ARC WORLD RALLY 2024 – Von Santa Marta/Kolumbien zu den San Blas Inseln/ Panama
Unsere letzten 24 Stunden waren im wahrsten Sinne des Wortes „bewegend“
25-40 Knoten Wind mit 3-5 Meter hohen langen Wellen. Die Wellen schaukeln uns durch, der Wind schiebt uns voran. 🤣🌊💨 192 sm/ 24h
Wir legten gestern um 9:30 Uhr im Hafen ab und begannen ca. um 10:00 Uhr zu segeln. Im 2. Reff mit voller Genua. Bald sahen wir vor uns all die Boote aus unserer Flotte, die schon um ca. 8:00 Uhr gestartet waren. Schön, sie alle da draußen zu sehen. Was noch schöner war….wir überholten einen nach dem Anderen. 😎🤣👍
Wir steuerten im stündlichen Wechsel von Hand um ein Gefühl für die Welle zu bekommen und natürlich auch, weil es Spaß gemacht hat. Die Boote, denen wir begegneten segelten in der Regel nur mit einem Segel. Groß oder Genua. Sie wurden ordentlich durchgeschaukelt und waren dadurch natürlich auch langsamer als wir.
Die Nacht hindurch steuerte unser Autopilot. Richtig gute Arbeit hat er gemacht. Wir haben ihn schon sehr gelobt. Ebenso unsere Pure Fun….sie segelt souverän die Wellen hoch und runter und fuhr uns sicher an unser Ziel. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt.
Diese Überfahrt ist warm und sehr feucht….die optimale Kleidung ist entweder Badekleidung oder Ölzeug. Zu dieser Erkenntnis kam ich gestern, nachdem ich mich das dritte mal umgezogen habe. So sitze ich nun im 👙 Bikini hier und schreibe und in der Nacht trugen wir Ölzeug. Wenn eine Welle übergeht, dann richtig……gestern ist tatsächlich das erstemal eine am Heck eingestiegen. Sie war nicht groß, die Wassermassen, die neben die Seiten kommen sind gewaltiger. Noch spannender sind die Wellen die querzukommen Hauptrichtung kommen. Die eine oder andere schaffte das komplette Deck zu spülen. Zwischendurch gab es auch eine die es bis unter die Sprayhood (Schutzhaube für das Cockpit) schaffte. Seitdem wird der Niedergang geschlossen. Heißt ja auch „Wassersport“. 😋
Gerade eben hat uns eine Welle wieder mit all ihrer gewaltigen Kraft nach vorne geschoben…17 Knoten konnte ich auf der Logge ablesen…..waow. 👍
Insgesamt mussten wir glaube ich 4 mal Halsen bzw Wenden seit gestern. Unser Ziel, die BBQ-Island / San Blas liegt genau dort wo der Wind hinbläst. Für uns heißt es bei über 25 Kn Wind vor dem Wind kreuzen.
Wir haben uns für Wende entschieden, da wir sie zu Zweit sicherer fahren können. Wir haben zusätzlich zum Groß und Genuaschoten noch die Bullenstander und die zusätzlichen Leinen an der Genua zu bedienen. Da sind wir gut beschäftigt. Gesteuert hat der Autopilot. Das klappte von mal zu mal besser. Ein gutes Gefühl dies bei diesen Bedingungen zu Zweit zu meistern. Gutes Vorbereiten und Vorbesprechen sind das Wichtigste.
Über die Nacht hatten wir jeweils drei Stunden Wache bzw. drei Stunden Schlaf.
Als ich gestern im Salon versuchte zu schlafen überlegte ich mir, wie ich es für den Blog in Worte fassen könnte, was ich da gerade erlebe. Es ist nicht nur die Bewegung im Schiff speziell, auch die Geräusche sind vielfältig und dominant. Es knarzt der Baum, was über den Mast neben dem ich liege deutlich zu hören ist. Dann bewegt sich je nach Welle alles in den Schränken erst nach vorn, dann nach hinten….mit viel Geklapper und Gepolter. Die Wellen donnern gegen den Rumpf oder Spülen das Deck. Sehr vielfältig und alles so laut, dass es auch mit Oropax zu hören ist. Zum Glück bin ich so müde, dass mich das alles nicht vom schlafen abhält. In Bauchlage oder stabiler Seitenlage bekomme ich meinen Körper einigermaßen dazu ruhig liegen zu bleiben. Ab und zu nutze ich auch Kissen, als Lagerungshilfen, Keile. Damit kenne ich mich als Krankenschwester natürlich aus. 🤣
Zu Essen gab es gestern Abend Chicken Masala und Boeuf Stroganoff – bei roter Nachtbeleuchtung, wieder lecker und aus der Tüte. Heute morgen schaffte ich es eine reife Papaya mit Passionsfruchtbzum Müsli zu servieren. Allerdings hintereinander zubereitet, da man Teller oder Schüsseln keine Sekunde unbeaufsichtigt lassen kann. Auch eine Tasse Kaffee gab es zum Abschluss. ☕️
Seit Tagesanbruch haben wir fast alle Boote hinter uns gelassen. Bis auf die NICA, FATJAX und Crasy Horse (Sundeer 60)Die ersten Beiden….sind nicht zu bezwingen und wann die Crasy Horse gestartet ist wissen wir nicht. Alle Anderen liegen hinter uns. 😜
Nach der Q-Wende bei nur noch 28 kn Wind und 3 Meter Welle gerade können wir unser Ziel mit einem TWA von 150Grad und 140 Grad AWA gerade so ansteuern. Es rückt näher. Ankunftszeit wird im Moment heute Nacht 22:00 Uhr angezeigt. Da man tagsüber ankommen sollte, wegen Flachwasser und Riffen ist das nicht optimal. Aber wir mussten auch eine Flussmündung bei Tag passieren um Baumstämme, Waschmaschinen und sonstigem Ausweichen zu können.
Da wir weit draußen gesegelt sind, haben wir kein Treibgut gesehen. Zum Glück. 🍀
Für die Inseln hat Mathias waypoints gesetzt, die wir dann abfahren und zur Sicherheit auf 10 m ankern. Morgen bei Tagesanbruch gehen wir dann erst ins Flachwassergebiet, also in den sogenannten Swimmingpool und zu BBQ Island. Versorgt werden wir von den indigenen Bewohnern per Boot. Wi
Wind und Welle lassen inzwischen nach, alle Segel sind ausgerefft. So segeln wir bei TWS 20 Kn, AWS 14 Kn, Speed: 7-8 Kn, AWA 150° dem paradiesischen Archipel entgegen.

Was für ein spannender Bericht. Dank Dir und Euch für TWA, AWS und AWA – tatsächlich beleben die Angaben meine Vorstellungskraft UND MEINEN RESPEKT. War froh zu lesen, dass die Q-Wende eine Option ist – ich finde Halsen bei weit weniger Wind schon stressig… „…bei nur noch 28 kn Wind…“ klingt euphemistisch aber ein Stück weit kann ich nachvollziehen, dass eine Gewöhnung eintritt und jeder kennt das Phänomen, dass der Eindruck den der Wind auf einen macht, eben von mehr abhängt als vom TWS (AWS ist schon der erste Beweis…).
Jetzt wünsche ich die beste gute Erholung beim nächsten Zwischenstopp
Grüße Harald