Von Guernsey durch die Biskaya nach A Coruna

Gestern haben wir die Insel Guernsey mit dem Bus erkundet. Die Touristeninformation empfahl eine Buslinie, die um die Insel fährt. Das haben wir dann, nach einem ersten Rundgang durch die kleine Hafenstadt gemeinsam gemacht. Wir sahen wunderschöne Landschaft und viele kleine Reihenhäuser die die Küste säumten. An der Westküste stiegen wir für einen Spaziergang mit anschließendem Lunch aus. Wir tranken Cidre von der Insel, er schmeckte wie der Apfelmost den ich von früher kenne und aßen Muscheln in Sahnesoße, Pasta, oder Gnocci. Alles schmeckte köstlich. Anschließend fuhren wir zurück nach St. Peter. Vor dem Abendessen gab es eine Crew Besprechung an Bord zum Ablauf der nächsten Tage. Unser Ziel ist ja Marokko. Deshalb müssen wir diese schöne Insel heute schon verlassen. Aufgrund der Wettervorhersage ist heute am Sonntag um 9:00 Uhr der beste Zeitpunkt um Richtung A Coruna ( Nordspanien) abzulegen. Ankunft wird in 2,5 Tagen sein. Für mich und Evelyn ist das der erste Törn so lange am Stück, bin gespannt, wie es uns bekommt. Die Bordküche ist gefüllt mit leckerem Essen, frisch gebackenem Brot, Schokoriegeln, Nüssen, Bananen und Äpfel. Ölzeug, Skiunterwäsche, Segelstiefel, warme Handschuhe und die Skibrille liegen bereit. Denn es könnte Regnen unterwegs. Na, dann drückt uns mal die Daumen, dass Rasmus und Neptun es gut mit uns meinen durch die Biskaya.

Von Weymouth nach Plymouth war der Plan, gelandet sind wir in Guernsey

Rasmus hatte andere Pläne und blies uns auf dem direkten Weg nach Guernsey. Eine englische Kanalinsel. Wir segelten bei 18-22 Knoten hoch am Wind, 2 Knoten Strömung mit uns 8-10 Knoten Fahrt. Zuerst mussten wir um den Landzipfel bei Portland herum. Dann hätten wir unseren Kurs nach West ändern müssen, das hätte Wind von vorn bedeutet. Kreuzen oder Motoren. Beides unangenehm. Zumal die 80 Meilen nach Plymouth ein weiter Weg waren bei unserer späten Abfahrtszeit von 11:30 Uhr. Früher wollten wir wegen der Strömung nicht los. Ab 11:30 Uhr war sie mit uns, das ist sehr viel angenehmer. Während dem Segeln kam dann Mathias die Idee, mit Guernsey. Also haben wir den Reed’s studiert und mögliche Häfen angeschaut, Tiden und Strömungen studiert. Ankunftszeit 20:30 Uhr, also bei Dunkelheit. Bisher hätte ich mich nicht einmal bei Helligkeit dorthin getraut….aber wir spürten Alle, dass wir das gemeinsam meistern können. Ab 19:30 Uhr war Hochwasser in Guernsey, das war schon mal gut für uns. Wir schalteten unseren Schweizer Freund Roger ein, der hier in der Gegend im Frühjahr seinen RYA Yachtmaster Offshore gemacht und sehr fit in Navigation ist. Er hat uns Tips gegeben, uns beraten und uns von der Schweiz aus einen Hafenplatz organisiert. Das war eine sehr große Hilfe. Denn wir hatten sehr schlechten Internet und Telefon Empfang im englischen Kanal. Vielen Dank lieber Roger. Als es dann dunkler wurde nahmen Wind und Wellen ab. So navigierten wir bei 13 Knoten Wind und ohne Welle zwischen den Felsen hindurch in den Hafen. Am Hafen Eingang wurden wir vom Hafenmeister empfangen, der uns in seinem Boot zum Liegeplatz begleitete. Ein toller Service. Wir legten längs an der Steuerbordseite bei sehr ruhigen Bedingungen an, keine Strömung wahrnehmbar, kein Wind. Da ist uns aufgefallen wie warm es hier war, rasch schälten wir uns aus unserer Zwiebelkleidung und genossen mit einem stolzen fetten Grinsen unser Anleger Bier. Zum Abendessen gab es Brotzeit an Deck im Cockpit, auch sehr lecker. Mit der Zeit zeigte sich bei Allen eine angenehm zufriedene Müdigkeit und so gingen wir nach diesem Tag, der anders endete wie geplant glücklich in unsere Kojen. Das Gefühl von einer unsichtbaren Hand begleitet und geleitet zu werden war gestern für mich spürbar. Wir haben es erkannt, angenommen und gemeinsam umgesetzt. Das hat den gestrigen Tag so besonders gemacht.

Während der Überfahrt von Weymouth nach Guernsey

Fahrt von Cowes nach Weymouth

Heute sind wir um 11:30 Uhr Richtung Weymouth gestartet. Weymouth liegt westlich von Cowes an der Südküste Englands. Letzte Nacht hat es lange stark geregnet und ich war froh im Bett zu liegen und nicht auf Nachtfahrt zu sein. Am Morgen hörte der Regen auf und die Wolken verzogen sich. Da wir mit der Strömung fahren wollten hatten wir am Vormittag Zeit für die Sicherheitseinweisung und kurzes shoppen im Städtchen. Ich habe gestern einen kleinen Bioladen entdeckt und unsere Dinkelmehl Vorräte aufstocken können. Nachdem wir den Hafen verlassen hatten und der Wind achterlich kam bereiteten wir alles vor um den Parasailer zu setzten. Als wir soweit waren schlief der Wind ein. Nur noch 5 Knoten Wind. Zu wenig um ein Segel zu setzten. Mit 3 Knoten Strömung von hinten, Motoren wir durchschnittlich mit 9-10 Knoten Fahrt Richtung Westen. Um 18:00 Uhr kamen wir in Weymouth an.

Montag kam die Biskaya Crew

Montag Vormittag war Wäsche zu waschen um die Kabinen für unsere drei Crew Mitglieder aus Deutschland vorzubereiten. Mathias lag leider seit Sonntag Abend mit Grippalem Infekt im Bett. Unsere Crew-Mitglieder Evelyn, Bernd und Andreas wollten trotzdem kommen.

Mir war somit am Montag nicht langweilig…der Segelmacher kam um das reparierte Segel zu bringen und zu testen. Das Großsegel Elvstrom musste noch beschriftete werden, Wasser musste aufgefüllt, das Boot geputzt, und Infos an Mathias weitergegeben werden, der mit X-Yacht Dänemark Email Kontakt hatte wegen Wasser in der Dingi Garage und dem Autopiloten. Wir werden super unterstützt von X-Yacht, so dass das Boot bald bereit ist England zu verlassen. Ich habe alles geschafft, das war ein gutes Gefühl.

Um 14 Uhr kam Evelyn unser 1. Crew Mitglied an. Sie war eine tolle Unterstützung beim Einkaufen, Segel bekleben usw. Während wir beim Segelbedarfladen Force4 eingekauft haben, kamen die beiden Männer aus Hamburg an. Bernd und Andreas. Nun sind wir komplett. Am ersten Abend waren wir ohne Mathias im Hafen essen, da er nochmal das Bett hüten musste um schnell fit zu werden.

Am Dienstag hat sich Bernd mit Andreas um unsere Try Segel Schiene am Mast gekümmert, während ich mit Evelyn beim Einkaufen war. Wir haben 40 2l Flaschen Wasser an Bord geschafft und Lebensmittel für mehrere Tag eingekauft. Am Nachmittag ging es zum Segeln um den Autopiloten zu testen, der am Sonntag immer wieder ausstieg. Bernd stellte fest, dass da etwas mechanisches nicht stimmte. So fuhren wir nach Hample Point um Julian von X Yachts GB an Bord zu nehmen, der sich dem Problem annahm. Er hat herausgefunden an was es lag und konnte es direkt vor Ort gemeinsam mit Bernd reparieren.

Anschließend fuhren wir zurück in die Ocean Village Marina…das heißt wir wollten zurück fahren, denn in der Hafen Einfahrt ruckelte es komisch und wir schauten erstaunt auf die Tiefenanzeige…2,2m! Ich machte keine Fahrt mehr nach vorne, dachte zuerst an Gegenströmung, aber nein, wir steckten fest. Wie geht das denn? Der Tidenhub ist hier nicht zu unterschätzen, das wissen wir, aber laut Navionic Karte ist es auch bei Niedrigwasser möglich für uns einzufahren. Wir sind da schon so oft rein und raus gefahren, nur im Moment ist Vollmond und der Niedrigwasser Pegel ist niedriger als normalerweise. Also hab ich den Rückwärtsgang eingelegt und versucht mit Vollgas wieder raus zu kommen. Hat dann zum Glück geklappt. Ich habe dann das Steuer lieber an der erfahreneren Bernd abgegeben. Nach einem Anruf beim Hafenmeister bekamen wir die Info, dass wir nahe an der Hafenmauer fahren sollen, da wäre es am Tiefsten. Das ging anfänglich ganz gut, bis wir wieder stecken blieben. Also nochmal mit Vollgas rückwärts. Der Hafenmeister funkte uns an und sagte, wir sollen an den Plätzen für die „wirklich“ großen Boote mit 80 ft und mehr anlegen, da wäre es tief genug für uns und wir müssten nicht durch den Hafen fahren. Das haben wir dann gemacht, auch wenn „unser“ Platz schöner gewesen wäre. Nun lagen wir zwischen den „Großen“. Egal, der Tisch im „Baylaf“, war reserviert und wir freuten uns auf leckeres indisches Essen. Also gingen wir schnell los. Nach dem Abendessen, das wie immer sehr lecker und scharf war, zeigten wir unserer neuen Crew noch die „Dancing Man Brewery“. Ein toller typisch englischer Pub. Nach 4 Wochen Southampton kennen wir uns inzwischen ganz gut aus und laufen durch die Gassen als wären wir hier daheim. Uns war bewusst, dass das vorerst der letzte Abend in Southampton war. Nun heißt es Abschied nehmen. Die Tage in England gehen vorerst zu Ende, aber wir kommen wieder. Ich hoffe es sehr, denn mir gefällt es hier wirklich sehr.

Wir sind sehr glücklich mit der Wahl unserer Crew. Vielen dank, dass ihr mit uns segelt, Euer Wissen und Eure Erfahrung einbringt, mit uns lacht, segelt und feiert. Ich wünsche uns eine wunderschöne gemeinsame Zeit auf dem Wasser. Evelyn hat Sherry mitgebracht und wir haben heute Rasmus, dem Gott des Windes, einen Schluck gegeben, damit er uns wohl gesonnen ist auf unserer Reise von England nach Süden. Toll, dass ihr da seit.

Auch Mathias geht es inzwischen besser und so haben wir uns heute auf den Weg nach Cowes gemacht um dieses schöne englische Segelstädtchen zu zeigen. Hier haben wir frisches Obst und Gemüse gekauft, damit wir für unsere anstehende mehrtägige Überfahrt leckeres frisches Essen haben. Und nun geht es zum Abendessen.

frisches Obst und Gemüse im Salon der PURE FUN

Besuch aus Stuttgart

Am Wochenende hatten wir Besuch aus Stuttgart von Anna und Hanno. Anna kam mit Gehstöcken, da sie sich leider zu Hause den Knöchel verletzt hat und nicht auftreten durfte. Es fiel ihr schwer zu Ruhe zu kommen und nur zuzuschauen, daher musste sie immer wieder ermahnt werden….;)

Mit den Anna und Hanno, sowie Julian von X-Yacht England gab es letzten Freitag ein Testsegeln um Kutterstag-Segel und Rigg zu Testen. Das Wetter war prima, 20-25 Kn Wind und Sonne. Weniger erfreulich war, dass die Verbindung zwischen Kutterstag- Segel und Mast riss und das Segel ins Wasser flog. Da war die Überraschung groß. Wie konnte das passieren? Schnell und unproblematisch war das Segel an Bord zurück und wir segelten mit der Genua weiter. Da wir nächste Woche Richtung Marokko los möchten ist ein kaputtes Segel natürlich wenig erfreulich. Wäre es unterwegs passiert, wäre es viel schlimmer gewesen, jetzt kann es noch repariert werden. Mit den Freunden sind wir dann am Samstag nach Cowes auf der Isle of White gesegelt und genossen einen schönen Abend im Segel-Mekka. Sonntag ging es dann nach leckerem Frühstück an Deck bei herrlichem Wetter zurück nach Southampton, da Anna und Hanno um 15 Uhr zum Bus mussten.