zeit hat und uns dennoch immer wieder hilft. Auch am Anker benötigten wir nochmal einen Fachmann sowie einen Sensor, das uns von unserem Besuch aus Deutschland mitgebracht wurde. Da das mit dem Postweg hierher sehr langwierig ist, hatten unsere Freunde viele Kilo Gepäck für uns dabei, unsere neuen 230 cm langen Segellatten für die Genua, die anderen hängen noch bei der Abfertigung, wie auch neuen Hochland Kaffee.

Seit letzten Freitag sind Anna und Hanno aus Stuttgart an Bord. Sie wären jetzt, wäre alles nach Plan gelaufen mit uns und Evelyn auf dem Atlantik unterwegs. Die ARC ging letzten Sonntag los, ohne uns. Den Start so aus der Ferne zu erleben war schon nochmal sehr traurig….aber so ist es nunmal.

So genießen wir nun eine gemeinsame Woche hier auf Lanzarote. Gestern hatten wir die Idee 35 nm nach La Graciosa hoch zu segeln, dort über Nacht zu Ankern um am nächsten Tag zurück zu segeln. Da zuvor noch Segellatten gekürzt und in die bereits angeschlagene Genua eingebracht werden mussten, legten wir erst um 13:30 Uhr in der Marina ab. Das war natürlich reichlich spät für diesen Törn.

Auf dem Törn nach La Graciosa hatten wir einen schönen Upwind Kurs mit ca. 20 Kn Wind uns 1-3m Welle. Schönes aktives segeln.

Mir war, da nichts mehr gewöhnt, wie so oft etwas flau im Magen. Das kenne ich schon, dauert ein paar Stunden, dann ist es vorbei. Also beschloss ich mich unten etwas aufs Ohr zu legen. Während dessen dreht der Wind zu unseren Ungunsten und wurde schwächer. So wurde die errechnete Ankunftszeit immer später und am Nachmittag entschieden wir den herrlichen Wind zu nutzen um mit vollen Segeln zügig vor dem Wind in die Marina zurückzukommen. So segelten wir entspannt mit 9 kt Speed vor dem Wind. Es machte so viel Spaß in dem leichten Wind, bei angenehmen 25 Grad die Gischt am Bug fliegen zu sehen und mit den Wellen zu segeln. Abends am vertrauten Liegeplatz angekommen wurde mit Cerveza und Wermut mit Orange und Eis auf den schönen Segeltag angestoßen.

2. Advent in Lagos

Am Donnerstag sind wir gegen 11:30 Uhr mit dem Ziel Sines in Cascais losgesegelt. Wir hatten 10-15 Kn Wind, 60-80° Windeinfallwinkel. So beschlossen wir den Code ZERO zu setzten. Wir segelten mit 9-10 Kn Geschwindigkeit unserem Ziel entgegen. Das hat Freude gemacht. Gegen 15:00 Uhr wären wir in Sines angekommen. Da das Segeln sehr viel Spaß gemacht und die Vorhersage gemeldet hatte, dass der Wind um ca. 18:30 Uhr einschlafen wird beschlossen wir die letzten Stunden Wind auszunutzen und direkt nach Lagos weiter zu segeln.

Der Wind schlief tatsächlich pünktlich nach Sonnenuntergang ein und wir mussten den Motor einschalten. Wir genossen auf dem Verdeck sitzend diesen wunderschönen Sonnenuntergang. Das sind unglaublich schöne Momente. Am 2. Dezember in Portugal zu Segeln und diese besondere Stimmung miterleben zu dürfen.

Da wir uns im Orca Angriffgebiet befanden wollten wir dieses so zügig wie möglich passieren. Unsere Ankunftszeit in Lagos wird ca. 1:30 Uhr sein. Ich versuchte zwischen 19-21 Uhr und zwischen 0:30-2:30 Uhr zu Schlafen. Dazwischen übernahm ich die Wache. Ab 2:30 Uhr waren wir gemeinsam an Deck. Die Einfahrt in den engen Kanal, mit der stark beleuchteten Palmen Allee am linken Kanalrand bei Niedrigwasser, erforderte zu dieser Uhrzeit volle Konzentration. Nach dem Dunkel auf See blenden die hellen Lichter sehr. Ich stand am Bug und hielt Ausschau, Mathias orientierte sich zusätzlich mit Hilfe der Navionics Karte auf dem Plotter. So kamen wir gut am Anlegepier vor der Klappbrücke an. Nachts ist die Einfahrt in den Hafen nicht möglich, da die Brücke erst ab 9:00 Uhr geöffnet wird. Wir machten fest, tranken noch einen „Anleger“, in diesem Fall ein San Miguel und legten uns schlafen. Ich erwachte bei blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein um 10 Uhr. Da hatte Mathias schon wieder alles mögliche organisiert und in die Wege geleitet und schwatze mit Martin, dem Schweizer Katamaransegler unter Australischer Flagge. Wir brauchten einen Rigger, da uns am Vortag unsere Genuaschot oben am Mast riss und auf’s Deck fiel. Das passierte bei 15Kn TWS als wir das Code ZERO gegen die Genua auf der Selbstwendeanlage tauschen wollten. Schon mittags war ein Rigger an Bord und stieg in den Mast. Oben in 22 Metern Höhe lachte er. Denn er war total überrascht, dass in dem „Fallenkasten“ ein Rolle gebrochen war. Das hätte er bei unserem Boot nicht erwartet. Wir auch nicht.

Lagos Marina

In einem online Reiseführer über Lagos las ich, dass in der Stadt die Skulpturen der Entdecken von Früher zu sehen wären und im Hafen links am Pier, die Entdecker von heute. Da ist was dran. Ganz vorne seht ihr unsere Pure Fun und beinahe alle Boote dahinter haben das selbe Ziel wie wir. Zuerst die Kanaren und dann die Karibik.

Ich nutzte den Tag um Wäsche zu waschen, das Boot zu putzen und aus den Vorräten die verarbeitet werden mussten etwas leckeres zu Kochen. Das leckere Dinkel Vollkornmehl aus England sollte natürlich auch nicht verderben und so beschloss ich Rosinenbrötchen zu backen. Wieder verließen wir am Tag nach einer durchgesegelten Nacht das Boot nur um anfallende Arbeiten zu erledigen. Vielleicht liegt es daran, dass uns nach diesem Naturerlebnis eine Stadt, der Trubel und die vielen Menschen und Eindrücke zu viel sind. Langsames Ankommen….in der Zivilisation. Nach der Biskaya war es auch so. Da haben wir alle Fünf das Boot geputzt, aufgeräumt und an Bord gegessen.

Erst am Samstag Morgen gingen wir los um Lagos zu erkunden und auf dem Bauernmarkt frisches Obst und Gemüse einzukaufen. Hier verkaufen die Bauern ihre Erzeugnisse. Das lieben wir sehr, denn nirgends sonst bekommt man eine bessere Qualität. Jeder verkauft was er hat. Selbstgebackenen Kuchen, Marmelade, Honig, Kekse, Oliven, Obst, Gemüse. Ich habe einige deutsche Stimmen um mich herum gehört, die ebenfalls hier ihren wöchentlichen Einkauf erledigt haben.

Lagos, Bauernmarkt

Nachdem wir den Einkauf an Bord gebracht hatten schlenderten wir Richtung Zentrum. Unser erster Eindruck gefiel uns. Ich sah einen Bioladen, juhu, und kurze Zeit später eine Drogerie mit WELEDA Produkten. Da mussten wir natürlich unsere Vorräte aufstocken. Kurze Zeit später kamen wir an einem italienischen Restaurant vorbei, das so toll aussah, dass wir beschlossen die Stadterkundung nach einem Mittagessen fortzusetzen. Es begann sowieso gerade zu regnen. Ich weiß nicht, wann ich das letztem so leckere Pasta gegessen habe. Vom Ambiente ganz zu schweigen. Neben uns saßen zwei sehr sympathische Frauen und es entstand ein sehr interessantGespräch. Einen Amerikanerin die seit ein paar Monaten lieber in Lagos lebt, da ihr die Situation in den USA nicht mehr gefiel und eine in England geborene Frau mit portugiesischen Wurzeln die in England, Neuseeland und Afrika gelebt hat und nun mit ihren Eltern nach Portugal zurück gekehrt ist. Es war ein sehr bereicherndes Gespräch und es ist immer wieder schön zu sehen, dass man überall auf der Welt Gleichgesinnte finden kann. In Portugal lassen sich seit Corona Menschen aus aller Welt nieder um sich ein neues Leben in einer noch „heilen“ Welt aufzubauen. In Frieden leben umgeben von wunderbarer Natur. So wie es scheint kann man das hier finden.

Das Restaurant heißt La Pasta Bio Italiana und wird von einer Familie aus Apulien geführt. http://www.pomolagos.com, ihre Homepage ist auch sehenswert. Nach der reichhaltigen Pasta brauchten wir einen Mittagsschlaf. Anschließend brachen wir zu einem Strandspaziergang auf, da direkt hier am Hafen der lange Sandstrand beginnt. Das war wunderschön. Wir hatten den Strand ganz für uns.

Lagos, Strandspaziergang bei Dämmerung

Auf dem Heimweg entdeckten wir ein sehr hübsches Strandrestaurant. Da wir immer noch so satt von der reichhaltigen Pasta waren beschlossen wir das Essen dort auf Sonntag zu verschieben. Im Hafen blieben wir dann doch noch in einem englischen Pub hängen, tranken Guiness und schauten Das Fußballspiel Argentinien gegen Australien an. In dem Pup waren 8 Bildschirme. Wir waren anschließend so aufgedreht, dass wir noch bis 24 Uhr Rummycub spielen mussten um müde zu werden. Auf einem Bildschirm war die WM zu sehen, auf einem anderen Golf, auf dem nächsten Frauenfußball. Dazwischen Werbung. Gefühlt haben unsere Augen alle drei Bildschirme gleichzeitig wahrgenommen…..da muss man ja hyperaktiv werden. Aber schön war’s! Und….beim Rummycub ging es 3:2 für mich aus! Geht doch…..!

Haben wir schon erzählt, dass wir morgen Gäste aus Deutschland bekommen. Wir freuen uns sehr drei Bundesligasegler:innen vom WYC aus Friedrichshafen an Bord willkommen zu heißen. Auf der Reise zu den Kanaren werden wir unsere Erfahrungen austauschen und erweitern. Danke Evelyn, dass du da mitgeholfen hast. Auf diese gemeinsam Zeit freuen wir uns sehr. Jetzt brauchen wir nur noch das passende Wetterfenster….im Moment braut sich da draußen etwas zusammen was uns nicht gefällt. Wir hoffen, dass es sich auflöst und wir bald los können. Drückt uns die Daumen.

PURE FUN, technische Aspekte unseres Aufenthalts in A Coruna

Uns erreichen Nachfragen wie auch Anteilnahme an unserem längeren Aufenthalt hier im Stadthafen des Real Club Nautico de A Coruna. Der Aufenthalt hat ganz unterschiedliche Aspekte. Sybille hat zum Touristischen schon so manches geschrieben. Motivation in A Coruna fest zu machen, war zunächst die ungünstige Wettersituation mit andauernden südlichen Winden wie auch Veränderungen am Antrieb.

Die Wetterlage der ersten Tage hier in Galizien mit 5 bis 8 Windstärken und vorhergesagten Wellen bis zu 6 Meter gegen an muss man nicht unbedingt haben. Die Entscheidung zu bleiben war auch im Nachhinein seemännisch richtig.

Die technische Seite sieht weniger klar aus. Auf Grund der Nachfragen gehe ich heute hier mehr in die Details. Auf der X 5.6 besteht der Antrieb aus einem Yanmar Motor mit 110 PS samt Getriebe und Kupplungen, drei Bauteilen von Aquadrive zur Reduzierung der Schwingung und des Schalls, einer Welle sowie einem Gori Dreiblatt Faltpropeller. Das sind alles Topteile. All das ist auf engem Raum sehr solide verbaut.

Auf den letzten Meilen durch die Biskaya wurden die Geräusche des Antriebs lauter. So nahmen wir gleich nach unserer Ankunft in Abstimmung mit X-Yachts in Dänemark mit dem Yanmar Servicepartner Varadero Marina Coruna in A Coruna Kontakt auf.

Kurzfristig gab es erste Tests im Hafen. Vermutet wurden hiernach zu schwach dimensionierte Dämpfer / Füsse zwischen Yanmar Motor und Rumpf. Diese Vermutung wurde dann an X-Yachts übermittelt. In Dänemark wurden diese Einschätzung mit der Technik und den Lieferanten überprüft und bewertet. Ergebnis war, die Füsse sind korrekt gewählt. Kräfte werden vom Aquadrive absorbiert und so können die Füsse für eine bessere Dämpfung weicher dimensioniert werden.

Das gibt es sonst nur bei viel größeren Segelbooten. Die Dämpfung ist äusserst wirksam. In der vorderen Ownerkabine bekommt man vom Motor im Standgas oder auch bei Marschfahrt mit 2.300 U/min kaum etwas mit.

Auch wenn die X-Yachts unsere Anliegen im After sale sehr schnell abarbeitet, vergehen für die Klärung mit verschiedenen Spezialisten und Lieferanten schnell die Tage.

Das erste Wochenende mit einem möglichen, jedoch engen Wetterfenster für die Weiterfahrt, stand vor der Türe. Verschiedene Wettermodell wurden über PredictWind analysiert und vor Ort Einschätzungen eingeholt. Chuny von der Werft Varadero Marina Coruna schrieb, so sehr er selbst auch versucht Hafentage zu reduzieren und lieber segelt, würde er an unserer Stelle bleiben. Damals wußte ich noch nicht wer hinter dem Namen Chuny steht. Hätte ich mal Google nach Chuny  und Sailing gefragt, wäre mir die Empfehlung noch klarer gewesen. Er gehört mit 7 Round the World Rennen zu den erfahrensten Off Shore Seglern.

Ohne zu wissen, woher die Veränderung an Antrieb kommt und im Vertrauen in den Yanmar Partner ließen wir das Wetterfenster am ersten Wochenende vergehen und blieben schweren Herzens im Hafen.

Mit dem Ergebnis, dass die Füsse korrekt sind, wurde für die zweite Woche weitere Tests auf dem Wasser angesetzt. Nur leider war an den ersten Tagen zu viel Wind in der Bucht. So wurde es Donnerstag, dem 8. Tag in A Coruna. Der Motor brachte das Boot rückwärts gut und gewohnt auf Geschwindigkeit nur vorwärts ging es (viel zu) langsam voran. Das war insbesondere beim Anlegen mit 25 kt von der Seite sehr unangenehm 😏. Ergebnis war, es muss weiter überprüft werden, woher das Klacken und die Veränderung der Leistung kommt. Von Dänemark gab es Anweisungen was wir an Bord noch am Getriebe testen sollten. Auch das verlief ohne negativen Befund und die Woche ging zu Ende.

In kurzfristiger Abstimmung mit Dänemark wurde dann am Freitag Nachmittag die Verlegung unserer PURE FUN in die Werft von MarinaCoruna für Montag vereinbart.

Am Montag kam dann das Getriebe samt Kupplung und dem vorderen Verbindungsstück des Aquadrives zwischen Getriebe und Welle raus. Das dauert bei den engen Platzverhältnissen fünf Stunden und ist wirklich anstrengend.

Dienstag war Feiertag. Mittwoch früh war das Getriebe auf einem speziellen Prüfstand. Ergebnis war, das Getriebe ist perfekt. Parallel wurde die Welle samt Propeller abgetaucht. Es war etwas viel Toleranz im Einbau jedoch kein mechanischer Befund. Es gab erneute Abstimmung mit Dänemark. Für den Ausbau des hinteren Bauteils von Aquadrive und der Welle muss das Boot aus dem Wasser. Auch das war am Mittwoch Abend erledigt. PURE FUN stand auf dem Trockenen und die ausgebauten Bauteile, d.h. Getriebe, Kupplung, Aquadrive, Welle und Propeller lagen einzeln in der äußerst ordentlichen Werkstatt von  Varadero MarinaCoruna auf der Werkbank.

Donnerstag wurde die Welle durchgemessen. Es gab kleine Abweichungen jedoch keine besonderen Veränderungen. Stück für Stück wurde der Antriebsstrang in der Werkstatt wieder zusammen gebaut und manuell getestet. Es klackt im Kugellager und es zeigt sich erste Abnutzungen und Verbrauchsspuren. Jedoch ist unsere X 5.6 nun auch schon vier Monate im Wasser, 1.600 nm gefahren und der Motor 120 Stunden gelaufen.
Ergebnis ist, möglicherweise muss an der einen oder anderen Stelle mit weniger Toleranz eingebaut werden. Zusätzlich werden vorsorglich wenige Teile ausgetauscht.

Parallel wurde das Unterwasserschiff gereinigt und Bedarf zum Nacharbeiten am Coppercoat zeigte sich. Alleine dafür hat sich der ganze Aufwand der Auswasserung gelohnt.

Seit Freitag wird wieder eingebaut und dabei noch mehr auf die optimale Positionierung aller Komponenten geachtet.

Wir sind guter Dinge, dass bis Montag am Unterwasserschiff wieder alles abgetrocknet ist und unser Boot wieder in sein Element zurück darf. Dann wird sich zeigen, wie es aussieht.

Wie geht es uns nun?
Ja ich darf mich in Geduld üben. Wer mich kennt weiß ich habe andere Stärken. Und ich bin stolz auf mich, wie ich das hinbekomme.

Und wir sind echt happy,
dass wir an unserem so komplexem Boot, wie eine X 5.6, nur so wenige Punkte zum Nacharbeiten haben,
wie schnell und engagiert Nils bei X-Yacht in Dänemark hier alles klärt, entscheidet und beauftragt,
Wir mit Varadero Marina Corona eine so kompetente, serviceorientierte und flexible Werft haben, dass wir so die vielen Reize von A Coruna entdecken konnten,
hier auf der Werft die Faszination für unser Boot wie auch fürs Segeln zu spüren,
und wer weiß vor was wir so beschützt wurden. Es gab auch letzte Woche wieder auf unserer Strecke Angriffe von Orcas auf Segelboote. Die Orca sollten nun weiter in den Nordatlantik ziehen und uns den Weg frei machen.

Wir sind geführt. Das Leben meint es wirklich gut mit uns. So genießen wir jeden Tag, so wie er kommt und was er für uns mit sich bringt. Bereichernd und faszinierend sind für uns die Begegnungen mit all den Menschen, die mit Leidenschaft ihr Ding machen und sehr mit ihrer Heimat wie ihrem Herzen verbunden sind. So wie hier Luis als Koch oder Chuny als Segler sind es für uns z.B. in Zermatt Dani als Pilot und Nadia als Gastgeberin. Seid gegrüßt.