ARC World Rally 2024 – Santa Marta – Kolumbien
Ankunft: 17.01.2024, 21:00 Uhr
Unsere Ankunft hier war etwas mühsam. Wind bis 40 KN. Zuerst noch mit 1. Reff, dann mit 2. Reff im Grosssegel. Mathias hatte bei zusätzlicher Welle bis 4 Meter und den intensiven Böen bei Nacht am Steuer gut zu tun. Unser X 56 war voll in ihrem Element. Wasser zischte tosend an uns vorbei. Auf den Instrumenten stand 17,2 Kn als Speed over Ground – und es ging so einfach, so mühelos, so stabil – einfach berauschend.
Johannes und Sybille versuchten ihn zu lotsen. Nachts in einer Stadt mit all den vielen Lichtern einen Leuchtturm und ein grünes Licht auszumachen ist eine Herausforderung. Der Leuchtturm hatte weißes Licht ohne zu blinken….zum Glück hatte Mathias einen Waypoint auf der Ziellinie gesetzt. So sagte ich ihm immer den Kurs an, den er steuern musste um sicher die Lücke zwischen einer kleinen unbeleuchteten Insel und der anderen mit dem Leuchtturm darauf zu treffen. Zusammen haben wir es sicher hinbekommen. Damit hat es geklappt.
Wie wir im Ziel erfuhren war inzwischen der Hafen wegen dem vielen Wind gesperrt worden. Bei 40 kn / ca 75 km/h im Hafen ist einfach ziemlich viel. So kam per Funk von Rally Control, unserer Leitstelle, die Anweisung vor der Hafeneinfahrt zu ankern. Das ist ganz schön viel Wind. Also setzte ich eines unserer Headsets auf und krabbelte vor zum Ankerkasten um den Anker klar zu machen. Mir blies es beinahe die Brille von der Nase und Wasser flog mir entgegen.
Leider musste ich dort feststellen, dass die Ankerwinde keinen Strom hatte. Also prüften wir alle Sicherungsschalter…..alle waren aktiviert. So suchte Mathias im Handbuch nach einem weiteren Sicherungsschalter….während ich und Johannes abwechselnd am Steuer in der Bucht umhertrieben. Mir war es sehr unwohl dabei. Ich konnte kaum etwas sehen und das Boot fuhr ohne Motor mit 5 Kn Fahrt durch die Bucht. Mit Standgas im Rückwärtsgang ging es dann besser. So vergingen 1,5 Std. Bei uns war es 23 Uhr jedoch in Dänemark war es erst kurz vor 5 Uhr. Ab 06:30 Uhr könnten wir dort jemanden erreichen und weitere Tipps bekommen. Da war uns zu lang und funkten die Rally Control an, dass wir doch einen Hafenplatz ansteuern müssten. Sie organisierten, dass wir als Notfall ausnahmsweise doch an der Fuel Station festmachen durften. Ungefähr 16 helfende Hände standen am Steg bereit. Sie sprachen vorwiegend spanisch und hatten ihre eigene Vorstellung wie die Festmacher zu handhaben sind. Das brachte zusätzliche Aufgaben mit sich. Mathias legte mit viel Speed gekonnt an. 👍 Wir machten fest, bekamen Beifall und waren in Sicherheit.









Impressionen Überfahrt
Am nächsten Tag, 18.1. , war das Boot um 7:00 Uhr umzulegen. Anschließend musste einklariert werden. Da neben dem Marina Office und dem ARC Büro ein gutes nettes Cafe vorzufinden war, liesen wir uns dort bei all den anderen ARC Seglern:innen nieder und genossen den Austausch und das Wiedersehen bei einem leckeren Frühstück und einem Glas Mimose (Sekt-Orange). Anschließend war putzen und klar Schiff machen angesagt. Ich allerdings hatte mir vorgenommen, den 1. Tag nicht nur putzend zu verbringen, wie nach der Atlantiküberquerung. So genoß ich mit Maren und Volker von der NICA einen ersten kleinen Rundgang durch die Altstadt. Das ist gut. 🥰 Ich war doch ganz schön erschöpft von der Überfahrt…kurze Schlafphasen in der Nacht, aktives Segeln….das kostete Kraft.





Mit Johannes reparierten wir die Genua und auch oben im Mast gab es etwas zu prüfen. Danke Johannes, dass du das gemacht hast. 🙏
Mein erster Eindruck von Kolumbien hat mir gefallen. Spanisch sprechende gut gelaunte Menschen, Strand, Meer und unglaublich schmackhafte Mango Schnitze in Tütchen. 😋🥭Nach unserem Rundgang genossen wir noch eine leckere Pfefferminz Limonade im ersten Stock einer Bar, mit Sonnenuntergang. Die Sonnenuntergänge hier sind magisch.


Am nächsten Tag gab es einen Ausflug zu einem Museum außerhalb der Stadt zu einem der Kolumbianischen National Helden. Paso Bolivar. Ca. 1830. Er hat sich gegen die Spanier gewehrt und das Erfolgreich. Seine Idee war Kolumbien mit fünf weiteren Ländern zu vereinen. So wird er bis heute sehr verehrt. Mir hat bei dem Besuch der Finca, in der starb, das beobachten der Tiere sowie das bestaunen der alten großen Bäume am besten gefallen. Ich hätte dem Leguan stundenlang beim Fressen zuschauen können. Auch der Adler in seinem Nest war sehr bewegend. Zu sehen wie er seine Jungen beschütze usw.













Zum hundertsten Todestag wurde ein Altar aus Carara Marmor gefertigt. Der Künstler hat Bolivars Kopf so gestaltet, dass man all seine Rollen widergespiegelt sieht. Als junger Frauenheld von rechts, als Heeresführer von der Mitte und als alten Mann von links. Unglaubliche Leistung des Künstlers. Jedes Detail des Altars hat eine tiefgründige Bedeutung. Ohne den Reiseführer hätten wir diese Vielfalt an Details nicht gesehen.
Zum Abschluss ging es zurück in die Altstadt von Santa Marta. Es stand der Besuch des Gold Museum an. Leider hatte das Museum am Freitag Nachmittag schon geschlossen….😥und die Altstadt war schnell besichtigt. Diese sind auch nicht kolumbianisch, sondern von den Spanischen Kolonialherren erbaut worden. Die Indigenen Stämme hier leben und lebten nicht in Steinhäusern.




Die Tage vergingen schnell. Am Samstag Abend waren wir über die WARC zu einem Welcome Cocktail von der IGY Marina eingeladen, im Anschluss gab es eine ABBA Party (Organisiert und eingeladen vom Boot Less Traveled). Neben Getränken haben die auch einen eigenen DJ mit an Bord. Das hat sehr viel Laune gemacht. Hier haben wir wirklich eine tolle Truppe beieinander…feiern und tanzen geht immer….. Es sind rund 100 Mitreisende aus 28 Nationen auf 25 Booten lebend. Mit denen werden wir nun die kommenden Monate wie in einem reisenden Dorf zusammenleben und alle paar Tage wo anders sein, segeln, essen, trinken, klönen und feiern – einfach traumhaft. einfach herrlich schön.




Ihr seht…wir haben Spaß.😆Nina, Michael von der Serendipity und Ken von der LESS TRAVELED. Er hat die ABBA Party organisiert.
Am nächsten Tag hatten wir eine 9 std. Tour gebucht. Wir besuchten eine Dorfgemeinschaft der Arhuacos in der Katanzama Community, durften einen Baum pflanzen, erhielten für unsere Reise vom Dorfoberhaupt einen Segen.
Die Frauen der Arhuacos strahlten etwas besonderes aus. Ich würde es „Würde“ nennen. Auch die Kinder empfand ich ganz anders als bei uns. In sich ruhend, rund, scheu, wäre vielleicht eine Beschreibung. Jungs und Mädels sehen gleich aus. Alle haben lange schwarze Haare. Die Jungs erkennt man an ihrer Umhängetasche. Diese wurde von den Mädchen gestickt, oder Gewoben. So haben den weiblichen Aspekt auch bei sich, meditativ in die Tasche hineingearbeitet. So schön.

































Nach dem Mittag ging es in LKW Schläuchen den Rio Don Diego 45 Minuten bis zum Meer hinunter. Das Süßwasser kommt aus dem schneebedeckten Gebirge und ist entsprechend temperiert. Der Gipfel des heiligen PICO CRISTOBAL COLON geht bis auf eine Höhe von 5.775 Meter . Links und rechts des Wasserlaufes ist lebendiger Urwald mit Affen, Leguanen und wunderschönen Vögeln sowie Pflanzen. Die Tour war sehr beeindruckend und hat uns sehr gut gefallen. So nach 35 Minuten lag ein kleines Boot am Strand und bot Cocktail an. Grund genug hier einen Stopp einzulegen und im Wasserstehend einen Gin Tonic oder Pinacolada zu trinken.
Auf dem Heimweg kauften wir gegrillte Chorizo am Strassenrand sowie Obst und Gemüse. Mangos, Ananas, Passionsfrucht, Yuca, Yams, Kokosnuss usw. Sams und Yuca werden wie Kartoffeln zubereitet und schmecken ähnlich. Sind sehr eiweißhaltig und gesund. 😆
Am Abend gab es im Rahmen der WARC im Hafen Paella Essen. Nach dem Essen begann der Wind stark zuzunehmen. So gingen wir zurück zum Boot um unseren Sonnenschutz einzurollen. An diesem Abend hatte es Böen bis 48 Kn / ca. 90 km/h im Hafen. Gut, dass wir die Sprayhood und Biminis (Sonnenschutz) schon weggepackt hatten. Auch liegt unser Boot gut vertäut so am Steg, dass es weg und nicht hin gedrückt wird.
Gestern, Montag 22.01. waren wir dann des Windes wegen den ganzen Tag unter Deck. Draußen ist alles staubig und sandig. Auch im Boot ist es kaum möglich den Staub draußen zu lassen. Um 16:00 Uhr war dann Skipper Briefing für die San Blas Inseln und die Anfahrt zum Panamakanal. Um 19:00 Uhr wurde dann zum Dinner und Prizegiving geladen.
Ach beinahe hätte ich etwas wichtiges vergessen……
Wir haben den 3. Platz 🥉von Gruppe A1 geschafft. Vor uns war die Fatjax (Shipman 63) und die Skyelark 2 (Oyster 62). Das kann sich doch sehen lassen, oder? 🏆
Aufgrund der Wettervorhersage überlegen alle Boote gerade, wann sie auslaufen sollen. Der starke Wind soll erst Freitag nachlassen. Es muss nach 40sm die Flussmündung des Rio Magdalena in Barranquilla passiert werden. Sie sollte bei Tag passiert werden um den mitgebrachten Treibgut (Bäume, Waschmaschinen usw.) ausweichen zu können. Auch sollte man auf den San Blas Inseln wegen der Riffs tagsüber ankommen. Da wir für die 300nm mit 1,5 Tage rechnen ist das nicht so einfach unter einen Hut zu bekommen. Zumal wir morgen frühestens um 7.30 Uhr unsere Pässe zurück bekommen um dann ab 8:00 Uhr ausreisen zu können bzw. dann auch müssen.
Wir haben uns entschieden morgen zu starten. Auch wenn Wind und Welle zuerst noch etwas mehr sein werden, als gewünscht. Die paradiesischen San Blas Inseln locken…..
Johannes ist seit Sonntag nicht mehr bei uns an Bord und segelt nun auf der ABIDE einer X-Yacht 4.9 weiter bis Panama. Dort sind zwei Jungs in seinem Alter mit an Bord, das ist für ihn sicher netter als nur mit uns „Ollen“zu sein. Auch wollten wir diese Honeymoon-Islands gerne zu Zweit auf dem Boot genießen.
