Überfahrt nach England

Nach einem arbeitsreichen Hafentag in Dünkirchen freue ich mich morgen wieder auf dem Wasser zu sein. Das ausfüllen der Einreiseformulare nach England hat mich sehr angestrengt und überhaupt keinen Spaß gemacht. Nun ja, das müssen wir noch oft machen auf unserer Reise; daher war das erste Mal am arbeitsreichsten. Darum habe ich nun alles gespeichert und kann es beim nächsten Mal nutzen. Von Dünkirchen haben wir außer der coolen Gastro am ersten Abend nichts gesehen – außer dem Sporthafen. Da wir auf Grund des Wetter Routings um 3 Uhr ablegen wollten um mit der Strömung fahren zu können und den besten Wind zu erwischen, haben wir uns entschieden im Hafen Restaurant zu Abend zu essen. So sind wir früher im Bett. Im Restaurant wurde das Routing noch einmal überprüft und es kam heraus, dass 6 Uhr die optimale Zeit zum Ablegen ist. Das war eine sehr gute Nachricht. Erick und ich haben dann um 6:30 Uhr abgelegt und sind in den Morgen hinein gefahren. Wir hatten Wind und Welle während wir an der französischen Küste Richtung Calais entlang segelten. Ich war sehr froh an der frischen Luft in Fahrtrichtung gesessen zu haben und nicht im Bett im Bug gelegen zu haben wie Mathias. Es war sicher sehr viel Bewegung bei ihm im Bett. Es gibt da so tolle Fahrgeschäfte auf dem Jahrmarkt, in denen man herumgeschleudert wird…..so ist es bei Seegang in unserer Schlafkabine. Da wir immer wieder eine „Wende“ fahren mussten, rollte Mathias von einer Bettseite auf die Andere. Wenn der Wind genau von vorne kommt, können wir nicht segeln, da unsere Segel nicht vom Wind angeströmt werden. Dann müssen wir einen Zick-Zack-Kurs fahren um Wind in die Segel zu bekommen. Auch krängt das Boot beim Segeln, das bedeutet es gibt eine Drehung zur Seite über die Längsachse. So fliegt alles was nicht gesichert ist durch das Boot. Oder man rollt im Bett von links nach rechts und umgekehrt. Deshalb muss alles gut verstaut sein und die Türen sowie Schränke und Schublanden geschlossen. Im Bett eignet sich das Liegen in stabiler Seitenlage um einigermaßen liegen zu bleiben, oder das schlafen im Salon. Dort in der Mitte des Bootes ist am wenigsten Bewegung spürbar.

Die ersten Stunden war es gestern sehr kalt. Ich hatte drei Schichten an und sogar meine Segelstiefel kamen zum Einsatz. Da mir bei dem Seegang flau im Magen war hatte ich keinen Appetit auf Frühstück. Gegen Mittag wurde es wärmer und die See ruhiger, da freuten wir uns an der vorgekochten Kürbissuppe und Brownies zum Nachtisch. Die Sonne wärmte immer kräftiger und wir genossen es sehr. Das durchfahren des Verkehrstrennungsgebietes im englischen Kanal klappe ohne Probleme. Es waren wenige ganz große Schiffe unterwegs.

Im Verkehrstrennungsgebiet, TSS genannt

Um ca. 17:30 Uhr kamen wir vor dem Hafen von Eastbourne an. Um in den Hafen zu gelangen muss eine Schleuse passiert werden. Ich war am Steuer, Mathias und Erick bedienten die Leinen und brachten die Fender an. ( Fender sind luftgefüllte längliche Gummiballons, die man anbringt um den Schiffsrumpf zu schützen. Im Hafen oder eben in einer Schleuse.) Am Steuer zu sein ist jedesmal sehr aufregend für mich, da ich weder unser Boot, noch andere Boote beschädigen möchte. Nur reagiert ein Boot eben nicht wie ein Auto. Das bleibt nicht einfach stehen, wenn ich kein Gas mehr gebe, das fährt weiter, wenn auch langsamer. Es reagieret zusätzlich auf die Wasserströmung, die Wellen und den Wind.

Alles hat gut geklappt. Wir waren in der Schleuse festgemacht. Dann öffnete sich das vordere Schleusentor und es strömten große Mengen Wasser hinein. Der Wasserspiegel stieg um mehrere Meter. Oben am Geländer standen viele Menschen und betrachtete das Schauspiel. Dann öffnete sich das vordere Schleusentor und ich konnte ausfahren. Um zu unserem zugewiesenen Liegeplatz zu gelangen musste noch eine Brücke geöffnet werden. Da die Hafenmeister alles per Video überwachen können, öffnete sich die Brücke für uns als wir näher kamen.

Als das Boot sicher in der Box lag freuten wir uns an der warmen Sonne und öffneten zur Feier des Tages das „Blubberwasser“ das wir von der X-Yacht Werft geschenkt bekommen haben. Vielen Dank dafür auf diesem Wege. Hat sehr lecker geschmeckt. Viele Passanten liefen an unserem Boot vorbei blieben stehen und meinten: „beautiful boat“, da strahlte Mathias. So etwas gefällt ihm. Das schönste Boot im Hafen zu haben, das macht ihn glücklich. Und wir waren mit Abstand das schönste Boot im Hafen.

Um den Hafen herum ist eine sehr schöne Wohnanlage. Einfamilienhäuser in allen Größen, Appartements usw. Sehr schöne Gärten mit Palmen, Rosmarin, Lavendel usw. Es duftete wunderbar. Eine sehr schöne Gegend, mit sehr freundlichen Menschen. Da lacht das Herz. Zum Abendessen gab es Thailändisch. Das hat uns prima geschmeckt.

Am Morgen legten wir nach einem Spaziergang in Eastbourne bei herrlichem Sonnenschein ab. Da es leider zu wenig Wind gab, mussten wir unter Motor fahren. Ziel heute: Southampton. Die Küste sah wunderschön aus. Weiße, steile Felsenlandschaften, oben grüne Felder, dazu der blaue Himmel und das türkisfarbene Wasser, was will man mehr. Nun freuen wir uns auf Southampton. Dort werden wir ca. 4 Wochen verbringen.

Da heute der 24. Geburtstag von meinem Sohn Nico ist, gab es zur Feier des Tages selbst gebackenen Apple Crumble. Alles, alles Gute für dein kommendes Lebensjahr wünschen wir dir auf diesem Wege! Schön, dass es dich gibt.

Von Cadzand nach Dünkirchen

Gestern haben wir ausgeschlafen und frische Brötchen zum Frühstück genossen die Mathias beim Bäcker geholt hat. Um 10 Uhr kam Jacky aufs Boot und wir sind gemeinsam am Strand spazieren gelaufen. Das Naturschutzgebiet in Cadzand ist wunderschön. Nach dem Spazieren gab es zum Lunch Kakao und Tomatensuppe für Mathias, Tee und Bitterballen für mich. (Bitterballen sind mit Ragout gefüllte Kroketten die man mit Senf ißt. Ich liebe sie. Nicht gerade healthy food, aber mega lecker) In Cadzand zeigen sich bei Mathias so viele Kindheitserinnerungen. Es muss eine sehr schöne Zeit für Ihn gewesen sein. Es hat sehr viel Freude gemacht ihn mit seinem Freund aus Kindheitstagen über vergangene Zeiten sprechen zu hören. Jacky hat sich sehr gefreut uns wiederzusehen. Auch unser Boot hat ihm sehr gefallen. Auch wir haben die Zeit mit ihm sehr genossen. Mal sehen, wann das Leben uns das nächste Mal zusammen führt.

Um 14 Uhr haben wir dann bei Flut in Cadzand abgelegt mit Ziel Dünkirchen in Frankreich. Von Holland über Belgien nach Frankreich an einem halben Tag. Wir haben Knogge, Seebrügge und Ostende passiert um dann um ca. 20 Uhr im Hafen von Dünkirchen anzulegen. Der Hafenmeister hat uns hier einen Platz reserviert. Er hat den Platz mit weiß-rotem Absperrband markiert. Das haben wir so auch noch nie erlebt. Sehr freundlich. Da die Küche im Hafen Bistro um 20:30 Uhr schließen wollte sind wir schnell in unseren Segelklamotten los zum Restaurant. Dann kam die große Enttäuschung. Die Küche hat ein Problem mit dem Gas und kann nicht kochen. Der Wirtin tat dies sehr leid, uns auch. Hilft ja nichts, müssen wir ein anderes Restaurant finden. Erick suchte eines mit seinem Handy und lotste uns durch die nassen Strassen von Dünkirchen. Viel Auswahl hatten wir nicht, da die meisten Restaurants um 20 Uhr schließen. Nach 10 Minuten Fußmarsch kamen wir an. Eine Kneipe in einer alten Lagerhalle, richtig cool. „La Campuse“ Wir bekamen den letzten freien Tisch am Tresen. Die Verständigung war etwas schwierig, da der Kellner unser französisch nicht verstand und er kein Englisch sprach. Am Ende haben wir dann doch alles bekommen was wir wollten. Leckeres Bier, Jakobsmuscheln, Schnecken und verschiedene Fleischgerichte. Zum Nachtisch kam die Krönung. „Baba au rhum“ ein Napfkuchen aus Hefeteig getränkt mit Rum. Wir kannten dieses Dessert aus der Karibik, haben jedoch noch nie so einen leckeren gegessen wie gestern. Morgen haben wir dann etwas Zeit Dünkirchen zu entdecken und beim Frühstück wurde der Plan für die nächste Route besprochen. Nachdem Wind, Strömung und Wetter geprüft waren, kamen wir zu dem Ergebnis, dass wir in der Nacht um 3 Uhr auslaufen müssen um mit der Strömung hoch am Wind segeln zu können. Wir werden ca. 10 Stunden unterwegs sein bevor wir in England anlanden. Das Wetter ist kühler und unbeständiger geworden. Wir haben immer wieder regen. Gut, dass wir den Schirm von Regine und Matthias dabei haben. Ich hätte nicht gedacht, dass wir ihn so oft nutzen. Danke euch Beiden.