Fraser Island, Great Sandy Straits

Die Passage zwischen Fraser Island und dem Australischen Festland wird Great Sandy Straits genannt. Fraser Island ist eine der größten Sandinseln der Welt. Von Bundaberg gibt es Richtung Brisbane die Option außen um Fraser Island herum zu fahren. Das sind 138 nm oder 20 Stunden bei gutem Wetter und günstiger Wellenrichtung. Hier setzt ein kräftiger Strom entlang der Nordost Küste nach Süden. Nördliche Winde sind fein. Alles was kräftiger aus Süden oder Südosten kommt macht diese Passage lang und auch unangenehm.

Meine Pforte nach Australien. Bundaberg Marina
Angekommen in Bunda

Die andere Option ist die Great Sandy Straits zu nutzen. Das sind von Bundaberg 89 nm durch Naturschutzgebiete, entlang an weißen Kliffen oder Sandstränden, Schildkröten, Delfinen sowie mit zwei Schlüsselstellen. Eine davon hat auf einer Strecke von 2 nm immer wieder in der Karte eine Wassertiefe von 1 Meter. Der Tiefgang der X 5.6 beträgt 2.70 m. Je nach Stelle kommt durch die Tide noch zwischen 1,30 und 3,00 m bei Hochwasser dazu. Jedoch verschiebt die Strömung in der Passage die Sandbänke regelmässig. Die zweite Schlüsselstelle ist die Wide Bay Bare am südlichen Ausgang der Passage. Hier ist soviel Bewegung im Sand, dass nur mit dynamischen AIS Markierungen gearbeitet wird. Die letzte Vermessung wurde im Mai 2024 veröffentlicht. Das ist aktuell genug. In der Navionic Karte werden Fachstellen mit 4 m Tiefe gezeigt. Die sind kurz vor dem offenen Wasser noch zu passieren.

Wer mich besser kennt, weiß mich reizt so eine Inland knifflige Passage. Erkundigungen bei verschiedenen Einheimischen werden eingeholt. Die Karten, Informationen im Internet wie auch der Tidenkalender werden studiert.

Am Freitag fiel die Entscheidung. In der Nacht davor klärte das heftige Gewitter über Bundaberg die Luft. Das Wetter sah stabil aus. Am Morgen verabschiedeten wir Lee. Er flog zurück nach Tasmanien. Zusammen mit Patrick ging ich die Passage an. Es war ein Langer Tag. In der ersten Nacht ankerten wir sehr ruhig bei den North White Cliffs.

Am Samstag war in der Great Sandy Straits das Hochwasser am sehr späten Nachmittag. Es lagen 20 nm vor uns. Das Timing war so, dass wir möglichst früh an den Schlüsselstellen sind um Zeit zu haben wenn wir festsitzen sollten. Der Untergrund ist Sand. So führen leichte Grundberührungen kaum zu Kratzern. Dennoch ist sehr vorsichtig unter Motor zu fahren.

Auf dem Weg gab es durchaus bedenkliche Hinweise von anderen Seglern als sie von unserem Tiefgang hörten. Wir erlebten jedoch auch dass sich andere Segler sich anboten voraus zufahren und uns per Funk über zu flache Stellen zu informieren. Das ist internationale Seglerkameradschaft.

Es war sonnig und wir voller freudiger Anspannung. Das eine oder andere Mal blieb eines der Boote wie auch wir auf einer Sandbank stecken. Mit Strahlruder und Maschine drehten wir uns frei. Patrick mein Begleiter aus Fiji, hauptberuflich Hafenmeister von Musket Cove, Seefahrer und Inselbewohner konnte das Wasser beeindruckend gut lesen. Am Ende fanden wir / er ein Weg durch dieses Labyrinth aus Unterwasserhäufen und kamen wunderbar durch. Vor Sonnenuntergang kamen wir zu unserem Ankerplatz, nähe Wide Bay Harbour.

Bis zur zweiten Schlüsselstelle sind es von dort 5,5 nm. An dieser sollte man bei Hochwasser sein. Der Tidenkalender zeigte 05:19 Uhr mit 1,58 m. Das war sehr früh und wenig Tidenhub. Jedoch sah die Tiedenkurve eher wie eine Schulter aus und gab uns ein breiteres Zeitfenster mit zumindest 1,40 m über Kartentiefe. Um 04:30 Uhr hieß es Anker auf und los ging es zur Wide Bay Bare. Eine DER maritimen Passagen für Cruiser in Australien.

Fünf Boote vor uns und weitere 13 hinter uns ging es wie an einer Perlenschnur den dynamischen AIS Bojen entlang. Auch ohne Wind und nur geringe Wellenhöhe in der Coral Sea schaukelte es reichlich. Zu Beginn mit einer Wassertiefe von 20 m und mehr war es nur wacklig.

Es sollte eigentlich gerade sein, nur die Wellen waren so unruhig

Bei 10 m bei Tiefenmesser stieg die Konzentration. Die Stelle bei der Navionics 4 m angibt lag noch vor uns. Die Welle mit 1,5 m hob uns inzwischen spürbar aus dem Wasser. Jetzt wurde es erst. Hoch konzentriert wurden die Wellen gelesen um das Boot möglichst geschmeidig über diese Sandbare zu bringen. Um 06:08 lag die Wide Bay Bare hinter.

Fraser Island mit der Wide Bay Bare im Vordergrund

Patrick und ich klatschten uns vor Freude.

Yes we made Wide bay bare.

Es war sehr aufregend. Welle mit 1,5 m und Wassertiefe von 5,4 m. Wir sind froh und auch sehr zufrieden wie auch glücklich dieses erlebt zu haben.

4 Gedanken zu „Fraser Island, Great Sandy Straits“

  1. Guten Morgen,

    bin ich froh, diesen aufregenden Abschnitt erst am Sonntagmorgen nach einer erholsamen Nacht (Zeitumstellung in D) gelesen zu haben. Ich hab‘ ausreichend Empathie um diese Aufregung und Anspannung – samt dem Bedürfnis, sich anschließend abzuklatschen – bestens nachvollziehen zu können. Da ich kein Zahl-Abo vom Vesselfinder habe, sehe ich immer nur die letzten 24 Stunden – Damit aber den Start des Abschnitts in der Gegend von White Bay Harbour. Mit dem schlechten Kartenmaterial das man so als Hobby-Google-Naviagator im Zugriff hat, erscheint einem der obere (nördliche) Abschnitt (Great Sandy Strait) so spektakulär, dass ich meine unmaßgebliche Hand bei der nicht stattgefundenen Abstimmung für die Umfahrung gestreckt hätte. 😣 Aber wer weiß, vermutlich hätte mich der Eurer Erfahrung gefügt und mich von der abenteuerlichen Variante anstecken lassen…. 😬Gratulation zu diesem sensationellen großen Meilenstein.👍

    Grüße Harald@JOS72

    1. Für das Feedback danke ich. Von der Karte her war es tatsächlich an einigen Stellen nur mit dem Tidenhub möglich über die Stellen zu kommen.

      Ja tatsächlich sind auch hier an Bord die Varianten länger hin und her besprochen worden.
      Australien sorgt sehr für die Sicherheit ihrer Bürger. Das färbt ab. So war auch die Australische Seite der Crew für das geht und macht man nicht. Mein deutscher, in Modellen denkender Verstand sagte es sollte gehen und wenn nicht drehen wir um und fahren halt die dann 200 nm um Fraser Island herum.
      Ohne Welle geht so eine Grundberührung ja. Nur heute morgen bei der Wide Nay Bare kam die Welle mit 1,50 m von vorne. Da mag ich keine Grundberührung mehr erleben. Da stelle ich mir einen ziemlichen Rumps vor. Da wurde es mir bei 5,2 m auf dem Display schon etwas wärmer. Es ging gut und die Navionics Karten waren fein.

      Nun liegen wir in der Mooloolaba Marina. Das eine oder andere Anlegerbier ist getrunken. Das spricht sich der Ort noch flüssiger 🤣.

      Da ist die Hafeneinfahrt mal richtig nett. Innen war sie vor zwei Wochen noch ziemlich versandet. Da wurde inzwischen gebaggert. Das konnte so im Internet gefunden werden. Nur vor der Einfahrt baggert keiner. Die liegt quer zum Strand und Schwell. Die Sandbänke zeigten sich. Wir hatten 17 kn Wind und 1,5 m Welle von der Seite. Bei 8 Meter Tiefe wäre das eine kleine Sache. Nur meine Log zeigte heute bei der Einfahrt auch mal 3,20 m also 50 cm zwischen Kiel und Grund an. Das reicht für den Moment. Das aufregenden ist dabei was kommt in in den nächsten Metern, geht es weiter hoch oder wieder runter. Gedanken wie sollten wir auf die weiter steigende Tide warten oder wie komme ich hier aus der Situation bei Grundberührung wieder raus schiessen da durch meinen Kopf. Wir kamen rein. Innen hatten wir dann 2,5 kn Strömung und drifteten entspannt an der Aussenkurve an Badenden der 1. Welt entlang. Nach Monaten auf den sehr christlichen Inseln ist das schon auffallend wie reduziert die Bademode hier ist. 🫣😎

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