Wo fange ich an….puh….
Vorgestern habe ich keinen Plog geschrieben, weil ich in meiner Wache den ersten Squal hatte. Keine Zeit zu schreiben war, ich im Ölzeug im nassen Cockpit saß. Meine unangenehmste Wache bisher.
Am Tag darauf war die Stimmung mäßig, etwas Sand im Getriebe auf der Pure Fun…..auch der Himmel war trüb und bewölkt….ich war nicht in der Stimmung zu schreiben…habe lieber Musik gehört. Sind auch den ganzen Tag nur mit Genua und Groß gesegelt. Keiner war motiviert aktiv zu Gennakern…..🤷♀️
Dann wollte gestern nach einem offenen Gespräch die Stimmung wieder etwas besser werden….wir beschlossen um 16:30 Uhr, drei Stunden vor Sonnenuntergang den roten Wildfang frei zu lassen. Wir segelten aktiv. Wechselten alle 30 min das Steuer und fuhren die Leinen aus der Hand….das hat richtig Spaß gemacht und tat der Gruppe gut. Wir waren schnell und dynamisch. 10 Knoten im Schnitt, gesurft waren es auch mal 15 Knoten. Pure Fun……
Auch wenn es schwer fiel, entschieden wir uns den Wildfang zu Bergen vor der Dunkelheit. Dieses Segel fühlt sich an als müsste es gezähmt werden, so dynamisch, kraftvoll, impulsiv….was will man von einem knallroten Gennaker auch anderes erwarten. Eine Diva…..sie duldet keine Unachtsamkeit. 100% Konzentration und Prässenz ist gefordert. Waow! Sonst fällt sie ein, und bläht sich laut knallend wieder auf, wenn man denn die richtigen Leinen und das Ruder richtig bedient hat. Crazy 😜
Dann entschied sich unsere Diva dazu bockig zu sein. Sie hat ihren eigenen Kopf. Wehrte sich gegen den Bergeschlauch. Sie wollte weiter Tanzen, sich bewundern lassen, nicht zurück in die feuchte dunkle Segellast wo keiner ihre Schönheit bewundern kann. Sie begann sich ohne Bergeschlauch ums Vorstag zu schlingen.
Unzählige male. So schnell konnte man nicht schauen. Wir haben versucht über das Steuer das Segel abzuwickeln. Keine Chance…..Der Kampf begann. Mathias kämpfte von 19:30 bis 5:00 Uhr am Morgen. Völlig entkräftet überließen wir ab 5:00 Uhr das Segel sich selbst. Sie flog durch die Luft wie es ihr gefiehl. Am Abend haben wir noch zu Zweit versucht es abgewickelt zu bekommen…haben es bis auf eine Umdrehung geschafft……dann…eine Welle, das Boot schaukelt und im nu waren 10 neue Umdrehungen auf dem Vorstag. Oh nein…🥵😰
Seit 7:00 Uhr versucht es Mathias erneut. Immer wieder und wieder. Inzwischen gibt es Fortschritte, jedoch noch keine endgültige Lösung. Zweidrittel der tempramentvollen Diva liegen gefesselt an Deck….der Rest krallt sich krampfhaft am Vorstag fest und ist nicht willens sich herunterziehen zu lassen.
Unser Glück ist, dass wir trotzdem mit 7-8kn voran kommen… besser als Nichts. Strömung haben wir ca.0,5-1,0 Kn. Natürlich kein Vergleich zu 10-12 Knoten unter Gennaker. Dabei waren wir so motiviert, heute direkt nach dem Frühstück wieder mit der Roten zu segeln. ⛵️ so ist das im Leben…immer wieder kommt es anders als man denkt.
Ich bin letzte Nacht um 5:00 ins Bett. Solange Mathias auf dem Vordeck mit dem Segeltuch gekämpft hat, hatte ich Kurs und Steuer im Auge und auch Ihn. Immer wieder verschwand er unter dem roten Tuch…..es war und ist nicht ganz ungefährlich….daher muss eine Zweite Person mit an Deck sein. Als ich mit ihm zusammen vorne war spürte ich wie es immer wieder nötig war das Tuch wieder loszulassen, auch wenn man das Gefühl hatte es gleich geschafft zu haben, aber es würde einen mitreisen…..so kraftvoll ist das Tuch wenn es mit Wind aufgebläht…seinen eigenen Weg gehen will.
Jetzt ist 13:44 Uhr. Galapagoszeit. Mathias geht nach einer kurzen Pause wieder ans Werk. Hoffen wir das Beste. Er sieht sehr geschafft aus. Drückt uns die Daumen. 👍
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