ARC 2023, Tag 12 oder Vom und im Beat des Atlantiks

ARC 1.12.2023, 16:30,Uhr UTC

Vom und im Beat des Atlantiks

Diese Woche hatten wir unser Bergfest – die Hälfte der Seemeilen haben wir bereits hinter uns gelassen. Die Tage auf dem Atlantik vergehen schnell – fast zu schnell ☺️
Wir rechneten mit einer Überquerungszeit von 10-21 Tage und vor Reiseantritt wurde ich häufig gefragt, ob bei rund drei Wochen auf dem Atlantik wohl Langeweile aufkommen würde? Nach einer Zeit auf der Pure Fun darf ich verraten, dass Langeweile die geringste Portion an Bord ist. Alles an Bord hat seinen eigenen, anderen – ruhigeren Beat. So dauert ein Cappuccinozubereiten bei viel Welle und rund 20 Grad Schräglage im Vergleich zum Cappuccino kochen zuhause deutlich länger. Es werden die einzelne Zubereitungsschritte geplant: die Tassen in eine rutschfeste Box gestellt, die Milch in einem Moment aus dem Kühlschrank geholt, in welchem man sicher sein kann, dass nichts durch die nächste Wellenbewegung in den Kühlschrank hineinrutschen, aber auch idealerweise nichts herausfallen kann. Glücklich, dass die ersten Vorbereitungsschritte unfallfrei durchgeführt werden konnte, folgt die größere Challenge darauf: durch ein Umarmen der Nespressomaschine mit dem einem Arm wird diese sachte angehoben, damit die mit der anderen Hand fest gehaltene Tasse den Kaffee aus der Maschine direkt in die Tasse einfangen kann. Je nach Wellenbewegung balanciert der Arm und die Hand die neue Schräglage aus. Die Kür erfolgt durch ein Festhalten des Milchschäumers, sodass dieser sich nicht direkt in den Salon oder in die andere Richtung direkt ans Fenster bewegen anfängt und dennoch genug schäumt, sodass wir unser Ergebnis mit einem Lächeln im Gesicht uns zufrieden genießen können. Alles hat seinen eigenen, langsameren Beat und dabei hab ich euch nur einen kleinen Einblick ins Kaffeekochen gegeben 😉

Der eigene Beat des Atlantiks hat aber auch etwas sehr faszinierendes und magisches. Der frische Salzgeruch in der Luft, die Weite um uns herum und Seemeilenlang keine anderen Boote in Sicht, das Rauschen des Meeres und die je nach Lichteinfall unterschiedlichen Ozeanfarben, die fliegenden Fische um uns herum, Delfine die uns begleiten und atemberaubende Sonnenaufgang und -untergänge ziehen uns in den Bann der Elemente. 💛 Genug kann ich selbst nach unserer Halbzeit noch nicht davon bekommen haben. Mein absolutes Highlight war gestern zu Beginn von Andreas Wache – flouriszierendes Plankton 😍! Der Mond war noch nicht aufgegangen und so segelte die Pure Fun durch den dunklen Abend und zog am Heck viele kleine grün leuchtenden Punkte wie ein Schweif oder Sternenstaub hinter sich her. Atemberaubend schön!!

Heute ist der 1. Dezember und das erste Türchen meines Adventskalenders, der im Gepäck noch Platz fand, wurde geöffnet – vielen Dank Mama und ganz liebe Grüße nach Hause an dieser Stelle 🤗

Evelyn

Liebe Evelyn,
Vielen Dank für deinen erfrischenden Beitrag, mich hat er sehr amüsiert. 🥰

Nun noch etwas organisatorisches zu den Kommentaren der Blogleser:innen.
Uns wurde berichtet, dass sie nicht freigeschaltet waren. Mein Bruder Jochen hat sich diesem Thema nochmals angenommen. Nun müsste es funktionieren. Wir können eure Kommentare erst lesen und kommentieren wenn wir wieder Internet haben. Darauf freuen wir uns schon sehr. 😙Von hier draußen können wir nur einen Beitrag ohne Fotos in den Blog einstellen. Immerhin funktionieren Emojis. 😃

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ARC 2023, Das SEIN auf der Pure Fun aus Sicht von Andreas



30.11.2023, 13:20 Uhr UTC

Das SEIN auf der Pure Fun aus Sicht von Andreas

Nacht. Mal wieder.

Die wievielte eigentlich?

Vorher hatte der Künstler, nach dem mal wieder sensationellen kantenscharfen Sonnenuntergang, noch die komplette Farbpalette an den mit Dekowolken verzierten Abendhimmel geworfen, wo er sich tagsüber mit allen vorstellbaren Blauschattierungen begnügt hatte.

Ich kann mich nicht sattsehen.

Nachtwache. 3 bis 5.

Endlich wieder.

Diese zwei Stunden allein an Deck, ich genieße sie, es ist warm. T-Shirt, Shorts, barfuß. Meine Lieblingskleidung. Das Schiff zieht seinen Kurs, gesteuert wie von Geisterhand durch den Autopiloten, durch das scheinbar unendliche schwarzblau, erhellt vom Vollmond oder diesem sagenhaften Sternenhimmel.

Ich kann mich nicht sattsehen.

Der nächste Tag.

Oder war es der davor?

Inzwischen schläft jeder solange er will, hat seinen eigenen Rhythmus. Ein Kaffee für mich, einer für Bernd. Gleiche Kabine, gleiche Rituale. Müsli, ab und zu ein Nutellabrot, Segelwechsel, Segeltrimm, Buch. Lunch und Dinner stets gemeinsam – Routine im positiven Sinn. Sobald jemand das Wort „Langeweile“ nur denkt, gibt es plötzlich etwas zu reparieren, zu optimieren. Bordleben halt.

Die Gedanken schweifen.

Sie sind im hier und jetzt, nur selten bei den Projekten, die zuhause auf mich warten. Immer noch über 1000 Seemeilen. Ich sitze am Bug, warte auf Delfine, und bin froh hier zu sein, freue mich über meine Mitsegler und die unbeschwerten Tage und Nächte. Nimmt diese Reise denn nie ein Ende?

Hoffentlich.

Liebe Grüße an alle, die uns zuhause eifrig verfolgen. Und ganz besonders an dich, meine liebe Moni. Bald bin ich wieder da.

A

Lieber Andreas,

Herzlichen Dank für dieses Lesevergnügen.

Würdest du einen Roman schreiben, ich würde ihn verschlingen….

S

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