Zurück in Australien

Zurück in Australien bin ich seit zwei Wochen. Die Zeit davor in Stuttgart mit Familie und Freunden war intensiv und herrlich. Der Abschied fiel mir dieses Mal sehr schwer. Die eine oder andere Träne floss zum Schluss.

Lange beschäftigte mich in dieser Zeit die Frage wie soll es nun in und von Australien weiter gehen. Es gibt Ideen. Jedoch wird es sich zeigen welche davon tatsächlich realisiert werden. Die Ersten sind gebucht.

Ein kurzfristiger Flug über Singapur war im Februar außerhalb meines Budget. So entschied ich mich für Qatar Airways und einem viertägigen Zwischenstopp in Doha. Es war mein erster Aufenthalt in einem arabischen Land und sicherlich nicht der Letzte. Die andersartige Lebensweise, Gerüche, Farben, Architektur, die Sauberkeit und Sicherheit sowie auch die Verhaltensweisen der Kataries haben mich fasziniert. Der Spannungsbogen geht von Kamelritt und Campen in der Wüste über quirlige Basare und goldstrahlender Fanar Moschee bis hin zu highend Architektur im Museums- und Hochausbau.

Dieser Zwischenstopp machte mir den Zeit- (+9 Stunden) und Temperaturunterschied (+25 Grad) von Stuttgart zu Queensland etwas leichter.

In Brisbane empfing mich die Pure Fun, strahlend und heil. Gespannt betrachtete, bestiegt und öffnete ich sie. Es gab noch einige Aufgaben zu erledigen. Jedoch war inzwischen auch die Lösung klar. Wesentliche Ersatzteile waren mit im Gepäck und kompetente Unterstützung durch Bernd war gesichert. Es war eine glückliche Fügung.

In den vergangenen 10 Tagen wurden alle Aufgaben entweder abgearbeitet oder vor Ort auf den Weg gebracht. Besten Dank Dir lieber Bernd. Die Werft wird das weitere nun soweit erledigen.

Jetzt ist tatsächlich mal Zeit für eine Reise. Australien ist riesig und mir bisher zu unbekannt. Die wichtigsten Zentren liegen an der Küste. All das mit dem eigenen Boot zu erkunden ist möglich. Ist jedoch reiflich zu überlegen und braucht eher zwei Jahre.

Ich habe mich entschieden zunächst Mal die Westküste anzuschauen. Mit dem Flieger (5,5 Stunden und dann nochmals 2,5 Stunden Flug) ging es gestern von Brisbane über Perth nach Broome. Ziel hier sind die Kimberley im Nordwesten, Fremantle als Segelhochburg im Westen wie auch das Weinanbaugebiet rund um Magaret River im Südwesten und Denmark im Süden anzuschauen.

Jetzt gleich wird die 13 tägige Kreuzfahrt mit einem kleinen Motorboot von Broome nach Darwin im indischen Ozean, genauer der Timor Sea, starten. Ich bin so gespannt und freue mich sehr auf dieses Seereise ohne selbst die Verantwortung zu haben. Die Rahmenbedingungen mit 10 Meter Tidenhub, reichlich Krokodilen, horizontalen wie auch vertikalen Wasserfällen und tropische Gewitter sind anders als das was ich zuletzt im Pazifik erlebt hatte.

Jetzt bin ich für 14 Tage mal offline. Hier gibt es kein Netz, nur Natur und die 17 Mitreisenden.

Weihnachten 2024

Stuttgart, 24.12.2024 hier feiern wir Weihnachten. Nach zwei Jahren auf dem Boot wird jetzt diese so besondere Zeit wieder zu Hause verbracht.

Es waren zwei Weihnachten im Warmen, unter Palmen und ohne unsere Kinder, Familien und Freunden. Es war anders, sehr anders. Hier merke ich noch mehr was mir alles gefehlt hat.

Die Adventszeit mit all den kirchlichen Konzerten, mit Lichtern in der Dunkelheit, Glühwein, Schnee, genussvollen Essen und vielen liebevollen Begegnungen sowie der Auswahl der Geschenke für die Lieben genieße ich in vollen Zügen.

Dieses Jahr war es nach den 11 Monaten auf See nochmals intensiver. Es gab so viele herzliche Umarmungen und berührende Treffen mit liebevollen Wegbegleitern. Bei den vielen Gespräche blinkten all die vielen bewegenden Momente dieser Reise durch den Pazifik pointierter auf. In ganz großer Dankbarkeit können wir auf ein so erfülltes Jahr zurückschauen. Wir sind gesund, haben unglaublich vieles erlebt, staunten über die Schönheit der Natur und sind tief berührt von den vielen bereichernden Begegnungen.

Wie oft spürte ich dieses Jahr wie Gott meine Wege lenkte. In so mancher Situation, wo sich die Dinge anders als zunächst geplant zeigten, war ich überrascht, oft auch ratlos, blieb im Vertrauen und irgendwie ging immer wieder eine Türe auf und es entwickelten sich andere bereichernde Wege. Es fügte sich wie es wohl sein sollte. Nicht wir leben unser Leben, das Leben lebt uns. Das ist eine buddhistische Lehre die ich dieses Jahr all so oft erfahren durfte.

Heute feiern wir Weihnachten. Der Baum ist festlich geschmückt. Wir sind vorbereitet. Geschenke und Gaben für uns liegen bereit. Wir haben allen Grund zum feiern. Wir nehmen Gottes Sohn im Kreise unser Familie wieder auf. Seine Liebe möge unsere Herzen erreichen und sie lange ins klingen bringen.

In dem Sinne wünsche ich gesegnete Weihnachten in Freude, Frieden und Harmonie.

Mooloolaba und Brisbane

Upppps… jetzt verging zu viel Zeit seit dem letzten Eintrag.

Mooloolaba wohl DER Urlaubsort an der Sun Shine Coast, hat eine reizende Marina, einen langen Sandstrand, einen sehr belebten Ortskern sowie eine aktive Fischereiflotte. Hier verbrachte ich die letzte Oktoberwoche. Der Ort ist in den vergangenen 50 Jahren auf Sumpf gewachsen. Auf künstlichen Inseln entstanden eine Reihen von sehr großzügigen Ferienhäuser.

Mein Highlight war die SV BLUEMOONA am selben Steg liegen zu sehen und Antonio wieder zu treffen. Seit November 2023 begleiten wir uns von der Marina RUBICON, Lanzarote, bis nach Fiji. Nun lagen wir 4 Monate später wieder beieinander. Es war Fügung und Freude.

Die Tage in Mooloolaba vergingen so schnell. Es war zauberhaft. Dennoch der Liegeplatz in Mooloolaba war vergeben und der in Brisbane gebucht. So ging es nach einer Woche schon weiter.

Die Marinas sind in Flüssen mit spürbarer ein- und auslaufender Strömung. So bestimmen die Gezeiten und die Tiefen den Tagesablauf. Leider musste Patrick aus familiären Gründen viel früher als geplant nach Fiji zurück. Kurzfristig konnte für das Wochenende niemand gefunden werden. So hieß es für mich das letzte Stück bis Brisbane alleine zurück zu legen. Ein Novum auf dieser zweijährigen Reise.

Dieser 2. November 2024 an dem es weiterging war ein windiger Tag. Morgens ging es zeitig mit der Flut raus. Antonio löste mir noch die Festmacher und dann war ich alleine mit der Pure Fun. Alles sah grau aus. Es war reichlich Wind angesagt.

Unter Motor ging es in dem recht flachen küstennahen Gewässer bis nach Moreton Island. Einen sehr ruhigen Liegeplatz gab es in der Nähe der Wracks in der Tangaloona Bay. Alles klappte gut jedoch viel langsamer. Mit Crew macht es mir viel mehr Spaß.

Tangaloona

Am 3. November 2024 stand die letzte Etappe nach Brisbane an. Ich war so freudig aufgeregt, dass es morgens mit dem ersten Tageslicht gleich weiter ging. Ein wirklich ruhiger Sonntag Morgen. Anker auf und dann ging es entlang des betonten Fahrwassers rein nach Brisbane.

Pünktlich zum kentern der Tide legte ich die Pure Fun am zugewiesenen Liegeplatz der RIVERGATE Marina an. Dort liegt die Pure Fun nun die kommenden drei Monate.

Mit John, dem erfahrenen Hafenmeister war alles vorbereitet. Er hies mich Willkommen zu Hause und ich freute mich am Ankommen. Jetzt fand diese so ganz besondere Reise auf dem Pazifik ein erstes Ende. Grund für mich auf die Reise, die Pure Fun und mich anzustoßen. Nur leider war Sybille da schon zu Hause in Stuttgart. So trank ich ihres mit.

In der kurzen Zeit bevor es endlich nach Stuttgart zum Zahnarzt ging war viel zu besprechen und zu organisieren. Die Mitarbeiter der Marina waren sehr professionell, hilfreich jedoch auch ganz klar, dass jetzt vor den Sommerferien über Weihnachten für mich keine Kapazitäten zur Verfügung ständen. Die Zeit war voll gepackt.

Ich wollte möglichst viel erledigt haben bevor Matt von Sydney für das verlängerte Wochenende ankam. Wir hatten uns vor der ARC in der Marina Rubicon, Lanzarote, im November 2023 kennengelernt. Auf den Kanaren wie auch in St. Lucia feierten und lachten wir viel zusammen. Jetzt besuchte Matt mich in Brisbane und zeigte mir seine Heimat. Es war eine tolle Zeit mit schönen Ausflügen. Herzlichen Dank!

Nach einem sehr langen Sonntag Abend Apero am Steg ging es am nächsten Morgen etwas verlangt am 11.11. zu Flughafen – Brisbane Good bye. Ich komme bald wieder.

Fraser Island, Great Sandy Straits

Die Passage zwischen Fraser Island und dem Australischen Festland wird Great Sandy Straits genannt. Fraser Island ist eine der größten Sandinseln der Welt. Von Bundaberg gibt es Richtung Brisbane die Option außen um Fraser Island herum zu fahren. Das sind 138 nm oder 20 Stunden bei gutem Wetter und günstiger Wellenrichtung. Hier setzt ein kräftiger Strom entlang der Nordost Küste nach Süden. Nördliche Winde sind fein. Alles was kräftiger aus Süden oder Südosten kommt macht diese Passage lang und auch unangenehm.

Meine Pforte nach Australien. Bundaberg Marina
Angekommen in Bunda

Die andere Option ist die Great Sandy Straits zu nutzen. Das sind von Bundaberg 89 nm durch Naturschutzgebiete, entlang an weißen Kliffen oder Sandstränden, Schildkröten, Delfinen sowie mit zwei Schlüsselstellen. Eine davon hat auf einer Strecke von 2 nm immer wieder in der Karte eine Wassertiefe von 1 Meter. Der Tiefgang der X 5.6 beträgt 2.70 m. Je nach Stelle kommt durch die Tide noch zwischen 1,30 und 3,00 m bei Hochwasser dazu. Jedoch verschiebt die Strömung in der Passage die Sandbänke regelmässig. Die zweite Schlüsselstelle ist die Wide Bay Bare am südlichen Ausgang der Passage. Hier ist soviel Bewegung im Sand, dass nur mit dynamischen AIS Markierungen gearbeitet wird. Die letzte Vermessung wurde im Mai 2024 veröffentlicht. Das ist aktuell genug. In der Navionic Karte werden Fachstellen mit 4 m Tiefe gezeigt. Die sind kurz vor dem offenen Wasser noch zu passieren.

Wer mich besser kennt, weiß mich reizt so eine Inland knifflige Passage. Erkundigungen bei verschiedenen Einheimischen werden eingeholt. Die Karten, Informationen im Internet wie auch der Tidenkalender werden studiert.

Am Freitag fiel die Entscheidung. In der Nacht davor klärte das heftige Gewitter über Bundaberg die Luft. Das Wetter sah stabil aus. Am Morgen verabschiedeten wir Lee. Er flog zurück nach Tasmanien. Zusammen mit Patrick ging ich die Passage an. Es war ein Langer Tag. In der ersten Nacht ankerten wir sehr ruhig bei den North White Cliffs.

Am Samstag war in der Great Sandy Straits das Hochwasser am sehr späten Nachmittag. Es lagen 20 nm vor uns. Das Timing war so, dass wir möglichst früh an den Schlüsselstellen sind um Zeit zu haben wenn wir festsitzen sollten. Der Untergrund ist Sand. So führen leichte Grundberührungen kaum zu Kratzern. Dennoch ist sehr vorsichtig unter Motor zu fahren.

Auf dem Weg gab es durchaus bedenkliche Hinweise von anderen Seglern als sie von unserem Tiefgang hörten. Wir erlebten jedoch auch dass sich andere Segler sich anboten voraus zufahren und uns per Funk über zu flache Stellen zu informieren. Das ist internationale Seglerkameradschaft.

Es war sonnig und wir voller freudiger Anspannung. Das eine oder andere Mal blieb eines der Boote wie auch wir auf einer Sandbank stecken. Mit Strahlruder und Maschine drehten wir uns frei. Patrick mein Begleiter aus Fiji, hauptberuflich Hafenmeister von Musket Cove, Seefahrer und Inselbewohner konnte das Wasser beeindruckend gut lesen. Am Ende fanden wir / er ein Weg durch dieses Labyrinth aus Unterwasserhäufen und kamen wunderbar durch. Vor Sonnenuntergang kamen wir zu unserem Ankerplatz, nähe Wide Bay Harbour.

Bis zur zweiten Schlüsselstelle sind es von dort 5,5 nm. An dieser sollte man bei Hochwasser sein. Der Tidenkalender zeigte 05:19 Uhr mit 1,58 m. Das war sehr früh und wenig Tidenhub. Jedoch sah die Tiedenkurve eher wie eine Schulter aus und gab uns ein breiteres Zeitfenster mit zumindest 1,40 m über Kartentiefe. Um 04:30 Uhr hieß es Anker auf und los ging es zur Wide Bay Bare. Eine DER maritimen Passagen für Cruiser in Australien.

Fünf Boote vor uns und weitere 13 hinter uns ging es wie an einer Perlenschnur den dynamischen AIS Bojen entlang. Auch ohne Wind und nur geringe Wellenhöhe in der Coral Sea schaukelte es reichlich. Zu Beginn mit einer Wassertiefe von 20 m und mehr war es nur wacklig.

Es sollte eigentlich gerade sein, nur die Wellen waren so unruhig

Bei 10 m bei Tiefenmesser stieg die Konzentration. Die Stelle bei der Navionics 4 m angibt lag noch vor uns. Die Welle mit 1,5 m hob uns inzwischen spürbar aus dem Wasser. Jetzt wurde es erst. Hoch konzentriert wurden die Wellen gelesen um das Boot möglichst geschmeidig über diese Sandbare zu bringen. Um 06:08 lag die Wide Bay Bare hinter.

Fraser Island mit der Wide Bay Bare im Vordergrund

Patrick und ich klatschten uns vor Freude.

Yes we made Wide bay bare.

Es war sehr aufregend. Welle mit 1,5 m und Wassertiefe von 5,4 m. Wir sind froh und auch sehr zufrieden wie auch glücklich dieses erlebt zu haben.

Bundaberg erreicht jedoch nicht angekommen – kurzes Update

Am 23.10.2024 um 15 Uhr LT sind wir gut in Bundaberg angekommen. Seit Tagen wurde diese Zeit den verschiedenen Behörden mitgeteilt. Dennoch war es nicht für alle notwendigen Stellen möglich uns an dem Tag abzufertigen und ankommen zu lassen. Büroschluss ist hier um 16:30. Da kam um 16 Uhr keiner mehr um uns die vier Stempel zu geben. So musste nach der erfolgreichen Biosecurity Prüfung der Steg wieder verlassen werden und geankert werden. Das Willkommen der Marina war so herzlich, dass uns nicht mal das Passwort für das WLAN gegeben wurde. Die Begründung war der Zoll habe uns zu erst noch abzufertigen. Willkommen in der ersten Welt. Mehr kommt später.