Am letzten Mittwoch fuhr der Bus um 7:00 Uhr in der Marina los. Das war sehr früh, denn am Abend zuvor saßen wir lange mit ein paar Booten im Hafenrestaurant zusammen. Wir haben ausgelassen gefeiert, viel gelacht und nicht nur Wasser getrunken. 😖😜


Lustiges Abendessen in der Marina Shelter Bay
Somit fiel mir das Aufstehen um 6:00 Uhr schwer….😫🐈⬛
Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt ins Landesinnere stiegen wir vom Bus in Boote der Emberas. Es handelte sich um ihre traditionellen Einbaumboote. Wer zuvor eine Toilette benutzen wollte, durfte dies in einem privaten Haus erledigen. Wir bezahlten Einen Dollar und durften dort durch den Wohnraum in das Badezimmer der Familie gehen. Das fühlte sich schon etwas befremdlich an, dort so einzudringen. Zu gerne hätte ich ein Foto gemacht, habe es aus Respekt der Familie gegenüber aber gelassen. Als ich an der Türe fragte ob ich die Toilette benutzen dürfte, ging die Frau zum Badezimmer und kam mit einem älteren Herrn, der ein Handtuch umgewickelt hatte, aus dem Badezimmer. Ihn scheuchte sie in ein Zimmer, das durch einen Vorhang vom großen Wohnraum getrennt wurde. Dann durfte ich die Toilette im Badezimmer der Familie benutzen. Waschbecken gab es keines – nur eine Dusche. Hände wuschen wir an der Spüle die sich auch im großen Wohnraum befand. Auf dem Sofa saß ein ca. fünf jähriger Junge und schaute Fernsehen. Der Wohnraum war ca. 30qm groß, karg eingerichtet, Wände im Rohbau. Dazu war der riesige Flachbildschirm des Fernsehers an der Wand ein großer Kontrast. 🥹


Anschließend ging es mit Schwimmweste in die Einbaumboote. Wir fuhren eine gute Stunde Flussaufwärts. Ich saß ganz vorne im Boot. Dies bereute ich sehr schnell, denn ich wurde sehr nass gespritzt. Das Verdrängungswasser des Bootes, das unter Motor fuhr, spritze mich sehr naß. Zusätzlich regnete es von oben. 😭 Hätte ich doch bloß meine Regenjacke nicht im Bus liegen lassen….🤷♀️ Wenigstens schützte mich die große Schwimmweste vor Wasser und dem kühlem Fahrtwind. Das war das erste Mal seit langem, dass ich fröstelte und nicht schwitzte. Zum Ende hin spritze es weniger und ich war wieder trocken bis wir im Dorf ankamen.
Die Dorfbewohner empfingen uns singend und trommelnd. Das war sehr schön. Wie im Film…..ich musste mich immer wieder kneifen, um mir bewusst zu machen, dass das gerade Realität ist. Kein Film, kein Traum.


Nach unserer Ankunft wurden wir in ein großes Versammlungszelt gebracht.


Dort durften wir uns setzen und wurden offiziell vom Oberhaupt des Strammes begrüßt. Unser Reiseleiter übersetzte das Spanisch vom Häuptling ins Englische. Die Dorfbewohner finanzieren sich über das Geld der Touristen und über den Verkauf von Kunsthandwerk. Für uns war der Ausflug Teil unseres ARC Paketes. So bekommt das Dorf sicher jedes Jahr Geld durch den ARC. Darüber freuen sie sich sehr. Dem ARC ist es wichtig, dass wir auf dieser Reise immer wieder durch Charityveranstaltungen die indigenen Völker finanziell unterstützen. Das tun wir sehr gerne.


Nach der Begrüßung wurde für uns getanzt und wir durften Fragen stellen. Mich interessierte, warum die Männer keine Körperbehaarung hatten. Dafür sehr dichtes schwarzes Haar auf dem Kopf. Zur Antwort bekam ich, dass sie ihre Babies mit einem Öl und Kräutermischungen einreiben, damit sie geschützt sind vor Krankheiten. Diese Einreibungen bringen mit sich, dass sie ihre Lieben lange keine Körperbehaarung haben.
Ihre Körperbemalung haben sie aus unterschiedlichen Gründen. Zum Beispiel ist es ein Moskitoschutz oder Paare werden vor der Hochzeit bemalt. Das Design sucht sich jeder selbst aus. Die Farbe hält 2-3 Wochen und stammt vom Saft einer kleinen grünen Frucht.
Wir haben uns auch bemalen lassen. Das haben die Frauen angeboten und sehr gerne gemacht. Nun können wir mal testen wie sich so ein Tattoo anfühlen würde. 😎😀Denn bald sind wir auf den Marquesas. Ihre Tattoos sind wohl sehr besonders. Immer wieder lassen sich Segler:innen dort tätowieren. 🤨😅



Nun wurde noch für uns und mit uns getanzt. 😆 Anschließend bekamen wir leckeren Fisch und frittierte Bananen in einem Bananenblatt serviert. So konnten wir gut mit den Händen essen. Zum Waschen der Hände war eine Wasserschüssel mit Kräutern aufgestellt. Zum Dessert gab es frische Papaya, Ananas, Wassermelone und Bananen. Alles schmeckte vorzüglich.
Gekocht wurde in einem offenen Holzhaus neben dem Versammlungsraum.
Drei große Baumstämme waren mit einer Seite zur Mitte gerichtet und glühten am Ende. Darauf wurde dann ein großer mit Öl gefüllter Topf gestellt und darin das Essen frittiert.

Nach dem Essen führte uns der Schamane des Dorfes herum. Zuerst ging es durch den Regenwald auf einem schmalen Pfad den Berg hinauf. Immer wieder hielten wir an und der Medizinmann erklärte uns die Heilwirkung der verschiedenen Pflanzen. Das fand ich natürlich sehr spannend und interessant. So sah ich zum erstmal „Katzenkralle“. Das habe ich an Bord, da es angeblich antiviral, antibakteriell und antimykotisch wirkt. Es sah aus wie eine dicke Liane, ca. 7 cm Durchmesser. Katzen schärfen ihre Krallen gerne daran. Daher kommt der Name.



Weg durch das Dorf.


Dann ließ er uns eine andere Pflanze probieren. Sie wuchs vereinzelt als dünnes Stängelchen aus dem Boden, sah aus wie viele andere Triebe auch, jedoch hat nur diese Pflanze diese besondere Wirkung. Ein Lokalanästhetikum für die Mundschleimhaut. Dies kauen sie bei Zahnschmerzen. Es wirkte sofort und stark.
Oben im Dorf angekommen wurde uns die Schule gezeigt. Von 5-12 Jahren gehen die Kinder in die Schule. Sie bekommen jeden Tag eine Milch und Reis mit Bohnen. Dies bezahlt die Regierung von Panama. Das Essen wird dort in der Schulküche gekocht.




Es gab zwei Klassenräume und ein keines Häuschen für die Lehrer. Sie übernachten von Montag bis Freitag im Dorf und fahren am Wochenende nach Hause. Da das Boot so abgeschieden liegt, geht es nicht anders. Für die Dorfbewohner ist es sehr schwierig selbst zu studieren. Lehrer oder Anwalt zu werden ist teuer und die Familie bzw. die Dorfgemeinschaft kann es sich nur sehr selten leisten.
Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass alle Altersklassen zusammen den Tag verbringen. Alle leben überall zusammen. Die Babies und Kleinkinder sind überall dabei. Auch fand ich all die Kinder sehr lieb, ausgeglichen und glücklich. Sie helfen sehr früh mit und übernehmen Aufgaben im Dorf. Da sie sich weitgehend selbst versorgen gibt es immer etwas zu tun.

Wir haben den Tag sehr genossen und sind mit einem Lächeln im Gesicht zurück in die Marina gefahren.

